Handball

Pokal-Revanche für die Füchse: Nur der Hans, der kann’s

Das Duell gegen Kiel am Donnerstag soll die Pokal-Revanche für die Füchse Berlin werden. Und ein Spieler weiß, wie man den THW schlägt.

Nicht nur der Treffsicherste bei den Füchsen: Kapitän Hans Lindberg ist auch einer der wenigen Berliner Spieler, die wissen, wie sich ein Sieg gegen den THW Kiel anfühlt.

Nicht nur der Treffsicherste bei den Füchsen: Kapitän Hans Lindberg ist auch einer der wenigen Berliner Spieler, die wissen, wie sich ein Sieg gegen den THW Kiel anfühlt.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Wenn der Ball im Tornetz zappelt, schallt da manchmal so ein Schlachtruf durch die Max-Schmeling-Halle: „Der Hans, der Hans, der Hans, der kann’s“. Ja, Tore werfen kann Hans Lindberg mit beeindruckender Quote. Mit 115 Treffern ist der Kapitän der Füchse Berlin erfolgreichster Torschütze seines Klubs. Aber dieser Hans, der kann noch etwas anderes. Der 37-Jährige kann den THW Kiel schlagen. Etwas, was außer ihm kaum jemandem im Kader des Berliner Handball-Bundesligisten bisher gelungen ist.

Der letzte Berliner Sieg liegt neun Jahre zurück

Zugegeben, die Erfolge sind nicht mehr ganz so frisch. Und gefeiert hat Lindberg die auch nicht mit den Berlinern. Sondern mit dem HSV Handball. Im November 2007 und fast genau drei Jahre später im November 2010 besiegten die Hanseaten den Rekordmeister aus Kiel.

Der letzte Sieg der Füchse gegen den THW liegt ähnlich weit zurück. Am 19. September 2010 erkämpften sich die Berliner ein 26:23. Der einzige Spieler, der schon damals dabei war und auch heute noch zum Team zählt, ist Torhüter Silvio Heinevetter.

Trainer Petkovic will Pokal-Niederlage vergessen

Doch im Gegensatz zu den vergangenen Siegen gegen Kiel ist die Erinnerung an die jüngste Begegnung mit den Kielern noch taufrisch. Erst eineinhalb Wochen ist es her, dass sich die beiden Klubs im Halbfinale des DHB-Pokals gegenüberstanden – mit dem besseren Ende für das Team aus dem Norden, das später den Pokalsieg feierte.

Die 22:24-Niederlage gegen die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason verkam teilweise zur Lehrstunde für die Berliner. Aber über das, was da alles so schief gelaufen war, will jetzt keiner mehr nachdenken. „Ich lebe nicht in schlechter Erinnerung“, sagt Berlins Coach Velimir Petkovic. „Ich versuche immer, was Positives zu finden.“

Mit Selbstvertrauen und wiedererstarkter Abwehr

Und so gab es tatsächlich den einen oder anderen Ansatzpunkt, der Mut macht. Der dafür spricht, dass diese Pokal-Revanche am Donnerstag (19 Uhr, Schmeling-Halle) eine erfolgreiche werden könnte. Neben der wiedererstarkten Abwehr und dem Selbstvertrauen, das der Tabellensechste aus einer überzeugenden zweiten Halbzeit im Pokal-Halbfinale ziehen, wird vor allem die Kulisse in der ausverkauften Schmeling-Halle ein Faktor sein.

Dank einer Zusatztribüne werden 10.000 Handball-Fans dabei sein – so viele wie selten. „Da wird sicher gute Stimmung sein“, sagt Petkovic. „Und wir sind dafür zuständig, diese gute Stimmung zu befeuern. Mit einem guten Kampf, mit einem guten Spiel und dann ist alles möglich.“

Auch Lindberg hält diese „schwere Aufgabe“ durchaus für „machbar“. Immerhin hat man die eigenen Fans im Rücken. „Jetzt spielen wir zu Hause und wir wollen zu Hause immer gewinnen. Also werden wir versuchen, ein großes Spiel zu liefern“, verspricht der Rechtsaußen.

Erfolg gegen Kiel würde die Stimmung verbessern

Ein Sieg gegen Kiel, er wäre so wichtig für die Stimmung. Richtig gekippt war die nach der Niederlagen-Serie in der Rückrunde zwar nicht, aber wirklich gelöst ist bei den Füchsen gerade auch niemand. Hinzu kommt noch die Vertrags-Fehde zwischen Torhüter Heinevetter und Geschäftsführer Bob Hanning, die in diesen Tagen mehr Schlagzeilen machte als das anstehende Topspiel gegen den Tabellenzweiten.

Sportlich zu überzeugen würde den Füchsen also recht gut zu Gesicht stehen. Das weiß auch der Mannschaftskapitän. „Wir werden versuchen, uns teuer zu verkaufen, wollen alles geben. Und egal, wie das Ergebnis am Ende ist, wir wollen zeigen, dass wir als Mannschaft zusammenstehen und bis zum letzten Blutstropfen kämpfen“, sagt der Linkshänder.

Berliner spielen auch eine Rolle im Titelkampf

Schließlich sind diese Partien gegen den inzwischen wieder zum Meisterschaftsanwärter gereiften THW immer etwas besonderes. „Das ist ein besonderer Höhepunkt, Kiel ist eine Topmannschaft und die Topspiele mag man immer gern“, sagt Lindberg. Der Däne weiß zudem, dass die Füchse noch eine entscheidende Rolle im Titelrennen spielen können.

Ihr eigener Kampf in der Tabelle beschränkt sich zwar auf den erhofften fünften Platz, der für die Qualifikation zum EHF-Cup reichen würde. Aber mit den anstehenden Partien gegen Kiel und bei Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt (29. Mai um 18.30 Uhr) könnten die Berliner den Titelkandidaten noch den einen oder anderen Punkt klauen. „Kiel spielt jetzt darum, noch eine Chance in der deutschen Meisterschaft zu haben. Die können wir ärgern, und später können wir auch noch Flensburg ärgern“ sagt Lindberg.

Im Pokal machte Landin den Füchsen das Leben schwer

Nur sich selbst wollen die Füchse nun wirklich nicht mehr ärgern. Dafür braucht es mehr Konzentration in den Abschlüssen, eine bessere Chancenverwertung und auch ein Quäntchen Glück, dass Kiels Torwart Niklas Landin nicht einen solchen Sahnetag wie im Pokalhalbfinale erwischt. Der Keeper parierte knapp 36 Prozent der Berliner Würfe – eine starke Quote. Nicht umsonst ist Landsmann Landin für Lindberg „die Nummer eins der Welt“.

Genau die und 15 weitere hochklassige Handballer heißt es zu besiegen. Damit dann doch noch ein paar mehr Füchse-Spieler von sich behaupten dürfen, dass sie den THW Kiel besiegen können.