Handball

Füchse sichern sich einen Rückhalt mit Weltklasse

Berliner Handball-Bundesligist verpflichtet den 23 Jahre alten Dejan Milosavljev und heizt Konkurrenzkampf unter den Keepern an.

Dejan Milosavljev war schon während der WM mit dem serbischen Nationalteam in Berlin zu Gast.

Dejan Milosavljev war schon während der WM mit dem serbischen Nationalteam in Berlin zu Gast.

Foto: O.Behrendtvia www.imago-images.de / imago images / Contrast

Berlin. Mit der Feiertagsruhe war es bei den Füchsen Berlin am Donnerstag schnell vorbei. Grund dafür war aber nicht die 18:26-Niederlage, die der Handball-Bundesligist am Mittwochabend beim Tabellenführer in Flensburg kassiert hatte. Die Berliner warteten am Vormittag mit einem wahren Transferkracher auf.

Der serbische Nationaltorhüter Dejan Milosavljev von RK Vardar Skopje wechselt in diesem Sommer in die Hauptstadt. Der 23-Jährige erhält einen Vertrag bis 2024 und ist laut Berlins Trainer Velimir Petkovic „eines der größten europäischen Torwarttalente“.

Füchse wollen Heinevetter nicht früher ziehen lassen

Manch ein Füchse-Anhänger mag sich am Donnerstag verwundert die Augen gerieben haben. Ein Torhüter? In diesem Sommer? Aber warum denn? Schließlich hatte man doch im März Martin Ziemer von der TSV Hannover-Burgdorf verpflichtet. Und Silvio Heinevetter wechselt erst im Sommer 2020 zum Liga-Konkurrenten MT Melsungen.

Auch wenn gemunkelt worden war, dass es den Nationaltorhüter nach den Streitereien um seinen Wechsel mit Geschäftsführer Bob Hanning schon früher gen Hessen ziehen könnte.

„Ich gehe davon aus, dass wir mit drei Torhütern in die neue Saison starten“, macht Hanning nun aber deutlich. „Silvio hat bei uns einen gültigen Vertrag. Von uns wird es keine Aufforderung zur vorzeitigen Vertragsauflösung geben. Darin sehen wir keine Notwendigkeit.“ Ein Keeper-Trio also. Ungewöhnlich in der Handball-Bundesliga.

Doch die Verpflichtung von Dejan Milosavljev ist als klares Zeichen der Verantwortlichen zu werten. Sie ist eine Reaktion auf die durchwachsenen Leistungen, die Heinevetter und Teamkollege Malte Semisch in dieser Saison zwischen den Pfosten gezeigt hatten.

Der Transfer heizt den Konkurrenzkampf an

Es fehlte das beständige Top-Niveau, um in der Ligaspitze mitzumischen. Nach dem Karriereende von Petr Stochl, der zusammen mit Heinevetter viele Jahre lang das beste Torhüter-Duo der Liga gebildet hatte, wurde die verlässliche Konstante plötzlich zum Problem.

Heinevetter hatte zwar in zahlreichen Partien immer wieder seine Glanzmomente, allerdings nur phasenweise und nie über die gesamte Spieldauer. Semisch hingegen hatte von Saisonbeginn an einen schweren Stand.

Nun kommt also Dejan Milosavljev. Der Serbe wird den Konkurrenzkampf auf der Torhüter-Position ordentlich anheizen. Denn es ist davon auszugehen, dass Trainer Petkovic immer nur zwei Keeper in den Spieltags-Kader berufen wird. Einem droht also der Platz auf der Tribüne.

Privater Sponsor ermöglicht Transfer des Torhüters

Und Milosavljev ist nicht bloß ein Talent, das erst am Anfang seines Karriereweges steht. Der 23-Jährige, der am Wochenende mit Skopje beim Final Four in Köln um den Champions-League-Titel spielt, wurde in der vergangenen Saison zum besten Torhüter der mazedonischen Liga gewählt. In dieser Spielzeit winkt dem 1,96 Meter großen Hünen sogar die Wahl zum besten Keeper der Champions League. Der Neu-Fuchs hat Weltklasse-Format.

Dass ein so hochkarätiger Spieler in die Hauptstadt wechselt, haben die Füchse einem privaten Sponsor zu verdanken, der die gesamten anstehenden Kosten des Transfers und des ersten Vertragsjahres übernimmt. „Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, diesen Transfer mit Hilfe eines privaten Unterstützers umzusetzen“, sagt Manager Hanning. „Die Verpflichtung geht nicht zu Lasten unseres Etats.“

Füchse kämpfen noch um den fünften Platz in der Liga

Ganz fremd ist Berlin für Milosavljev übrigens nicht. Im Januar spielte der Torhüter mit der serbischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft die Vorrunde in der Mercedes-Benz Arena – zusammen mit Mijajlo Marsenic, der nun bei den Füchsen sein Teamkollege wird. „Ich habe davon geträumt in Berlin zu spielen.

Die Bundesliga ist eine sehr große Herausforderung, in der die Füchse einen unglaublich hohen Stellenwert einnehmen und deshalb freue ich mich sehr auf die kommenden Jahre“, sagt der junge Keeper.

Milosavljev bringt internationalen Glanz mit, den auch die Füchse für die kommende Saison so sehr ersehnen. Dafür brauchen die Berliner aber zwingend noch einen Sieg am letzten Spieltag gegen Wetzlar (Pfingstsonntag, 15 Uhr, Max-Schmeling-Halle), um den fünften Platz und damit die Teilnahme am EHF-Pokal zu sichern. Vielleicht ist es daher gar nicht so schlecht, dass sie bei den Füchsen mit der Verpflichtung von Milosavljev schon einmal ein Signal senden. Damit sich wirklich niemand ausruht.