Handball

Füchse-Trainer Petkovic: „Wir sind hungrig auf den Titel“

Füchse-Trainer Velimir Petkovic will mit den Füchsen den Titel im EHF-Cup erfolgreich verteidigen. Im Halbfinale geht es gegen den FC Porto.

Engagiert am Spielfeldrand: Füchse-Trainer Velimir Petkovic.

Engagiert am Spielfeldrand: Füchse-Trainer Velimir Petkovic.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Wenn Velimir Petkovic über den EHF-Cup spricht, funkeln seine Augen. Der Trainer der Füchse Berlin, der 24 Stunden an Handball denkt, hat viele gute Erinnerungen an den Europapokal. Als Trainer gewann er vier Mal den Titel im zweithöchsten europäischen Klub-Wettbewerb - mit Banja Luka (1991), Göppingen (2011, 2012) und den Füchsen (2018). Acht Mal stand er dort im Finale. Jetzt tritt der 62-Jährige an, mit den Füchsen den Vorjahreserfolg zu wiederholen. Im Halbfinale treffen die Berliner an diesem Freitag auf den FC Porto (20.45 Uhr, DAZN). Zuvor spielen Gastgeber THW Kiel und Holstebro (18 Uhr, DAZN) gegeneinander. Finale und Spiel um Platz drei finden am Sonnabend statt. Im Morgenpost-Interview spricht Petkovic über seine Titelträume.

Herr Petkovic, was bedeutet der EHF-Cup für Sie?

Velimir Petkovic: Der EHF-Cup steht für mich in erster Linie für den Gewinn eines Titels. Und es ist immer ein großes Spektakel. Das hat sich aber auch erst dahin entwickelt. Früher wurde der Pokal in Hin- und Rückspiel vergeben. Jetzt erlebe ich das vierte Final Four. In jeder Halle herrscht immer richtig gute Stimmung, das wird jetzt auch in Kiel wieder so sein. Und ich will unbedingt meinen fünften Titel holen, da rede ich gar nicht drumherum. Jede Zurückhaltung wäre unangebracht. Ein Triumph in Kiel, an einem der großen Handball-Standorte in Europa, er würde besonders süß schmecken.

Die Füchse haben aufgrund vieler Verletzter bislang eine schwierige Saison erlebt. Bis Weihnachten hatten Sie bis zu zehn Ausfälle zu beklagen. Nach der WM im Januar kam die Mannschaft nicht in Schwung. In Meisterschaft und Pokal sind die Titelchancen passé. Sind sie froh, jetzt noch um den einen Titel kämpfen zu können?

Auf jeden Fall. Und es gibt für uns keine Ausreden mehr. Alle Spieler müssen alles in diese 60 Minuten des Halbfinals werfen, was sie haben. Das ist ein K.o.-Spiel, wir haben nur diese eine Chance. Beim DHB-Pokal-Final-Four hatten wir mit der Auslosung Pech, sind knapp an Kiel gescheitert, die jetzt sogar die Chance auf drei Titel haben. Also noch Meisterschaft und EHF-Pokal. Aber wir werden alles dafür tun, dass es nicht dazu kommt. Am Ende beurteilt jede Mannschaft und jeder Verein die Saison nach Titeln. Und wir sind hungrig auf den nächsten.

Was war das Problem der Füchse nach der WM?

Nun, einige Spieler sind angeschlagen von den Titelkämpfen nach Berlin zurückgekehrt. Kapitän und Weltmeister Hans Lindberg und Rechtsaußen Mattias Zachrisson waren jeder einen Monat verletzt. Wir hatten Probleme, uns als Mannschaft wiederzufinden. Und Fabian Wiede, einer der besten Halbrechten der Welt, kam nicht so richtig in Tritt und musste mit der Situation klarkommen, dass viele von ihm nach der starken WM Wunderdinge erwartet haben. Die deutschen Handballer wurden ja überall euphorisch als Helden gefeiert. Die Emotionen sind im Verein dann ein bisschen untergegangen. Fabi ist unser Leistungsträger, aber man darf nicht vergessen, dass er erst 25 Jahre alt ist. Diese ganze Situation zu meistern, erfordert auch Erfahrung. Aber er ist clever, hat das gut überwunden und ist zurück. Dass wir mit unseren ganzen Problemen trotzdem zweimal ein Final Four erreichen, ist schon auch sehr gut. Egal, wie die Saison gelaufen ist, wir haben die Chance, einen Titel zu holen - und die wollen wir nutzen und werden alles geben. Den Charakter und den Willen dafür haben wir.

Fängt so ein Final Four bei Null an?

Auf jeden Fall, egal, welcher Klub schon welche Erfolge errungen hat. Oberste Pflicht ist für uns, das Halbfinale gegen Porto zu gewinnen. Danach erst reden wir übers Finale.

Portugal ist nicht unbedingt eine große Handball-Nation?

Mazedonien mit Vardar Skopje und Ungarn mit KC Veszprem haben auch internationale Top-Teams und gelten nicht als die ganz großen Handball-Länder. Der FC Porto ist eine richtig gute Mannschaft, die sich über die Jahre gut entwickelt hat. Porto spielt über 50 Minuten lang mit einem siebten Feldspieler und immer mit zwei Kreisläufern. In der Bundesliga wird das zwar auch praktiziert, aber Porto beherrscht das richtig gut. Wir müssen uns daher in der Abwehr sehr gut bewegen und sehr konzentriert sein. Die Körpersprache muss stimmen.

Porto hat gleich mehrere Kubaner in seinen Reihen.

Kubaner sprechen auch portugiesisch, sie kommen für ganz wenig Geld nach Portugal, entwickeln sich dort und haben dann die Chance, in Europa gutes Geld zu verdienen. Das ist eine große Motivation für die Spieler. Ich habe schon in meiner Karriere zwei Kubaner trainiert, das sind phänomenale Menschen mit guten Charakteren. Die kämpfen für ein besseres Leben - für sich und ihre Familien in der Heimat. Diese Sportler zeichnet ein bedingungsloser Einsatz aus, sie kämpfen um ihre Existenz.

Ein Triumph im EHF-Cup würde auch den internationalen Startplatz für die kommende Saison sichern. Das gilt auch für Platz fünf in der Bundesliga. Greifen die Füchse diesen Platz noch an?

Auf jeden Fall, und ich rechne damit, dass wir bis zum Saisonende alle Liga-Partien gewinnen.