Handball

Der Titel führt nur über den THW Kiel

Der THW Kiel ist bei der Abschiedstour von Trainer Alfred Gislason der Top-Favorit. Die Bundesliga muss wieder Stärke zeigen.

Der Isländer  Alfred Gislason ist der dienstälteste Trainer in der Bundesliga. Er geht mit dem THW Kiel in seine elfte Saison

Der Isländer Alfred Gislason ist der dienstälteste Trainer in der Bundesliga. Er geht mit dem THW Kiel in seine elfte Saison

Foto: Axel Heimken / dpa

Berlin.  Ohne zeitliches Limit mit den vier Enkeln spielen, nicht direkt nach einem Handballspiel immer schon wieder das nächste im Kopf haben – und gern auch mal in Ruhe ein Buch lesen. Alfred Gislason (58) hat genaue Vorstellungen, wie sein Leben danach aussehen könnte. Nach elf Jahren als Chefcoach beim THW Kiel, nach 27 Jahren in der Bundesliga. Die Zeit bis zum 9. Juni 2019 aber ist beim Isländer noch voll verplant. Seine Gestik ist entschlossen, sein Worte wohl gewählt. „Mein Gefühl ist sehr gut, es herrscht eine neue Aufbruchstimmung“, sagt Gislason, ohne das Ziel Meisterschaft auszusprechen.

Aber natürlich geht es für den THW in der 53. Bundesligasaison, die am Donnerstag beginnt, genau darum: Nach drei Jahren ohne Titelgewinn will der Nordklub zurück auf den Handball-Thron. Mit einem unveränderten Etat von 9,5 Millionen Euro und gleich drei Kapitänen geht er als Titelfavorit ins Rennen. Weil er in der Breite den stärksten Kader und keine Zusatzbelastung durch die Champions League hat. „Der THW steht für Angriff“, sagt Geschäftsführer Thorsten Storm.

Neun der 18 Vereinstrainer votierten in einer Umfrage des Fachmagazins „Handballwoche“ für den zuletzt strauchelnden Rekordmeister. Sechs Stimmen entfielen auf Pokalsieger Rhein-Neckar Löwen, auf die Füchse Berlin setzte ein Trainer. Die SG Flensburg-Handewitt, die nach dem Titelgewinn personell einen Aderlass hat hinnehmen müssen, wurde nicht genannt, zwei Coaches enthielten sich. Auch Bundestrainer Christian Prokop tippt auf Kiel als Meister.

Neben dem Titelkampf geht es für die Top-Teams auch um die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Die beiden Erstplatzierten starten in der Champions-League, die Plätze drei und vier berechtigen zur Teilnahme am EHF-Cup. Zudem darf der DHB-Pokalsieger am EHF-Cup teilnehmen.

Deutschland nur noch auf dem zweiten Platz

In der neuen Saison geht es für die Bundesliga auch darum, wieder Stärke zu zeigen und in den europäischen Wettbewerben aufzutrumpfen. Denn im Ranking des Europaverbandes EHF, das dank der deutschen Dominanz auf internationalem Terrain viele Jahre angeführt wurde, liegt Deutschland nur noch auf dem zweiten Platz hinter Frankreich.

Nach zwei Finalturnieren in der Champions League ohne deutsches Team steht die nach eigenen Angaben „stärkste Liga der Welt“ in der Bringschuld. In der vergangenen Saison waren beim Final Four der Königsklasse in Köln die Plätze eins bis drei an französische Teams gegangen. „Wir dürfen uns auf alten Erfolgen nicht ausruhen“, sagt Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), in der „Handballwoche“. „Der Wettbewerb wird stärker, und wir werden den Status der stärksten Liga der Welt verlieren, wenn wir uns nicht weiterentwickeln.“

Eine Steigerung muss auch der deutschen Nationalmannschaft gelingen, will sie bei der Weltmeisterschaft im Januar in Deutschland und Dänemark (10. bis 27. Januar) nach der EM-Enttäuschung 2018 (Aus in der Hauptrunde) wieder um eine Medaille kämpfen. Bohmann: „Ich gehe davon aus, dass die WM auch die Bundesliga beflügeln wird.“

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