Handball

Warum die Füchse Wiede auch Fehler verzeihen

Gegen Kiel vergibt der Nationalspieler die Chance auf einen Punkt, trotz zweifelt keiner an den Entscheidungen des Strategen.

Über weite Strecken des Spiels nicht zu halten: Fabian Wiede (l.) zählt bei den Füchsen zu den Leistungsträgern.

Über weite Strecken des Spiels nicht zu halten: Fabian Wiede (l.) zählt bei den Füchsen zu den Leistungsträgern.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Die nur kurze Pause kommt Fabian Wiede schon entgegen. Dass bereits am Ostersonntag das nächste Pflichtspiel für die Füchse Berlin ansteht, dürfte für den Rückraumspieler des Berliner Handball-Bundesligisten fast schon eine Erleichterung sein. So bleibt immerhin nicht allzu viel Zeit, um mit der bitteren 29:30-Niederlage gegen den THW Kiel vom Donnerstagabend zu hadern. Um diese allerletzte Entscheidung, die Wiede 25 Sekunden vor Schluss getroffen hatte, wieder und wieder zu überdenken.

Mit nur 25 Jahren schon der wichtigste Mann

Dabei hatte der 25-Jährige an diesem Abend so viele richtige und vor allem schnelle Entscheidungen getroffen. Entscheidungen, die dazu führten, dass die Füchse keine langatmigen Angriffe spielten, die in vermeintlich vorschnellen Entscheidungen endeten. Weil sie durch drohendes Zeitspiel zum Abschluss gezwungen waren oder einfach keine Ideen hatten, wie die Kieler Abwehr zu bezwingen wäre.

„Wir haben im Angriff gute Lösungen gefunden“, befand Wiede, der im Januar ins Allstar-Team der Weltmeisterschaft gewählt worden war und sich auf der Mittelposition im Rückraum der Füchse unverzichtbar gemacht hat. Die Mitspieler verlassen sich auf den Nationalspieler, setzen darauf, dass der Spielmacher kreative Lösungen für das Angriffsspiel der Berliner findet.

Mitspieler profitieren von seinen Ideen

Bei all der Verantwortung vergisst man allerdings schnell, dass Wiede erst 25 Jahre jung ist. So auch im Duell mit dem Rekordmeister, in dem der Nationalspieler entweder selbst aus dem Rückraum traf oder aber seine Teamkollegen auf Außen und am Kreis so einsetzte, dass beinah jeder Angriff im Torerfolg endete.

Nur eben dieser eine nicht. Der Angriff, der am Ende etwas Zählbares für die Füchse mit sich gebracht hätte, der aus dem 29:30 ein 30:30 gemacht hätte. Dieser letzte Angriff, vor dem Trainer Velimir Petkovic extra noch eine Auszeit genommen hatte, um seine Jungs auf diese entscheidende Situation einzustimmen.

Trainer Petkovic wundert sich über Kempa-Trick

Doch in diesem so wichtigen Moment entschließt sich Wiede für die falsche Variante. Statt selbst auf den Kasten zu werfen, wählt er den Kempa-Trick, den THW-Keeper Niklas Landin und seine Abwehr aber recht schnell durchschaut hatten. Diese Entscheidung ließ auch Trainer Petkovic etwas verwundert zurück. „Ich frage mich, warum er da den Kempa-Trick spielt. Das haben wir nie gemacht. Ich hatte seinen Wurf erwartet, er war frei“, sagte der Coach. „Das ist eigentlich nicht seine Art, Lösungen zu suchen.“

Trotzdem wollten die Verantwortlichen nicht allzu viel Kritik an ihrem Spielmacher üben. Sie waren zufrieden mit Wiedes Leistung, der „sonst 80 Prozent richtige Entscheidungen trifft“, wie Petkovic einschob. Und mit seiner Entwicklung in den vergangenen Wochen, die nach WM-Leistungstief und Verletzung alles andere als einfach für den Rückraumspezialisten waren.

Boss Hanning nimmt seinen Leistungsträger in Schutz

„Vor der Pause hat er das perfekt gemacht. Alle haben damit gerechnet, dass er schießt, er lässt kreuzen und trifft eine überragende Entscheidung“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Statt Wiede hämmerte Stipe Mandalinic aus dem Rückraum den Ball zum 15:12 (30. Minute) ins Tor.

Dem jungen Kreativkopf damit den Druck zu nehmen, ihm nicht noch mehr Last auf die ohnehin schon bepackten Schultern zu laden, macht Sinn. Auch im Hinblick auf das kommende, wichtige Viertelfinal-Hinspiel im EHF-Cup am Sonntag in Hannover (15 Uhr, DAZN). Denn da brauchen sie vor allem eines von Wiede – richtige Entscheidungen.