Handball

Mit Herz, Leidenschaft und Heinevetter

Füchse ziehen nach Aufholjagd gegen Aalborg in die Gruppenphase des EHF-Pokals ein – dank des Keepers.

Die Füchse-Mannschaft mit Torwart Silvio Heinevetter (Nr. 12), jubelt nach dem Sieg gegen Aalborg.

Die Füchse-Mannschaft mit Torwart Silvio Heinevetter (Nr. 12), jubelt nach dem Sieg gegen Aalborg.

Foto: Bernd König/imago

Berlin. Die Ehrenrunde ging gleich zweimal in die Verlängerung. Die Fans konnten einfach nicht genug bekommen von ihren Helden. Und die ließen sich zu Recht feiern. Allen voran Silvio Heinevetter. Der Torhüter genoss das Bad in der Menge, er klatschte sich mit den Anhängern ab und bekam zwischendurch immer wieder anerkennende Schulterklopfer seiner Kollegen. Mit 19 Paraden war er der Mann eines denkwürdigen Spiels im Europapokal. Mit 28:23 (11:13) bezwangen die Füchse im Rückspiel der dritten Runde des EHF-Cups den dänischen Topklub Aalborg HB und qualifizierten sich für die Gruppenphase des Wettbewerbs. Das Hinspiel hatten die Berliner 29:31 verloren. 7403 Zuschauer sahen die Aufholjagd in der Max-Schmeling-Halle – das ist Rekord im EHF-Cup.

„Ich bin richtig froh und sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagte Cheftrainer Velimir Petkovic nach der mitreißenden Partie. „Und ich will das Herz und den Charakter meiner Mannschaft loben.“ Es sei angesichts der vielen Verletzten klar gewesen, dass der November die schwierigste Phase der Saison sei. „Und meine Jungs haben alles gegeben. Im Februar stehen dann ganz andere Leute auf der Platte.“ Dann beginnt die Gruppenphase. Die Auslosung dafür findet am Donnerstag in der EHF-Zentrale in Wien statt. Fest steht schon jetzt, dass der Titelverteidiger auf keine deutsche Mannschaft trifft und mit einem Heimspiel startet.

Kapitän Lindberg bester Werfer der Berliner

Mit einem seligen Lächeln im Gesicht verschwand auch Hans Lindberg in den Katakomben der Schmeling-Halle. Der Kapitän, mit sechs Toren bester Berliner Werfer, hatte seine Kollegen immer wieder mit Gesten und Worten nach vorn gepeitscht und auch das Publikum zur lautstarken Unterstützung animiert. Nun war er erschöpft, aber glücklich. „Das waren zwei harte Spiele. Wir haben ein bisschen Glück gehabt, dass im Hinspiel keine zu große Differenz entstanden ist. Wir haben heute an uns geglaubt, trotz des Rückstandes in der ersten Halbzeit.“ An die Titelverteidigung denkt der Däne aber noch nicht. „Jetzt kommt erst einmal die harte Gruppenphase.“

Nationalspieler Fabian Wiede, der nach seinem Comeback erstmals von Beginn an auf dem Feld stand, läutete den Torreigen mit zwei Treffern binnen vier Minuten furios ein. Allerdings unterliefen den Füchsen dann vermehrt Passfehler. Was weniger an den Dänen lag, vielmehr bestraften sich die Berliner selbst durch ihre Ungenauigkeiten. Folgerichtig gerieten sie in Bedrängnis, lagen nach 23 Minuten 7:13 hinten. Der Traum von internationalen Meriten drohte schon früh im EHF-Cup zu platzen. Immerhin konnten die Platzherren den Abstand bis zur Pause auf zwei Tore verkürzen. Zur Freude von Geschäftsführer Bob Hanning. „Wir müssen die Präsenz weiter erhöhen, dürfen den Schiedsrichtern nicht für jeden Pfiff einen Grund geben. Wir müssen hier jetzt eine richtige Hölle draus machen, damit wir das gewinnen“, sagte der Manager in der Pause.

Und mit dem Begriff Hölle lag Hanning gar nicht so verkehrt. Denn die zweite Hälfte hatte es in der Tat in sich. Die Füchse setzten ihre Aufholjagd fort, Linksaußen Bjarki Elisson gelang in der 34. Minute der viel umjubelte Ausgleich zum 13:13. „Ein kleiner Teil von mir hat nicht daran geglaubt, dass wir es noch schaffen“, räumte der Isländer nach dem Spiel ein. Die Zuschauer taten es dagegen umso mehr. „Jetzt geht’s los“, skandierten sie lautstark. Wenig später brachte Kreisläufer Mijajlo Marsenic mit einem Doppelschlag die Berliner 16:15 in Führung, Johan Koch erhöhte auf 17:15 – jetzt wären die Berliner im EHF-Cup weiter.

Und die Chance auf den Einzug in die Gruppenphase schien Silvio Heinevetter noch einmal eine Extraladung Energie zu verleihen. Mal spitzelte er den Wurf eines Gegners mit den Fingerspitzen über das Tor, dann wieder kickte er die Kugel artistisch ins Aus. Und dann saß er da zwischen den Pfosten und machte die Säge. Oder er reckte den linken Arm Richtung Spielerbank empor und ballte die Hand zur Faust. Alles Gesten der Stärke und des Erfolgs. Zu dem dramatischen Spiel sagte er später ganz cool: „Das ist Pokal. Wir haben schlecht angefangen und wussten, dass wir aufpassen müssen. Bis zehn Minuten vor Schluss war nichts klar.“

Turbulente Schlussphase vor Rekordkulisse

Aber die Füchse hatten jetzt einen Lauf, sie waren auf maximaler Betriebstemperatur, Heinevetter sozusagen „on fire“. Er erzielte dann sogar einen Treffer mit einem Wurf aus seinem Tor heraus in den leeren Kasten der Dänen. 21:17 in der 45. Minute. Die Zuschauer hielt es da längst nicht mehr auf ihren Sitzen, die Lautstärke in der Halle war enorm. Und es wurde eine turbulente Schlussphase mit Nickeligkeiten, Diskussionen und ganz vielen Emotionen. Einen Ellenbogenschlag ins Gesicht von Füchse-Kreisläufer Koch ahndete der Schiedsrichter mit Rot für Henrik Mollgaard (57.). Dann hielt Heinevetter einen Siebenmeter mit Bravour – wenig später ließ er sich dann auch schon ausgiebig feiern.

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