Handball

Den Füchsen fehlt am Ende die Kraft

Die Füchse dominieren gegen Meister Flensburg, doch in der zweiten Halbzeit brechen die Berliner ein.

Berlin: Handball: Bundesliga, Füchse Berlin - SG Flensburg-Handewitt, 3. Spieltag, in der Max-Schmeling-Halle: Flensburgs Holger Glandorf zieht ab gegen die verteidigenden Berliner Jakov Gojun (l) und Paul Drux.

Berlin: Handball: Bundesliga, Füchse Berlin - SG Flensburg-Handewitt, 3. Spieltag, in der Max-Schmeling-Halle: Flensburgs Holger Glandorf zieht ab gegen die verteidigenden Berliner Jakov Gojun (l) und Paul Drux.

Foto: dpa

Berlin. Sie versuchten es mit Vehemenz aus dem Rückraum oder trickreich von außen, doch der Ball wollte einfach nicht mehr ins Tor. Dann traf selbst der bislang so sichere Frederik Simak nicht mehr vom Siebenmeterpunkt. 40 Minuten lang hatten die Füchse die SG Flensburg-Handewitt überraschend gut unter Kontrolle, der Sieg gegen den Meister am dritten Spieltag der Handball-Bundesliga schien zum Greifen nah. Doch die Sensation blieb aus, der Kraftverlust war aufgrund der dünnen Personallage zu hoch. So unterlagen die Füchse dem Nordklub vor 6371 ­Zuschauern in der Schmeling-Halle mit 25:30 (16:14).

„Ich hoffe, dass für uns wieder bessere Zeiten kommen“, sagte Füchse-Trainer Velimir Petkovic, war aber nicht unzufrieden. „Wir haben eine tolle erste Halbzeit gespielt. Wir haben es nur verpasst, uns zu belohnen, weil wir dann in eine Welle von Fehlern gefallen sind.“ Die erste halbe Stunde euphorisierte auch Bob Hanning. „Das war eine überragende erste Hälfte, oberhalb unseres Limits“, sagte der Geschäftsführer, „wir haben es geschafft, aus der Komfortzone rauszugehen und haben uns vom Publikum tragen ­lassen.“ Dann sei es eine Frage der Zeit gewesen, bis die Kraft ausgehe. „Und damit die letzte Konsequenz.“

Couragierter Auftritt von Jacob Holm

Wie schon in den ersten beiden Partien musste Petkovic auf Kapitän Hans Lindberg (Knie) und Linkshänder Fabian Wiede (Fuß) verzichten, dafür aber stand Kreisläufer Johan Koch nach überstandener Leistenverletzung erstmals in der neuen Saison im Kader. Die Berliner waren von Beginn an hellwach und warfen sich in jeden Ball. Im Tor konnte Silvio Heinevetter gleich zu Beginn ein paar Würfe der Gäste entschärfen. Das gab im Gegenstoß unverhofft Jakov Gojun die Chance zum Wurf. Der Abwehrchef der Füchse kommt mangels Möglichkeiten eher selten zum Torerfolg, nach sieben ­Minuten aber hatte der Kroate gleich zwei Treffer auf seinem Konto (4:1).

Wie schon im ersten Heimspiel gegen Minden trat Jacob Holm im linken Rückraum couragiert auf. Der Däne, der an diesem Mittwoch 23 Jahre alt wird, verteilte klug die Bälle oder tankte sich selbst durch die Abwehr des Meisters. Und dann war da wieder einmal Frederik Simak. Rechtshänder, 20 Jahre. Seine Spezialität: Siebenmeter. Lange Zeit bewies er ein feines Händchen. Von sechs Strafwürfen verwandelte er immerhin fünf. Da jubelte am Spielfeldrand Manager Hanning mit ­erhobenen Armen. Die jungen Spieler, das ist bekannt, liegen dem Macher ­besonders am Herzen.

Flensburg musste nur seine Chancen verwerten

In vielen Gesprächen hatte Trainer Petkovic vor allem den Talenten den Willen und das Selbstbewusstsein gestärkt. Aufgrund der vielen Verletzten stehen die jungen Profis wie Holm, Simak, Christoph Reißky (23), Paul Drux (23) und Kevin Struck (21) besonders stark in der Verantwortung. Petkovic gab ihnen das Vertrauen und den ­Glauben daran, den Meister besiegen zu können. Und es sah einige Zeit ­danach aus, mit zwei Toren Vorsprung ging es in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel aber häuften sich die Fehlwürfe bei den Füchsen. „Da sind wir eingebrochen, bekommen drei Würfe aufs leere Tor“, sagte Rückraumspieler Drux, „wir ­haben zu viele Fehler gemacht, und hinten heraus fehlen uns die Alternativen. Das ist besonders ärgerlich, weil Flensburg heute nicht übermächtig war.“ In der Tat musste der Meister nicht mehr machen, als die Chancen zu verwerten – das tat Flensburg effektiv und clever.

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