Handball

Pokal-Traum der Füchse zerplatzt an Kiel

Die Berliner erhalten im Halbfinale zunächst eine Handball-Lektion, verlangen dem Favoriten dann aber bis zum Schluss alles ab

Füchse-Torwart Silvio Heinevetter (l.) war gegen Kiels Domagoj Duvnjak (r.) meist machtlos. Paul Drux kann nur zuschauen.

Füchse-Torwart Silvio Heinevetter (l.) war gegen Kiels Domagoj Duvnjak (r.) meist machtlos. Paul Drux kann nur zuschauen.

Foto: Axel Heimken / dpa

Berlin.  Sie hatten Kampfgeist gezeigt, nicht aufgegeben. Und doch erzählte die Körpersprache der Spieler recht deutlich die gesamte Geschichte der Partie: hängende Schultern, der Blick auf den Boden gerichtet, ein Kopfschütteln nach dem nächsten. Das Halbfinale im DHB-Pokal am Sonnabend war über große Teile eine Lehrstunde für den Berliner Handball-Bundesligisten, der bei der 22:24 (7:13)-Niederlage gegen den THW Kiel erst in den Schlussminuten wirklich mitspielen durfte.

Im Finale trifft Kiel auf Magdeburg

„Es ist so ärgerlich, dass es nicht geklappt hatte“, sagte Kapitän Hans Lindberg. Dass die dritte Reise zum Final Four für die Berliner nun zum zweiten Mal im Halbfinale (2014 Sieg, 2015 Aus im Halbfinale) endete, schmerzte sehr. Im Endspiel am Sonntag (15.10 Uhr, ARD und Sky) kämpfen Kiel und der SC Magdeburg um den Titel.

Die Vorzeichen hatten so etwas schon erahnen lassen. Die Füchse, mit nur einem Sieg aus den letzten fünf Pflichtspielen angereist, hatten in zwölf Jahren nur einmal gegen den Rekordmeister gewonnen. Und die Kieler waren mit beeindruckenden neun Pflichtspielsiegen in Folge nach Hamburg gekommen.

Favorit THW bestraft jeden Berliner Fehler

In einem emotionsgeladenen Spiel konnten die Füchse vor 13.200 Fans in der ausverkauften Arena gerade mal zehn Minuten (4:4) mithalten, bevor ein Kieler Sturmlauf über sie hereinbrach. Der THW bestrafte jeden einzelnen Fehler des Berliner Angriffs mit einem direkten Gegentor.

Als Nationalspieler Hendrik Pekeler dann auch noch einen Kempa-Trick zum 6:13 verwandelte, war die Demütigung recht offensichtlich – sechs Tore Rückstand zur Halbzeit nur die logische Folge.

„Wir haben zu viele freie Bälle liegen lassen, wurden eiskalt bestraft“, sagte Fabian Wiede, mit sechs Toren bester Werfer der Berliner. „Für die zweite Hälfte hatten wir uns vorgenommen, unser eigenes Spiel zu machen.“

Sechs Minuten vor Schluss bis auf ein Tor dran

Nach der Roten Karte gegen Kiels Abwehrchef Pekeler (35. Minute) keimte dann tatsächlich noch so etwas wie Hoffnung aufseiten der Füchse. Als Lindberg sechs Minuten vor Schluss zum 19:20 einnetzte, war plötzlich Spannung da, die keiner mehr für möglich gehalten hatte. Doch auch, wenn der THW in Reichweite war, das Finale war es am Ende auch deswegen nicht, weil die Kieler die Schlussminuten mit all ihrer hochklassigen Erfahrung herunterspielten.

Schon am Nachmittag war den Fans ein echter Handball-Krimi geboten worden. Im ersten Halbfinale tat sich Favorit Magdeburg gegen Hannover-Burgdorf extrem schwer und rettete sich erst in der letzten Sekunde mit einem 30:29 (15:11) ins Endspiel – dank Michael Damgaard, der mit seinem 15. Tor den Traum vom Pokalsieg wahrte.