Handball

Für Sigurdsson sind die Füchse nun sogar Titelfavorit

Mit dem japanischen Nationalteam ist der frühere Berliner Trainer in Potsdam im Trainingslager und trifft am Freitag auf den Ex-Klub.

Japans Nationaltrainer Dagur Sigurdsson (r.)

Japans Nationaltrainer Dagur Sigurdsson (r.)

Foto: Bernd Settnik / dpa

Berlin.  Dagur Sigurdsson ist ein bescheidener Typ. Nach seinem Wechsel nach Japan sagte er mal über seine Arbeit als Trainer der Füchse Berlin, dass er das Gefühl gehabt habe, dass er der Mannschaft erst nach gut 20 Spielen zum Sieg verholfen habe. Vorher habe die Mannschaft das eher allein gemacht. Ähnliches wird er vermutlich wohl auch über seinen Einfluss auf das Spiel des Handball-Nationalteams Japan sagen.

Doch seit der 45 Jahre alte Isländer die Auswahl aus Ostasien Anfang des Jahres 2017 übernommen hat (auch um sich öfter um Familie und seinem an Alzheimer erkrankten Vater kümmern zu können), hat er stets dafür gesorgt, dass seine Spieler international wachsen können. In der kleinen japanischen Liga geht es immer gegen die gleichen Teams, Testspiele der Nationalmannschaft finden höchstens mal gegen die Nachbarn aus Korea statt.

Vorbereitung auf die WM 2019

Deshalb hat Sigurdsson vorgesorgt: Eine Trainingsreise in die isländische Heimat, dazu Testspiele gegen europäische Handballgrößen und nun ein zweiwöchiges Trainingslager am Olympiastützpunkt im Potsdamer Luftschiffhafen. „Ich freue mich sehr, meiner Mannschaft Potsdam und Berlin zu zeigen“, sagte Sigurdsson, der die Füchse in seiner sechsjährigen Amtszeit als Bundesliga-Trainer zu den ersten Titeln der Vereinsgeschichte geführt hatte: 2014 im DHB-Pokal und ein Jahr später im EHF-Pokal. Nun bereitet er die Japaner auf die WM 2019 in Deutschland und Dänemark vor. Dort muss sich Sigurdssons Team dank einer Wildcard zu Jahresbeginn dann unter anderem mit dem amtierenden Europameister Spanien und den starken Kroaten messen.

Es warten also große Aufgaben, und das kann man durchaus wörtlich nehmen. Denn die Japaner müssen nicht nur die geringe internationale Wettkampferfahrung ausgleichen, sondern auch „20 bis 30 Zentimeter Größenunterschied“, so Sigurdsson. „Aber die Spieler sind unheimlich ehrgeizig und lernwillig“.

Dort nutzt der einstige deutsche Nationaltrainer, der 2016 mit dem DHB-Team Europameister wurde, die professionellen Bedingungen und die Nähe zu gleich drei Handball-Bundesligisten. Neben Testspielen gegen den SC Magdeburg und SC DHfK Leipzig steht am Freitag (18 Uhr) ein Blitzturnier zur Saisoneröffnung des Drittligisten 1. VfL Potsdam auf dem Spielplan. Mit von der Partie Bundesligist Nummer drei: die Füchse.

Hälfte aller Bundesliga-Trainer tippen auf Kiel

Für die Berliner wird vor allem die Partie gegen Sigurdssons Japaner die erste richtige Bewährungsprobe auf dem Weg zum Saisonstart am 23. August in Göppingen. Den Weg seines ehemaligen Klubs hat Sigurdsson auch aus der Ferne verfolgt. Nach Rang drei in der vergangenen Saison traut der Ex-Coach den Berlinern in baldiger Zukunft auch den Meistertitel zu. „Entscheidend ist die gute, konstante Entwicklung der vergangenen Jahre. Die Gegner wissen, dass es bald passieren könnte“, sagte Sigurdsson, obwohl jüngst in einer Umfrage neun Bundesligatrainer auf den THW Kiel tippten, sechs auf die Rhein-Neckar Löwen (und keiner auf Titelverteidiger Flensburg!).

Über die Zeit nach seiner Arbeit mit dem japanischen Nationalteam hat sich Sigurdsson noch keine Gedanken gemacht, sein Vertrag endet ja auch erst 2024. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning hätte da eine Idee: „Vielleicht kommt er irgendwann zurück. Mit Dagur zusammenzuarbeiten, ist immer eine Freude.“ Das werden die Japaner bestätigen können.

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