Handball

Die Jungfüchse beißen zu

Der Nachwuchs des Berliner Handball-Bundesligisten will auch gegen den Meister aus Flensburg auftrumpfen.

Frederik Simak verwandelte gegen Minden fünf von fünf Siebenmetern.

Frederik Simak verwandelte gegen Minden fünf von fünf Siebenmetern.

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin.  Christoph Reißky weiß, was für eine seltene Spezies er ist. Als Linkshänder hat man bei den Füchsen Berlin gerade wenig Konkurrenz. Neben dem 23 Jahre alten Rückraumspieler wirft nur noch Rechtsaußen Mattias Zachrisson mit links. Der Rest ist verletzt. Das macht die beiden Spieler für den Handball-Bundesligisten umso wertvoller und bringt vor allem Reißky in eine ungewohnte Situation. „Ich hab die letzten zwei Spiele richtig viel gespielt. Das macht natürlich mehr Spaß, als wenn man nur zehn Minuten oder so spielt. Weil man einfach einen viel viel größeren Anteil am Sieg hat“, sagt er.

Und den hatte Reißky vor allem beim Heimspiel gegen Minden (29:27) am vergangenen Donnerstag. Die etablierten Spieler um den verletzten Kapitän Hans Lindberg (Knie) und den angeschlagenen Rückraumchef Fabian Wiede (Fuß) konnten nur zuschauen, wie die junge Garde die Regie übernahm. 15 Tore – mehr als die Hälfte der Berliner Treffer – erzielten mit Reißky (4), Frederik Simak (20 Jahre/6), Kevin Struck (22/3 Tore) und Paul Drux (23/2) gleich vier Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Das dänische Toptalent Jacob Holm (22) steuerte weitere acht Tore bei. Die jungen Füchse zeigten, dass sie schon ordentlich zubeißen können.

Der eigene Nachwuchs erzielte gegen Minden 15 Tore

Das, was sich die Berliner da rangezüchtet haben, soll nun auch den Meister aus Flensburg alt aussehen lassen, der an diesem Dienstag in der Schmeling-Halle gastiert (19 Uhr, Sky). Die Mannschaft aus dem Norden, die mit zwei Siegen in die neue Saison startete, steht nach einem Umbruch vor dem Neuanfang. Sechs Stammspieler verließen den Titelträger, unter ihnen auch die Vereinslegende Thomas Mogensen und Torwart-Ikone Mattias Andersson. „Wenn man sie schlagen kann, dann jetzt, wenn sie noch nicht so eingespielt sind“, sagt Reißky. Er gibt sich selbstbewusst, weiß aber auch, dass man sich nach einer guten Leistung nicht darauf ausruhen darf. „Wir freuen uns nach dem Spiel und arbeiten am nächsten Tag beim Training direkt an dem, wo wir nicht so gut waren. Damit wir uns wieder verbessern“, sagt er.

Das freut vor allem Füchse-Coach Velimir Petkovic. Der 62-Jährige sparte nach dem Minden-Spiel nicht mit Lob, aber eben auch nicht mit Kritik. „Andere sagen einfach: super Leistung. Ich arbeite an den Fehlern, die noch da waren. Ich will nicht, dass die sich wiederholen“, sagt Petkovic. Natürlich würde er gegen Flensburg auch gern auch mit den Routiniers spielen. „Marko Kopljar halbrechts, Stipe Mandalinic halblinks“, scherzt der Coach. Aber die Verletztenliste ist eben lang. Johan Koch und Wiede nähern sich zwar ihrem Comeback. Petkovic will aber nichts riskieren, die Spieler nicht zu früh belasten. Die Saison ist schließlich noch lang.

Heinevetter gibt seine Erfahrung an die Jungen weiter

Für die jungen Spieler ist das ein Glücksfall. Sie bekommen die Chance, sich zu beweisen. Wie Frederik Simak. Der Rückraumspieler saß gegen Minden nach 18 Minuten immer noch auf der Bank und war trotzdem der bis dahin beste Werfer der Füchse. Das, was Simak da gemacht hatte, war keine Zauberei. Sondern reine Berechnung. Fünf Siebenmeter, fünf Treffer, eine Quote von 100 Prozent. Weil Standardschütze Lindberg ausfiel. „Wenn er bei dieser Quote bleibt, dann haben wir Ersatz für Hans gefunden“, sagt ein gut gelaunter Petkovic. Und das, obwohl Simak einen Großteil der Vorbereitung verpasste, weil er mit dem U20-Nationalteam EM-Bronze in Slowenien gewann.

Der Trainer weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, dass sich die jungen Spieler so schnell so gut ins Team eingefunden haben. Großen Anteil daran haben die Erfahrenen in der Mannschaft. Wie Torwart Silvio Heinevetter. Für den 33-Jährigen ist die Erfolgs-Rechnung einfach: „Wenn man ihnen was sagt, dann will man ihnen helfen. Wenn ich ihnen helfen kann, helfen sie ja der ganzen Mannschaft. Und das ist dann die Win-win-Situation für alle“, sagt Heinevetter. Reißky, Simak und Co., sie alle sind ein Gewinn für die Füchse, der sich auch gegen Flensburg auszahlen soll.

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