Handball

Füchse spielen wie im Rausch

Die Füchse besiegen Top-Team Rhein-Neckar Löwen furios und machen großen Schritt Richtung Europacup-Qualifikation. Drux bester Werfer.

Nationalspieler Paul Drux war mit acht Toren bester Berliner Werfer beim Sieg über die Rhein-Neckar Löwen.

Nationalspieler Paul Drux war mit acht Toren bester Berliner Werfer beim Sieg über die Rhein-Neckar Löwen.

Foto: Andreas Goravia www.imago-images.de / imago images / Andreas Gora

Berlin. Hans Lindberg tollte mit seinem Sohn Aron durch die Halle und warf dem Jungen gut gelaunt einen Kinderhandball zu, Paul Drux beantwortete im Fernsehen geduldig alle Fragen nach diesem denkwürdigen Spiel, Fabian Wiede nahm die Glückwünsche von Freunden und Familie entgegen. Und alle drei Spieler der Füchse Berlin hatten eines gemeinsam: Ein fröhliches Lächeln im Gesicht, das auch noch eine halbe Stunde nach Abpfiff partout nicht weichen wollte. Er fühlte sich richtig gut an, dieser Sieg über die Rhein-Neckar Löwen im Top-Spiel der Handball-Bundesliga. Mit dem 34:33 (20:14) feierten die Füchse am 32. Spieltag vor 9000 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle einen furiosen Erfolg gegen die Mannheimer und haben damit einen großen Schritt in Richtung der erneuten Europacup-Qualifikation gemacht.

Nationalspieler Drux bester Berliner Werfer

„Dieses Spiel hat richtig viel Spaß gemacht, und jeder von uns hat seinen Teil dazu beigetragen“, sagte Nationalspieler Paul Drux. Der Rückraumstar war mit acht Toren der beste Berliner Werfer. „Wir haben wie im Rausch gespielt, das Selbstvertrauen war da.“ Begeistert zeigte sich auch Trainer Velimir Petkovic, der seine Mannschaft nach der Final-Niederlage im EHF-Cup eine Woche zuvor gegen den THW Kiel gut wieder aufgebaut und bestens auf die Löwen vorbereitet hatte. „Ich bin begeistert und glücklich, das war ein sehr schönes Spiel und in der ersten Halbzeit die beste Leistung in dieser Saison“, sagte der Chefcoach. Geschäftsführer Bob Hanning ergänzte: „Riesenkompliment an die Abwehr und den Angriff, wir haben als Mannschaft überzeugt.“

Die Füchse kämpfen im Saisonfinale um die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb, dafür muss am Ende mindestens Platz sechs erreicht werden. Derzeit sind die Berliner Fünfter. „Es ist ein Vorteil, dass wir entscheiden, wie unser Schicksal im Kampf um Europa endet“, sagte Petkovic und verriet: „Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt, wer nicht einhundert Prozent geben will, der gehört nicht zu uns und kann gleich gehen.“

Von Beginn an aggressiv und mit Torhunger

Eine Ansage, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Von einem Leistungsloch nach dem EHF-Cup-Final-Four keine Spur, im Gegenteil, die Berliner waren gegen die Löwen von Beginn voll da. Sie packten in der Abwehr um einen gut aufgelegten Torhüter Silvio Heinevetter (insgesamt zwölf Paraden) ordentlich zu und verwandelten im Angriff ihre clever herausgespielten Chancen. Letzteres hatte zuletzt nicht immer optimal geklappt, gegen die Löwen aber zeigten sich die Berliner bissig und torhungrig. Und belohnten sich somit für ihr Engagement.

Acht Tore Vorsprung vor der Pause

Kapitän Lindberg mit einem Doppelschlag und Linksaußen Bjarki Elisson bauten den Vorsprung der Berliner nach 17 Minuten bereits auf fünf Tore aus (11:6). Auch die Nationalspieler Wiede und Drux glänzten mit Spielfreude, Kreativität und Zielgenauigkeit im Abschluss. Selbst Abwehrchef Jakov Gojun durfte sich in die Torjägerliste eintragen (16:9, 23. Minute). Nur kurze Zeit später wehrte Heinevetter einen Wurf der Gäste ab und Wiede verwandelte den Gegenstoß zum 17:9 (24.). Acht Tore Vorsprung – eine Demonstration der Stärke. Am Spielfeldrand sprangen Manager Hanning und Sportkoordinator Volker Zerbe hoch und ballten beide Hände zur Faust. Und die Spieler? Sie schlugen sich nach Torerfolgen immer wieder auf die Brust, animierten die Zuschauer zu noch lauteren Jubelstürmen und sprangen mit ihren Oberkörpern zusammen. Adrenalin pur im Fuchsbau.

Am Ende wird es noch einmal ganz eng

Auch nach dem Seitenwechsel sprühten die Berliner vor Spielfreude und hatten Drang zum Löwen-Tor. Bis zur 45. Minute hielten die Platzherren den Abstand, das Spiel schien entschieden. Doch ein paar Fehler und Fehlwürfe schlichen sich nun ins Berliner Spiel, die Gäste witterten ihre Chance und kämpften sich Tor um Tor heran. Am Ende wurde es sogar noch dramatisch. 36 Sekunden vor Schluss nahm Trainer Petkovic eine Auszeit, die Füchse führten 34:33. Dann holte Wiede einen Siebenmeter raus, aber Lindberg verwarf. Der Gegenangriff ging in der Schlusssirene unter. In der Schmeling-Halle brachen alle Dämme. „Wenn man eine der Top-drei-Mannschaften besiegen will, dann muss man genauso spielen wie wir heute, das war hervorragend“, sagte Kapitän Lindberg. „Wir freuen uns, dass wir mit viel Können und hinten heraus mit viel Glück die Punkte in Berlin halten konnten“, sagte Torwart Heinevetter. Und lächelte.