Handball WM

Fabian Wiede - ein Mann für gewisse Spiele

Mit viel Übersicht und wichtigen Toren brachte der Füchse-Berlin-Spieler Fabian Wiede seine Mannschaft auf Halbfinal-Kurs.

Fabian Wiede von den Füchsen Berlin ist ein Schlüsselspieler im DHB-Team.

Fabian Wiede von den Füchsen Berlin ist ein Schlüsselspieler im DHB-Team.

Foto: pa

Köln. Fabian Wiede spricht sehr leise, wenn er denn überhaupt mal spricht. Der Mann macht lieber seinen Job auf der Platte, und den macht er ziemlich gut. So gut, dass er spätestens in der Endphase des hitzigen WM-Hauptrundenspiels gegen Kroatien (22:21) in Köln zum Matchwinner der deutschen Handballer wurde. "Fabian hat das überragend gemacht", sagte Verbands-Vize Bob Hanning: "Er ist genau der Mann für solche Spiele."

Wiede behält einen kühlen Kopf

Dass sich die Gastgeber bereits in aller Ruhe auf das Halbfinale vorbereiten können und es gegen Europameister Spanien am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) im Fernduell mit Frankreich "nur" noch um den Gruppensieg geht, ist zu großen Teilen Fabian Wiede zu verdanken. Mit sechs Toren war er nicht nur bester Werfer seiner Mannschaft, er behielt vor allem in der hektischen Schlussphase einen kühlen Kopf.

Zeitspiel war angezeigt in der 56. Minute, Kroatien führte 20:19, als Wiede sich den Ball schnappte und ihn mit brachialer Gewalt in die linke obere Ecke des gegnerischen Tores hämmerte. "Der Arm war oben, einer musste werfen", bemerkte er trocken: "Der Trainer sagt immer, wenn Zeitspiel ist, Hauptsache den Ball aufs Tor bringen."

Sekunden vor dem Abpfiff, Deutschland lag mit 21:20 vorn, erzwang er ein kroatisches Stürmerfoul, und Kapitän Uwe Gensheimer nutzte den Ballbesitz zum 22:20. Das Spiel war gelaufen, Kroatien konnte nur noch verkürzen. "Das war ein Löwenanteil, den Fabi hatte", sagte Torwart-Gigant Andreas Wolff, und Steffen Weinhold bescheinigte Wiede eine "unfassbare Cleverness. Sowas hat man, oder man hat es nicht."

Hanning: "Er ist ein Präzisions-Handballer"

Wiede hat es, daran lässt auch Hanning überhaupt keinen Zweifel. "Wenn es richtig eng wird, weiß er genau, was er zu tun hat", sagte der "große Fan" von Wiede: "Er ist ein Präzisions-Handballer, geboren für die großen, wichtigen Spiele."

Von denen der so Gelobte seit seinem internationalen Debüt 2014 noch gar nicht so viele bestritten hat. Zwar stand Wiede im Kader, als Deutschland 2016 Europameister und Olympiadritter wurde, doch dann kostete ihn eine schwere Schulterverletzung die Teilnahme an der WM 2017, und vor der EM 2018 strich ihn Bundestrainer Christian Prokop aus dem endgültigen Aufgebot.

Dass ausgerechnet Hanning ein so großer Anhänger von Wiede ist, überrascht nicht. Seit 2012 spielt der heute 24-Jährige für die Füchse Berlin, bei denen er mittlerweile zu den absoluten Leistungsträgern gehört. Einen Riesen nennt ihn sein Vereinskollege Paul Drux: "Fabi ist der Kracher. Er ist so wichtig für uns. Jede Mannschaft braucht so einen Spieler, der die Dinger einfach reinmacht, wenn es um alles geht."

Bei der Handball-WM geht es allmählich um alles, am Freitag steht in Hamburg das Halbfinale an, in dem der Gegner voraussichtlich Dänemark oder Norwegen heißt. "Wir nehmen Spiel für Spiel, jetzt kommt erstmal Spanien", sagt Wiede. Klar, einer muss ja einen kühlen Kopf behalten.

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