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Bundesliga

Semisch ist der neue Stochl bei den Füchsen

Malte Semisch soll bei den Füchsen in Zukunft eine Torwart-Legende ersetzen. Nun geht es für ihn aber erst gegen seine Vergangenheit.

Malte Semisch erhofft sich bei den Füchsen den nächsten Karriereschritt

Foto: Jan Huebner/Lakomski / imago/Jan Huebner

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Berlin.  Groß gewachsenen Menschen wird nachgesagt, dass sie eher schüchtern daherkommen. Oft stimmt das auch. Malte Semisch etwa, 2,08 Meter groß, ist ein solcher Vertreter der leisen Sorte. Man muss ein bisschen die Ohren spitzen, um zu verstehen, wovon er spricht.

Aber der Handball-Torwart, der vor dieser Bundesligasaison vom TSV Hannover-Burgdorf zu den Füchsen Berlin wechselte, spricht andererseits sehr klar über seine Vorstellungen. Der Neu-Berliner will den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. „Ich möchte mich in einer jungen ambitionierten Mannschaft weiterentwickeln“, sagt der 26-Jährige, „und ich will Titel gewinnen, ganz oben angreifen.“

Bis zu unserem Gespräch hatte er sich noch mit dem Torhütergespann des Vorjahres weiterentwickelt, mit Nationalspieler Silvio Heinevetter und Petr Stochl, der nach zwölf Jahren im Füchse-Trikot mit 42 Jahren seine aktive Karriere beendet hatte. Jetzt ist der Tscheche Torwarttrainer und sagt über seinen jungen Nachfolger: „Malte ist natürlich ein Riese, aber für seine Größe bewegt er sich ganz gut. Er ist immer noch ein junger Torhüter.“

Ein anderer Typ als der quirlige Heinevetter

Semisch weiß das, auch nach fünf Jahren Bundesliga bei TuS N-Lübbecke (2013 bis 2015) und Hannover-Burgdorf (2015 bis 2018). Doch in Berlin, bei seinem ersten Top-Klub, steht er ganz anders unter Beobachtung. Gerade an diesem Donnerstag (19 Uhr), wenn er in der Schmeling-Halle gegen seine alten Kumpels aus Hannover antreten muss.

„Es ist eine besondere Motivation, gegen seine Ex-Kollegen zu spielen“, sagt er, „man möchte beweisen, dass man beim richtigen Verein ist.“ Vieles muss sich noch einspielen, wie sollte es anders sein nach erst fünf Pflichtpartien in Pokal und Bundesliga? In Hannover wurde anders verteidigt, mehr individuell, eins gegen eins.

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Die Füchse verlassen sich in der Defensive eher auf einen kompakten Innenblock, die Angreifer sollen zu Würfen aus dem Rückraum gezwungen werden. „Das kommt mir entgegen, weil ich da meine Größe besser ausspielen kann“, sagt Semisch.

Noch sucht er das richtige Timing

Ein großer Torwart hat den Vorteil, dass er bei gutem Stellungsspiel quasi jeden Ball vor dem zwei Meter hohen und drei Meter breiten Tor abwehren kann. Er kommt mit seinen langen Armen und Beinen überall ran. „Theoretisch“, schränkt Semisch ein, „man muss das richtige Mittelmaß finden zwischen lange stehen und abwarten und der Bewegung zum Ball. Das hat mit Spielpraxis zu tun, mit Selbstvertrauen auch. Man muss das richtige Timing finden.“

Das sucht er noch. „Malte braucht Zeit“, sagt Trainer Velimir Petkovic, „unser Abwehrblock und seine Torwart-Kultur müssen zusammenwachsen. Er hat noch nicht höchstes Niveau. Aber wir sind auch nicht enttäuscht.“

Die Nummer eins im Berliner Tor, Silvio Heinevetter, ist auf dem Feld ein ganz anderer Typ. Extrovertiert, gestenreich, diskussionsfreudig und in seinen Abwehraktionen sehr quirlig, um den Gegner zu irritieren. Nicht zuletzt deshalb haben die Füchse ja auch den 14 Zentimeter größeren und fast acht Jahre jüngeren Niedersachsen geholt. Es ist nicht klug, zwei ähnliche Torhüter im Team zu haben. Semisch ist eher eine junge Ausgabe des ebenfalls ruhigeren Tschechen Stochl.

Marsenic verlängert nach Fingerbruch die Verletztenliste

„Petr ist ein super Typ“, sagt sein potenzieller Nachfolger, „aber auch Heine ist sehr kollegial. Wir sind beide am Erfolg interessiert, da muss man als Duo zusammenhalten. Ich kann von ihm sehr viel lernen in Sachen Körpersprache und Ausstrahlung. Das ist eine ganz wichtige Komponente im Tor.“

Gerade jetzt, wo der Saisonstart durch viele Verletzungen mit zwei Niederlagen in drei Spielen nicht nach Wunsch verlief. Mit Kreisläufer Mijajlo Marsenic meldete sich gerade der nächste Stammspieler krank. Der Serbe brach sich im Training den kleinen Finger und fällt bis zu acht Wochen aus. Wenigstens ist Fabian Wiede nach überstandener Fußverletzung am Donnerstag wieder einsatzbereit. „Fabis Rückkehr“, sagt Petkovic, „lässt uns optimistischer nach vorn schauen.“

Optimismus gehört auch zu den Charaktereigenschaften von Malte Semisch. „Meine Devise ist, immer Vollgas zu geben, alles zu geben, was ich kann.“ Besonders gegen Hannover. Er ist überzeugt, dass es ihm helfen wird, drei Jahre für das Team aus Niedersachsens Hauptstadt gespielt zu haben. „Als Torwart“, glaubt Semisch, „hast du den kleinen Vorteil, dass du weißt, wohin die Leute werfen.“ Was die fernere Zukunft angeht, hat er noch einen weiteren Plan: „Jeder möchte einmal in der Nationalmannschaft spielen.“ So schüchtern ist er also auch wieder nicht.