Handball

Die Füchse und der harte Kampf um Europa

Die Füchse müssen die Pleite gegen Kiel abhaken, um Kraft für die Liga zu sammeln. Es geht um die Qualifikation für den Europacup.

Die Füchse-Spieler sind nach der Final-Niederlage gegen den THW Kiel tief enttäuscht.

Die Füchse-Spieler sind nach der Final-Niederlage gegen den THW Kiel tief enttäuscht.

Foto: Frank Molter / dpa

Kiel/Berlin. Auch das noch. Schon kurz nach der Abfahrt um 9.13 Uhr in Kiel kam der ICE 1175 am Sonntagmorgen zum Stehen. Mit an Bord die Füchse Berlin. Eine Signalstörung verzögerte die Rückreise der Handballspieler vom Final Four im EHF-Cup. Durch die 53-minütige Verspätung konnte der Anschlusszug nicht erreicht werden, sodass dann auch die Platzreservierungen nicht mehr galten. So mussten sich die Spieler über den nächsten ICE in die Hauptstadt verteilen. Ihre Mienen verrieten die Enttäuschung, die noch von den Ereignissen des Vorabends nachwirkte. Nach leidenschaftlichem Kampf in der Ostsee-Halle hatten die Füchse vor 10.285 Zuschauern im Finale 22:26 (10:16) gegen Gastgeber THW Kiel verloren und damit die erfolgreiche Titelverteidigung verpasst. Kiel hingegen feierte nach dem Gewinn des DHB-Pokals bereits den zweiten Titel der Saison.

Kraft sammeln für den Liga-Endspurt

Immerhin, am frühen Nachmittag kam der Füchse-Tross wohlbehalten wieder in Berlin-Hauptbahnhof an, die Spieler wurden in zwei freie Tage entlassen. Wertvolle Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten. Den Kopf wieder freizubekommen und Kraft zu sammeln für den Endspurt in der Liga. Denn locker lassen gilt nicht, im Gegenteil. Schon jetzt steht fest, dass es eine titellose Saison wird. Umso mehr lastet nun der Druck auf der Mannschaft, die erneute Qualifikation für den internationalen Wettbewerb zu schaffen.

Platz sechs reicht für die Europacup-Qualifikation

„Die Mannschaft hat eine herausragende kämpferische Leistung beim Final Four abgeliefert und kann sich in Sachen Einstellung nichts vorwerfen“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning, der direkt nach dem verlorenen Finale nach Magdeburg zu seiner B-Jugend fuhr, „jetzt haben wir noch drei schwere Liga-Spiele, um mindestens den sechsten Platz zu erreichen.“ Aufgrund des Titelgewinns des THW Kiel reicht dieser Rang für die Qualifikation für den EHF-Cup. Und der ist ein Muss für den mit vielen Nationalspielern gefüllten Kader, die Füchse orientieren sich in allen Wettbewerben an der nationalen und internationalen Spitze. Das Team muss jetzt liefern und das Minimalziel erreichen. Aktuell sind die Füchse Fünfter, allerdings punktgleich mit Melsungen (6.) und dem Bergischen HC (7.).

Große Ambitionen mit teuerstem Kader aller Zeiten

Mit dem teuersten Kader aller Zeiten und damit verbundenen großen Ambitionen waren die Füchse in die Saison gestartet, dann bremsten zahlreiche Verletzungen sie immer wieder aus. Bis zu zehn Ausfälle musste Cheftrainer Velimir Petkovic in der ersten Saisonhälfte kompensieren, was kaum möglich war. Die WM in Deutschland und Dänemark entfachte eine veritable Handball-Euphorie. Füchse-Kapitän Hans Lindberg kam gar als Weltmeister zurück nach Berlin, die deutschen Nationalspieler Silvio Heinevetter, Paul Drux und Fabian Wiede wurden als Heilsbringer gefeiert. Doch dann verloren die Berliner ihren Rhythmus, sie rutschen in ein sportliches Tief, mussten unnötige Niederlagen hinnehmen.

Hanning erhöht den Druck auf die Mannschaft

„Wenn wir mit dieser Intensität, die wir in Kiel gezeigt haben, die gesamte Saison über gespielt hätten, wären wir jetzt nicht in der Todeszone der Liga und müssten noch um die Qualifikation für Europa bangen“, sagte Manager Hanning und erhöhte den Druck zum Saison-Finale: „Wenn wir es nicht nach Europa schaffen, dann haben wir alle miteinander etwas falsch gemacht, dann können wir mit der Saison nicht zufrieden sein.“ Dann wurde er wieder milder: „Zwei Final Four in einer Saison zu erreichen, ist auch nicht schlecht. Andere Vereine würden so eine Bilanz gern haben.“

Hartes Restprogramm in der Bundesliga

Cheftrainer Velimir Petkovic war trotz des verlorenen Finals zufrieden. „Wenn man gegen Kiel gewinnen will, dann muss alles stimmen“, sagte der Coach und erkannte an: „Wir haben gegen eine bessere Mannschaft verloren.“ Seine Freude zog Petkovic aus der aufopferungsvollen Darbietung seiner Mannschaft. „Mein Team lebt und funktioniert. Die Spieler haben an Stärke und Glaube gewonnen.“ Jetzt wolle er unbedingt Platz fünf verteidigen. Das Restprogramm hat es freilich in sich. Am Sonntag empfangen die Berliner die Rhein-Neckar Löwen in der Schmeling-Halle (13.30 Uhr), drei Tage später dann geht es zu Titelfavorit Flensburg-Handewitt (18.30 Uhr, Sky). Im letzten Saisonspiel kommt am 9. Juni Wetzlar nach Berlin (15 Uhr, Schmeling-Halle).

Kiel hofft bei Gislason-Abschied auf das Triple

Der THW Kiel darf nach dem EHF-Cup-Sieg vor heimischer Kulisse auf das Triple hoffen. Nur zu gern würden die Spieler ihrem scheidenden Star-Trainer Alfred Gislason den Dreifach-Triumph aus DHB- und EHF-Pokal sowie Meisterschaft bescheren. Velimir Petkovic hat da eine ganz eigene Meinung. Auf der Pressekonferenz nach dem Finale sagte er: „Der Alfred sammelt Titel für Titel, und das hat er verdient, denn er ist einer der größten unserer Branche.“ Der Füchse-Coach wandte sich direkt an Gislason. Er lächelte: „Alfred, das ist deine letzte Saison, ich will, dass du gehst, damit auch andere mal eine Chance haben, Titel zu gewinnen.“ Gelächter im Auditorium.