Handball

„Wir müssen die letzten Prozente herausholen“

Füchse-Kapitän Hans Lindberg spricht über das Saison-Finale, den Kampf um Europa und seine Rolle als Kapitän

Hans Lindberg ist Handball-Weltmeister und Siebenmeter-Spezialist.

Hans Lindberg ist Handball-Weltmeister und Siebenmeter-Spezialist.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die Füchse Berlin empfangen zum Topspiel in der Handball-Bundesliga am Sonntag die Rhein-Neckar Löwen in der Max-Schmeling-Halle (13.30 Uhr, Sky). Damit beginnt für den Hauptstadtklub der Endspurt für Europa. Die Berliner müssen in der Tabelle mindestens Platz sechs halten, um die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb zu sichern. Die Mannheimer dagegen wollen ihren dritten Platz verteidigen. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir darüber entscheiden, wer nächstes Jahr in Europa mitmischt und wer nicht. Wir müssen uns nur auf uns selbst konzentrieren“, sagte Füchse-Trainer Velimir Petkovic. Im Morgenpost-Interview spricht Kapitän und Weltmeister Hans Lindberg (37) über das Saison-Finale.

Herr Lindberg, hat die Mannschaft die Enttäuschung über das verlorene EHF-Cup-Finale gegen den THW Kiel am vergangenen Wochenende verarbeitet?

Hans Lindberg: Ja, die Stimmung bei uns ist gut. Natürlich waren wir nach dem Finale traurig, es macht ja kein Spaß, so ein Spiel zu verlieren. In Kiel gewinnst du nur, wenn an diesem einen Tag alles zusammenpasst. Aber wir können auch stolz auf uns sein, im dritten Jahr in Folge das Endspiel erreicht zu haben. Das schaffen nicht viele Mannschaften, und das spricht auch für eine hohe Qualität sowie eine Kontinuität bei uns.

Der Liga-Endspurt hat es für die Füchse in sich. Nach dem Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen geht es nach Flensburg, zum Abschluss kommt Wetzlar nach Berlin. Was ist noch möglich?

Zunächst einmal freuen wir uns auf diese Spiele, das sind attraktive Gegner. Gegen die Löwen haben wir eine ausverkaufte Halle. Das ist klasse. Auch im Titelkampf können wir mit der Partie am Mittwoch in Flensburg noch ein Wörtchen mitreden, das macht immer Spaß. Es ist schön, dass wir es selbst in der Hand haben, die Qualifikation für den EHF-Cup zu schaffen, auch wenn es bei diesen Gegnern sehr schwer wird. Wir müssen es schaffen, dass wir alle noch einmal die letzten Prozente aus uns herausholen. Es war eine lange und harte Saison, nicht nur physisch, sondern auch mental. Wir hatten viele verletzte Spieler zu beklagen, das war schon hart. Kamen zwei Leute zurück, fielen auf einmal drei andere aus. Das muss man als Mannschaft auffangen, und wir haben das ganz gut geschafft.

Sie erleben bei den Füchsen Ihre erste Saison als Kapitän. Was hat sich verändert? Ihr Trainer Velimir Petkovic sagt, er würde jeden Tag etwas von Ihnen lernen.

Ich habe nicht versucht, meine Rolle groß zu verändern. Ich leiste wie immer meinen Beitrag, damit die Füchse erfolgreich sind. Sicher rede ich jetzt mehr mit dem Trainer und er auch mehr mit mir. Meine Aufgabe ist es auch, den Spielern zuzuhören, jeder Vorschlag, jede Idee ist willkommen, um die Mannschaft voranzubringen. Ich horche viel ins Team hinein um zu sehen, wie der Zustand ist. Meine Meinung sage und vertrete ich schon immer, sicher hilft mir da meine Erfahrung und Routine aus der langen Karriere. Mir wird zugehört in der Mannschaft. Aber genauso wichtig ist es, den anderen auch zuzuhören.

Sie haben in diesem Jahr mit dem WM-Triumph Ihrer Sammlung einen weiteren Titel hinzugefügt. Ihr Vertrag bei den Füchsen läuft noch bis 2021.

Ich denke schon immer mal an die Olympischen Spiele in Tokio, das ist ja nur noch ein gutes Jahr hin. Vorher gibt es sogar noch ein großes EM-Turnier in Schweden, Norwegen und Österreich. Und die Spiele Dänemarks finden in Malmö statt, das ist sehr nah an Dänemark dran und damit natürlich ein attraktiver Spielort. Ich muss jetzt im Sommer meinen Körper pflegen und die Defizite verbessern. Dann schaue ich mit dem Nationaltrainer, was möglich ist. Es ist auf jeden Fall immer eine große Ehre, für die Nationalmannschaft anzutreten und macht viel Spaß. Das wird sich bei mir niemals ändern. Die Frage ist nur, ob ich das harte Programm noch durchstehen kann mit zehn Spielen in 17 Tagen, das ist nicht so einfach. Da werde ich auf meinen Körper hören müssen.