EHF-Pokal

Kiels Trainer Gislason greift nach dem Triple

Für Kiels Trainer Alfred Gislason hat das Final Four im EHF-Pokal besondere Bedeutung. Auch die Füchse Berlin haben den Titel im Blick.

Kiels Trainer Alfred Gislason ist wie immer sehr engagiert an der Seitenlinie.

Kiels Trainer Alfred Gislason ist wie immer sehr engagiert an der Seitenlinie.

Foto: Frank Molter / dpa

Kiel. Alfred Gislason schlendert durch seinen Garten, Schere in der rechten Hand, die geliebten Rosen immer im Blick. Keine Termine, kein Training, kein Titeldruck – so stellt sich der scheidende Erfolgstrainer des THW Kiel den Sommer in Wendgräben vor.

Doch bevor sich der Hobbyzüchter in seinem Haus im Jerichower Land bei Magdeburg ganz seiner Passion widmen kann, steuert seine Abschiedstournee ihrem emotionalen Höhepunkt entgegen. „Der Sommer spielt noch keine Rolle“, versicherte Gislason: „Unser Fokus liegt voll auf dem kommenden Wochenende. Ich werde jedes Spiel genießen, das ich noch mit dem THW habe.“

Beim Final Four im EHF-Pokal in Kiel will Gislason seine große Karriere in seinem Wohnzimmer vor heimischem Publikum unbedingt mit einem weiteren, seinem dann 20. und vielleicht letzten Titel mit dem THW krönen.

Finale gegen die Füchse Berlin ist möglich

Eine stimmungsvolle Abschiedssause ist programmiert: Unabhängig vom Ausgang werden das Halbfinale am Freitag gegen die Dänen von TTH Holstebro (18 Uhr/DAZN) und das Medaillenspiel am Sonnabend gegen die Füchse Berlin (EHF-Pokalsieger von 2015 und 2018) oder den FC Porto – das Duell findet am Freitag um 20.45 Uhr (DAZN) statt – Gislasons letzte internationale Auftritte mit den Zebras sein.

„Ich werde überall darauf angesprochen. Ich selbst versuche aber, das soweit es geht auszublenden“, sagte der Isländer, der seine ruhmreiche Karriere als Vereinstrainer nach der Saison beendet, der Handballwoche. Der Cupgewinn „wäre für mich, meine Mannschaft und den Verein sehr wichtig“.

Und ein weiterer Schritt zum perfekten Abschied mit dem möglichem Triple. Denn nach dem Sieg im DHB-Pokal und dem Final Four im Europacup winkt auch noch der Titel in der Meisterschaft.

Trainer Gislason begann mit einem EHF-Pokal-Sieg

Für Gislason hat der EHF-Pokal eine ganz besondere Bedeutung. Mit einem Erfolg im zweitwichtigsten Europacup-Wettbewerb hinter der Champions League könnte sich für ihn am Wochenende ein Kreis schließen.

„Mit dem EHF-Pokalsieg 2001 mit dem SC Magdeburg startete meine Trainer-Karriere vor 18 Jahren richtig durch“, sagte der 59-Jährige: „Deshalb wäre es das i-Tüpfelchen, wenn meine Karriere im Vereinshandball auch mit dem gewonnenen EHF-Pokal enden würde.“

Zumal ihm diese Trophäe in seiner großen Titelsammlung mit dem THW als letzte noch fehlt.

Kiel setzt im Final Four auf Heimvorteil

Die Chancen für die Kieler könnten besser nicht sein. Immerhin hat der THW kein einziges seiner 21 EHF-Pokal-Heimspiele seit 1997 verloren und im laufenden Wettbewerb sämtliche acht Spiele für sich entscheiden können. Hinzu kommt die aktuelle Serie von 16 Pflichtspielsiegen hintereinander und der umjubelte Derbyerfolg gegen die SG Flensburg-Handewitt am vergangenen Sonntag.

Nicht zuletzt die 10.250 Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Arena könnten sich als entscheidender Trumpf erweisen. „Natürlich kann es ein Vorteil sein, dass wir in unserer Umgebung spielen. Aber das hat im Vorjahr dem Gastgeber auch nichts genützt“, warnte Gislason.

Sein Team kann sich nach den Triumphen 1998, 2002 und 2004 zusammen mit Frisch Auf Göppingen und dem SC Magdeburg zum Rekordsieger des Cups aufschwingen könnte. Gislason brennt. Die Rosen müssen noch ein bisschen warten.