Handball

Hans Lindberg: „Das Leben ist nicht nur Handball“

Der neue Füchse-Kapitän Hans Lindberg spricht im Interview über die Lust auf Titel und das Leben als zweifacher Vater.

Hans Lindberg spielt seit 2016 für die Füchse

Hans Lindberg spielt seit 2016 für die Füchse

Foto: pa

Berlin.  Hans Lindberg war sich nicht ganz sicher, ob er jetzt gerade Zeit für ein Interview hat. Schließlich hat er doch pünktlich um zwölf Uhr Training. Und Trainer Velimir Petkovic ließ die Füchse Berlin schon durch die Trainingshalle laufen, als Lindberg noch unschlüssig in der Tür steht. Der 37-Jährige ist pflichtbewusst. Training ist Training, da muss alles andere eben warten. Doch für den Kapitän des Handball-Bundesligisten gibt es eine Ausnahme. Denn vor dem Saisonstart heute im DHB-Pokal gegen den Oranienburger HC (15 Uhr) ist Lindberg als neuer Anführer im Team natürlich begehrter Gesprächspartner. Und so spricht der Däne über seine neue Rolle, die Starthilfe für einen jungen Landsmann und darüber, warum Handball nicht mehr alles in seinem Leben ist.

Hans Lindberg, Sie sind nun seit zweieinhalb Jahren bei den Füchsen, haben bei Ihrem Start damals gesagt, dass Sie Meister werden wollen. Jetzt haben Sie immerhin den EHF-Cup und den Super Globe gewonnen. Was muss jetzt noch kommen?

Hans Lindberg: Ich bin hierher gekommen, um Titel zu gewinnen. Seitdem ich gekommen bin, hat der Verein sich entwickelt. Jetzt kommen Spieler aus Skopje und Barcelona. Berlin ist der richtige Standort, da haben wir vor allem vergangene Saison den richtigen Schritt gemacht. Es gibt keinen Verein mehr, der vor einem Spiel sagt, dass zwei Punkte gegen Berlin sicher sind. Jetzt müssen wir mehr Punkte gegen die großen Vereine aus Flensburg, Kiel und gegen die Rhein-Neckar Löwen holen.

Sie wollten sich damals schnell ins Team integrieren, das scheint gut funktioniert zu haben. Jetzt sind Sie Kapitän der Mannschaft. Verändert sich jetzt etwas für Sie?

Es sind wichtige Spieler weggefallen. Steffen Fäth, der vielleicht unser bester Spieler war, Petr Stochl, der seit so vielen Jahren hier war. Dann kommen neue Spieler und auch meine Rolle als Kapitän. Ich sehe aber keinen großen Unterschied zur vergangenen Saison. Klar, Verantwortung. Aber es gibt auch andere Spieler, die auf dem Feld Verantwortung übernehmen, die sich vor die Mannschaft stellen. Deshalb sehe ich das nicht als schwierige Aufgabe. Ich muss auf dem Feld nicht etwas anders machen. Ich bin, wie ich bin, und das war ich auch letztes Jahr.

Vergangene Saison waren die Füchse Dritter, bis zur Tabellenspitze ist es nicht weit. Was sind die Ziele für die neue Saison?

Das war die vielleicht beste Saison dieses Vereins. Bis zum Ende waren wir theoretisch ein Meisterschaftskandidat. Und dann der Sieg im EHF-Cup. Aber nun sind große Spieler gegangen, dafür haben wir jetzt Wael Jallouz und Jacob Holm, die uns verstärken. Da müssen wir mal schauen, wie weit die sind. Das sind diese kleinen Veränderungen, mit denen man in eine neue Saison geht und weswegen wir nicht wissen, wo wir stehen. Es sind sieben, acht Mannschaften, die vom Meister bis zum achten Platz alles sein können.

Jacob Holm ist auch Däne. Konnten Sie ihm als Landmann helfen, schneller in Berlin anzukommen?

Natürlich hat er die Herausforderung, die auch ich vor elf Jahren hatte. Er muss erstmal Deutsch lernen. Das dauert. Wenn man aus dem selben Land kommt, sucht man sich schon und redet miteinander. Es ist ein großer Schritt für ihn von seinem Jugendverein einfach nach Berlin zu ziehen, in eine Stadt mit mehr als drei Millionen Menschen. Da versuchen wir zu helfen, vor allem ich und auch Johan Koch. Wir versuchen, die Integration so einfach wie möglich für ihn zu machen.

Die Saison wird begleitet von der Vorbereitung auf die WM, nächstes Jahr in Deutschland und Dänemark …

… nein nein, es heißt Dänemark und Deutschland.

Alles klar! Mit 259 Länderspielen sind Sie ein erfahrener Nationalspieler, ist die WM da immer noch ein Ziel?

Natürlich. Ich habe 2014 die EM zu Hause gespielt und ich weiß, was für ein Erlebnis das ist. Es ist großartig. Natürlich ist das ein großes Ziel. Es ist vielleicht eine meiner größten und letzten Chance, eine WM zu gewinnen. Ich habe schon zwei Silbermedaillen, aber noch keine goldene bei einer WM. Ich hoffe natürlich für die deutsche Mannschaft, dass sie einen riesigen Erfolg hat und die Silbermedaille gewinnt.

Die WM verbindet ja auch Ihre beiden Lebensmittelpunkte, Dänemark und Deutschland.

Ja, es ärgert mich ein bisschen, dass Dänemark und Deutschland das zusammen austragen. Ich habe ja auch 2007 bei der WM in Deutschland gespielt, das war Weltklasse. Da kamen auch viele Dänen zum Zuschauen. Da ist es schade, dass nicht jedes Land sein eigenes Turnier hat. Ich hoffe, dass wir weit kommen. Dann ist das Halbfinale in Hamburg. Das ist ein großes Ziel.

Sie haben am Oberarm ein Tattoo, „Take it easy“ steht da – ist das Ihr Lebensmotto?

Ja und nein. Das habe ich mir nach der Nierenverletzung machen lassen. Da habe ich gemerkt, dass das Leben nicht nur Handball ist. Vor der Nierenverletzung war ich nach einer Niederlage drei Tage sauer, habe das auch nach Hause getragen. Das Leben kann sich schnell verändern und daher ist das ein kleines Motto, dass man nicht alles so ernst nehmen und sich an normalen Tagen auch mal freuen soll.

Vor zwei Monaten hatten Sie besonderen Grund zur Freude. Sie sind zum zweiten Mal Vater geworden, Carl Philip heißt der Kleine. Wie hat sich das Leben verändert?

Beim ersten Kind hat sich deutlich mehr verändert. Beim zweiten Kind ist es etwas einfacher, da hat man schon alles einmal erlebt und weiß, wie es läuft. Der Kleine ist gesund und ruhig. Es macht Spaß. Meine Frau hält mir den Rücken frei und ich kann einigermaßen gut schlafen nachts.

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