Handball

Füchse-Geschäftsführer Hanning:„Wir haben Hunger auf mehr“

Am Donnerstag starten die Handballer in die neue Saison. Bob Hanning spricht im Interview über die Saisonziele.

Bereit für den Anwurf: Die Füchse feierten beim Vorbereitungsturnier in Potsdam Anfang August den Sieg

Bereit für den Anwurf: Die Füchse feierten beim Vorbereitungsturnier in Potsdam Anfang August den Sieg

Foto: Jürgen Engler

Berlin.  Der Espresso macchiato schmeckt besonders gut. Bob Hanning blickt über den sonnendurchfluteten Gendarmenmarkt, seine Augen blitzen. Ein bisschen euphorisch sei er vor Beginn der Handball-Saison, die am Donnerstag für die Füchse mit dem Spiel bei Frisch Auf Göppingen (19 Uhr, Sky) beginnt. Trotz der drohenden Ausfälle von Fabian Wiede (Fuß), Johan Koch (Leiste) und Kapitän Hans Lindberg (Knie) ist die Vorfreude beim Geschäftsführer des Hauptstadtklubs groß. „Wir haben richtig Lust auf die Saison“, sagt Hanning. Im Interview spricht der 50-Jährige über Erwartungen und Herausforderung in der neuen Spielzeit.

3,2,1. Herr Hanning, gefällt Ihnen diese Zahlenreihe?

Bob Hanning: Durchaus, sie steht für die erfolgreichste Saison, die wir im vergangenen Jahr je erlebt haben.

Platz drei in der Liga, Platz zwei bei der Vereins-WM, Platz eins im EHF-Cup. Trotz zahlreicher Verletzungen. Was halten Sie jetzt von 1,1,1 - immerhin gehen die Füchse mit dem größten Kader aller Zeiten in die neue Saison.

(lacht) Ein schönes Zahlenspiel, den Gewinn der deutschen Meisterschaft halte ich derzeit noch für illusorisch, zu den Favoriten Kiel und den Rhein-Neckar Löwen fehlen uns im Etat zwei bis drei Millionen Euro. Aber ich sehe das Ziel Meisterschaft in der näheren Zukunft durchaus für umsetzbar. Auch weil aus dem Nachwuchs ein paar sehr gute Spieler nachdrängen. Da gibt es schon neue Wiedes und Drux.

Bleiben wir bei den Profis. 16 Spieler umfasst der neue Kader, darunter fünf Neue. Es ist der teuerste Kader, den die Füchse je hatten.

In der Tat. Um weiter erfolgreich zu sein, mussten wir bei unseren Spielern etwas im Preisgefüge tun. Zudem haben wir jetzt mehr Flexibilität und Variabilität im Kader, gehen zum Beispiel mit drei Kreisläufern in die Saison. Wir sind in der Breite und Spitze gut aufgestellt.

Mit Frederik Simak, der gerade mit der U20-Auswahl EM-Bronze gewinnen konnte, hat es das nächste Talent in den Profikader geschafft.

Das macht uns sehr stolz und ist die Motivation schlechthin, auch in Zukunft intensiv auf die Jugendarbeit zu setzen. Mich treibt das an, jeden Morgen um 6 Uhr aufzustehen und um 7.30 Uhr in der Halle des Schul- und Leistungssportzentrums das Jugendtraining zu leiten. Das ist auch das, was uns besonders macht. Der Nachwuchs ist für uns überlebenswichtig.

Die Talente sind also die Füchse von morgen?

Genau, unsere Zielsetzung ist, dass Jaron Siewert, der in Berlin ausgebildet wurde und aktuell den Tusem Essen trainiert, irgendwann hier mal Trainer wird, das weiß auch unser jetziger Chefcoach Velimir Petkovic. Das kann in zwei, drei oder fünf Jahren der Fall sein. Jetzt besteht freilich kein Grund dafür, da wir mit Petko sehr gut aufgestellt sind. Ich möchte aber, dass dann mit Siewert irgendwann dieser Geist bei den Füchsen herrscht, den seinerzeit auch Pep Guardiola beim FC Barcelona als ehemaliger Spieler und späterer Trainer eingepflanzt hat. Das wäre für mich die Vollendung. Und ist das, was ich mir vorgestellt habe, als wir 2005 das Handball-Projekt der Füchse gestartet haben. Nämlich einen Verein zu machen, der ganz anders ist als alle anderen. Wir wollen Weltklasse selbst entwickeln.

Weltklasse ist der aktuelle Kader in Teilen schon jetzt. Die Fans dürfen sich freuen.

Nun, ob er tatsächlich am Ende der beste Kader der Füchse-Geschichte ist, das müssen die Spieler beweisen. Vieles fühlt sich gut an. Und mir gefällt, dass sich die Mannschaft und der Trainer aus der Defensive trauen. Sie haben Hunger auf mehr und wollen nach oben angreifen. Es ist nicht entscheidend, was ich als Geschäftsführer sage, sondern was setzt sich aus der inneren Überzeugung des Teams durch. Wenn man etwas selbst lebt und fühlt, dann ist es echt. Nur wer selbst brennt, kann Feuer entfachen. Wichtig ist natürlich die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb. Das muss mit dem Kader machbar sein, alles andere hängt von vielen Faktoren ab, die wir nicht beeinflussen können wie Verletzungen oder auch das Abschneiden der Konkurrenz.

Mit der WM in Deutschland und Dänemark wartet die Saison mit einem besonderen Höhepunkt auf. Für die Titelkämpfe wollen sich auch viele Füchse-Spieler empfehlen. Wie auch Silvio Heinevetter, Fabian Wiede und Paul Drux für die deutsche Nationalmannschaft.

Ziel muss es sein, dass alle drei bei der WM dabei sind. Immerhin findet die Vorrunde mit Deutschland in Berlin statt. Dafür müssen sich aber alle drei im Vergleich zur Vorsaison steigern, denn von Weltklasse waren sie zum Teil weit entfernt. Jetzt müssen sie sich nach jedem Bundesligaspiel ehrlich fragen, welches Level sie abgeliefert haben: Weltklasse, internationale Klasse, Durchschnitt oder schlecht. Das sind die vier Kategorien. Sie müssen auf jeden Fall auch eigenständig trainieren, denn jeder Spieler trägt die Verantwortung für seine körperliche Fitness selbst. Die Motivation, in Deutschland eine WM zu spielen, ist für alle Spieler enorm groß.

Dank einer Wildcard sind die Füchse auch in diesem Jahr bei der Vereins-WM in Katar (Super Globe) am Start.

Das war eine sehr schöne Überraschung und hat uns sehr gefreut, auch im Wissen, dass sich andere deutsche Klubs für die Teilnahme beworben haben. Es ist natürlich so, dass die Füchse beim Super Globe einen sehr guten Ruf genießen. Wir haben in den vergangenen Jahren eine gute Visitenkarte in Doha hinterlassen, zudem ist die Stadt Berlin ein Name in Katar. Das ist ein Riesenplus für uns.

Lässt Sie das ruhiger schlafen, immerhin sind in Doha im Fall des Sieges 400.000 US-Dollar zu gewinnen. Angesichts des Defizits der Füchse zu Saisonbeginn in Höhe von 500.000 Euro könnte das ein wichtiger Zugewinn sein.

(lacht) Ich muss sagen, ich schlafe eigentlich immer recht gut. Auch weil ich weiß, in den vergangenen 13 Jahren meine Hausaufgaben gemacht zu haben und wir jedes Jahr mit einer Unterdeckung in die Spielzeit gehen, am Ende aber stand dank unserer Partner und Fans immer eine schwarze Null. Zudem haben wir mit Vermarkter Lagardère einen langfristigen Vertrag geschlossen. Ich schließe aus, dass wir ein wirtschaftliches Problem in diesem Jahr bekommen, da wir zur Not auch entsprechende Rücklagen hätten. Fest steht aber, der Gewinn des Super Globes würde uns sehr gut tun. Die Mannschaft kann an ihrer Weiterentwicklung mit Erfolgen selbst arbeiten.

Sky überträgt alle 306 Spiele der Handball-Bundesliga live

Heimspiele: Nach dem Saisonauftakt auswärts in Göppingen treten die Füchse in der kommenden Woche zum ersten Mal in der Max-Schmeling-Halle an. Die Termine der Heimspiele im Überblick: 30.8., 19 Uhr: Füchse - GWD Minden, 4.9., 19 Uhr: Füchse - SG Flensburg-Handewitt, 13.9., 19 Uhr: Füchse - TSV Hannover-Burgdorf, 29.9., 15.10 Uhr: Füchse - SC Magdeburg, 14.10., 19 Uhr: Füchse - TBV Lemgo, 1.11., 19 Uhr: Füchse - TVB Stuttgart, 15.11., 19 Uhr: Füchse - MT Melsungen, 2.12. Füchse - Bergischer HC, 16.12. Füchse - SC DHfK Leipzig, 26.12. Füchse - HC Erlangen.

Übertragung: Sky zeigt – wie schon in der vergangenen Saison – alle 306 Partien der Handball-Bundesliga (HBL) live. Allerdings beklagten einige Vereine wie Füchse-Auftaktgegner Frisch Auf Göppingen, der VfL Gummersbach oder der TBV Lemgo durch die ungewohnte Anwurfzeit um 12.30 Uhr im Vorjahr einen Rückgang der Zuschauerzahlen. Darauf hat die HBL reagiert und mit Sky neue Anwurfzeiten ausgehandelt. Also werden die Sonntagsspiele ab dieser Saison um 13.30 Uhr (statt 12.30) und um 16 Uhr (statt 15) angepfiffen. Das Topspiel rückt dabei auf den 13.30-Uhr-Termin, die übrigen Partien starten zeitgleich am späteren Termin und werden in einer Live-Konferenz gezeigt. Neu ist zudem die Konferenz der Donnerstagspiele. Zwei Spiele der Saison werden live von der ARD übertragen, erste Partie ist das Nordderby zwischen Meister Flensburg und dem THW Kiel am 8. September.

Tickets: Tickets für die Spiele der Füchse gibt es im Internet (https://www.fuechse.berlin/o.red.r/tickets.html) oder an allen bekannten Vorverkaufsstellen in Berlin und Brandenburg.

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