Handball

Füchse-Trainer Petkovic bestellt Spieler zum Rapport

Geduld von Füchse-Coach Petkovic und Manager Hanning ist nach mittelmäßigen Leistungen am Ende. Viele Spieler stehen in der Kritik.

Berlins Trainer Velimir Petkovic (2.v.r) will seinen Spieler keine fehlende Einstellung durchgehen lassen.

Berlins Trainer Velimir Petkovic (2.v.r) will seinen Spieler keine fehlende Einstellung durchgehen lassen.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Bob Hanning war froh, dass er jetzt erstmal weg ist. Mit seiner A-Jugend ging der Geschäftsführer der Füchse Berlin am Freitag auf Auswärtsreise. „Dann muss ich mich hoffentlich nicht mehr so ärgern“, sagte der 51-Jährige.

Denn das hatte Hanning getan. Sich geärgert, über so viele Dinge, die am Donnerstagabend beim 30:26-Sieg gegen Aufsteiger Bietigheim passiert waren und die auch schon in den vorangegangenen Wochen zu schlechter Laune im Lager des Berliner Handball-Bundesligisten geführt hatten.

Komfortable Führungen werden immer wieder verspielt

Und das obwohl sich die Februar-Bilanz der Füchse eigentlich ganz ordentlich liest. Fünf Siege, davon drei im EHF-Pokal stehen zwei Auswärtsniederlagen in der Bundesliga gegenüber. Kein Grund, sofort den großen Krisenstand auszurufen. Und trotzdem bebte es nach dem Erfolg gegen Bietigheim.

Was Manager Hanning und auch Trainer Velimir Petkovic alarmierte, ist die Art und Weise, wie diese Ergebnisse zustande kamen. Kaum ein Sieg wurde dank einer wirklich überzeugenden Leistung oder ohne einschneidende Schwächephasen geholt. Bei den beiden Niederlagen in Lemgo (30:34) und Hannover (25:26) verspielten die Berliner komfortable Führungen und fast sicher geglaubte Erfolge.

Mangelnde Einstellung will Trainer Petkovic nicht als Ausrede gelten lassen

„Ich bin damit nicht einverstanden, mir ist das einfach zu wenig“, sagte Hanning und spielte damit vor allem auf die jüngste Leistung gegen den Tabellen-16. an. „Wenn wir gegen Bietigheim nicht einfach mit zehn Toren gewinnen, dann haben wir ein Problem.“

Ein Problem, das erst nach der WM-Pause bei den Berlinern Einzug gehalten hat. „Einige Spieler spielen nur so gut, wie es nötig ist, um zu gewinnen oder einfach durchzukommen“, sagte Petkovic. Eine Denkweise, die der 62-Jährige nicht durchgehen lassen will. „In diesem Verein, in dieser Mannschaft, darf niemand über Einstellung reden. Einstellung ist selbstverständlich“, sagte er. Und damit das auch wieder bei seinen Spielern ankommt, hatte er einige von ihnen am Freitag zum Rapport bestellt.

Abwehr der Berliner steht im Zentrum der Kritik

Hanning gab am Donnerstagabend schon einmal einen Vorgeschmack, was da auf den einen oder anderen zukommen könnte. Erstes Ziel seiner Manöverkritik: Abwehrchef Jakov Gojun. „Er muss nicht nur sich führen, er muss die ganze Abwehr führen“, sagte Hanning. Die Deckung, mittlerweile das Sorgenkind des Tabellenfünften, zeigte sich gegen Bietigheim zwar etwas stabiler als zuletzt, wies bei 26 Gegentoren im Endeffekt aber wieder zu viele Lücken auf.

Und wo der Füchse-Boss gerade schon zur großen Abwehr-Kritik ansetzte, machte er bei der Leistung von Kreisläufer Erik Schmidt direkt weiter. „Wenn es gegen Bietigheim nicht reicht, dann reicht es auch nicht für die internationalen Ansprüche, die wir haben“, monierte Hanning. Deutliche Worte des Managers, die sich einige Profis auch vom Trainer anhören werden müssen.

Wiede fehlt als kreativer Spielmacher

Fabian Wiede zum Beispiel. Der Nationalspieler konnte seit der WM weder an seine Turnierform, noch an die Leistungen in der Hinrunde anknüpfen. Sein kreatives Spielverständnis fehlt den Füchsen vor allem im Angriff. Und auch Kapitän Hans Lindberg präsentierte sich zuletzt öfter mal ungewohnt unsicher, was seine Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor angeht.

„Wir sind in einem Modus, dass wir nur in besonderen Situationen, besondere Leistungen abrufen wollen“, sagte Hanning. „So funktioniert eine Spitzenmannschaft aber nach meinen Vorstellungen nicht.“ So erspielten sich die Berliner den Einzug ins Final Four des DHB-Pokals. Verpassten eben aber auch Erfolge beim Tabellenneunten und –zehnten.

Drux und Holm zeigen überzeugende Leistungen

Doch da gibt es auch Hoffnungsschimmer am gerade etwas trüben Füchse-Horizont. Die Leistungen von Paul Drux, der gegen Bietigheim mit acht Toren glänzte, und von Jacob Holm lassen sogar den verärgerten Füchse-Boss wieder versöhnliche Töne anschlagen. „Paul hat das fantastisch gemacht. Er trägt uns mit seiner Leistung im Moment“, sagte Hanning. Und auch Holm bekomme von ihm „jedes Lob der Welt“. Sätze, die Hanning in Zukunft gern auch wieder über die übrigen Spieler äußern würden. Statt sich weiter so zu ärgern.