Handball

Drux und Wiede sind reif für den Titel

Fünf Jahre nach ihrem ersten Triumph sollen die beiden Nationalspieler die Füchse am Wochenende zum Pokalsieg führen.

Beim letzten Pokalsieg 2014 in Hamburg waren Fabian Wiede (l.) und Paul Drux (r.) noch als hoffnungsvolle Nachwuchstalente dabei.

Beim letzten Pokalsieg 2014 in Hamburg waren Fabian Wiede (l.) und Paul Drux (r.) noch als hoffnungsvolle Nachwuchstalente dabei.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Camera 4

Berlin. Paul Drux startete seine Titel-Mission mit einem Eis. Kurz vor der Abfahrt am Freitagmittag holte sich der Rückraumspieler der Füchse Berlin noch ein wenig Nervennahrung. Für die bevorstehende Herkules-Aufgabe, die beim Final Four im DHB-Pokal am Sonnabend in Hamburg auf die Handballer aus der Hauptstadt wartet. Im Halbfinale treffen sie auf Rekordpokalsieger THW Kiel (18.30 Uhr, frei empfangbar auf Sky Sport News HD).

Erinnerungen an eine bierseelige Heimfahrt nach dem letzten Triumph

Vor diesem so wichtigen Spiel wanderten die Gedanken aber noch einmal zurück. Ins Jahr 2014. Am 13. April holten sich die Füchse damals den DHB-Pokal, den ersten Titel ihrer Vereinsgeschichte. Mit von der Partie: Paul Drux und Kumpel Fabian Wiede.

Als hoffnungsvolle Nachwuchstalente machten sie im Finale gegen Flensburg (22:21) auf sich aufmerksam, feierten mit den erfahrenen Profis um Iker Romero und Konstantin Igropulo auf einer bierseeligen Bahnfahrt den Pokal-Triumph.

„Das ist wie ein Film abgelaufen. Vor allem für so junge Spieler wie uns“, erinnert sich Drux. „Die Stunden danach waren unfassbar, richtig schön. Wir haben uns extrem gefreut, waren auch noch die Tage danach so stolz.“

Wiedes Erinnerungen sind etwas unvollständig. „Da gibt’s schon ein paar Lücken“, muss der 25-Jährige zugeben. „Für uns junge Spieler war es unbeschreiblich, im ersten Jahr reinzuschnuppern und dann gleich den Pokal zu holen. Das kann uns keiner nehmen. Das war sensationell. Damals hat keiner mit uns gerechnet, wir waren der Underdog.“

Erfolg in Hamburg würde vieles vergessen machen

Fünf Jahre später sind die Vorzeichen ähnlich. Die Füchse sind nach einer schwachen Rückrunde in der Bundesliga der Außenseiter. Nur für Drux und Wiede hat sich etwas Entscheidendes verändert. Damals als vielversprechende Jungfüchse dabei, haben sie die Hoffnungen, die man für die Zukunft in sie setzte, erfüllt. Die beiden Nationalspieler sind mittlerweile die Leistungsträger in Berlin. Und sollen den kriselnden Bundesligisten an diesem Wochenende zum erlösenden Titel führen. „Das würde einiges vergessen machen“, sagt Drux.

Den zwei Rückraum-Spezialisten ist bewusst, dass da nun eine Menge Last auf ihren Schultern liegt. „Man ist natürlich in der Rolle, dass man viele richtige Entscheidungen treffen muss. Weil man viel Spielzeit bekommt“, sagt Drux. Dazu gehört auch, die jüngeren Spieler ein bisschen an die Hand zu nehmen. „Man kann ja nicht erwarten, dass die das Spiel an sich reißen. Das müssen wir machen“, sagt der 24-Jährige. Denn in den fünf Jahren hat sich viel verändert. Was ihre Position in der Mannschaft, ihren Charakter und ihren Spielstil angeht. „Paul ist extrem gereift auf dem Feld. Er hat eine der größten Rollen im Team, weil er in der Deckung und im Angriff so unglaublich wichtig für uns ist“, sagt Wiede über seinen besten Freund.

Trainer Petkovic braucht die beiden in Topform

Reifer ist auch Wiede selbst geworden und „ab und zu etwas ruhiger“, sagt Drux schmunzelnd. „Er übernimmt jetzt viel, viel mehr Verantwortung. Da ist er über die Zeit reingewachsen. Er geht voran, scheut sich nicht davor. Das muss man erstmal so machen.“ Lobende Worte, die auch Trainer Velimir Petkovic unterschreiben würde.

Der 62-Jährige weiß genau, wie wichtig seine beiden Leistungsträger für das Halbfinale gegen Kiel sein werden. Und dass er sie für einen möglichen Finaleinzug (Endspiel am Sonntag, 15.10 Uhr, ARD gegen Hannover oder Magdeburg) in absoluter Topform braucht.

Fokus auf das, was kommt

Deshalb durften Drux und Wiede im letzten Gruppenspiel im EHF-Cup gegen Balatonfüredi (36:23) pausieren. „Die Jungs haben jetzt wieder etwas Frische, Kraft getankt, Motivation ist sowieso da“, sagt Petkovic. Um die hochzuhalten wird jetzt nicht mehr auf den verkorksten Februar und den schwachen März zurückgeschaut.

Drux erinnert sich lieber nochmal an das Viertelfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen im Dezember (37:35 n.V.). „Da sind wir auch das ganze Spiel hinterhergelaufen und haben es am Ende gedreht“, sagt er. Und Wiede will noch ein, zwei Mal an das Jahr 2014 zurückdenken. „Da erinnert man sich dann auch automatisch an das Final Four ein Jahr später, bei dem wir mit einem Tor gegen Magdeburg ausgeschieden sind“, sagt der Spielmacher. „Daher wissen wir, wie sich beides anfühlt und versuchen, die positiven Gefühle und Ereignisse mitzunehmen.“

Mit leeren Händen wollen sie nicht zurückkommen

Es war also alles an Bord am Freitagmittag: Erinnerungen an die Vergangenheit, die nötige positive Grundeinstellung und Hoffnungen für die Zukunft. „Wir fahren dahin, um das Ding auch zu gewinnen“, sagt Drux. „Sonst könnten wir auch gleich in Berlin bleiben.“ Was auf der Rückfahrt im Gepäck sein wird, bleibt abzuwarten. Aber Drux würde das Eis dann sicherlich gern gegen ein Bier eintauschen. Und den Pokal natürlich.