Füchse-Trainer

Petkovic: „Will mit der Mannschaft deutscher Meister sein“

Füchse-Trainer Petkovic begeistert die Spannung in der Handball-Bundesliga. Die Berliner können sogar noch vom Titel träumen.

Füchse-Kreisläufer Johan Koch tankt sich durch die Abwehr der Meister-Löwen aus Mannheim

Füchse-Kreisläufer Johan Koch tankt sich durch die Abwehr der Meister-Löwen aus Mannheim

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin.  Eigentlich könnte man annehmen, Velimir Petkovic sei am vergangenen Sonntagnachmittag voll und ganz mit dem Finalspiel der Füchse Berlin und der anschließenden Siegerehrung im EHF-Pokal beschäftigt gewesen. Doch der Trainer der Berliner Handballer schielte schon mit einem Auge auf den nächsten Triumph: Im Liveticker verfolgte er die nahezu zeitgleich stattfindende Bundesligapartie zwischen dem HC Erlangen und den Rhein-Neckar Löwen.

„Als die Löwen kurz vor Schluss mit zwei Toren zurücklagen, hat es bei mir ganz schön gekribbelt“, gibt er zu. Mit dem Unentschieden (25:25) haben die Mannheimer wieder einen Punkt liegen gelassen, damit wird der Kampf um die deutsche Meisterschaft noch einmal richtig spannend. Aktuell ist die SG Flensburg Handewitt Tabellenführer.

„Damit haben wir gar nicht mehr gerechnet“, gibt Mark Bult zu. Der ehemalige Füchse-Spieler ist seit 2017 Assistenztrainer in Flensburg. Vor zwei Wochen hatten die Löwen noch fünf Punkte Vorsprung auf ihre Verfolger. „Jetzt spüren sie den ganzen Druck und dürfen sich keinen Ausrutscher mehr erlauben“, weiß Bult. Auch die Füchse können noch einmal hoffen. „Ich will mit der Mannschaft deutscher Meister sein“, betonte Petkovic am Dienstag, als der Europapokalsieger sich in Reinickendorf vor knapp 300 Fans in das Goldene Buch des Bezirks eintrug.

Heute kommt Lübbecke in die Schmeling-Halle

Seit dem großen Umbruch 2015 beim Rekordmeister THW Kiel, der in den elf Jahren zwischen 2005 und 2015 nur einen anderen Titelträger (HSV Handball, 2011) zuließ, ist der Ausgang der deutschen Meisterschaft wenig vorhersehbar geworden. 2016 blieb der Kampf um die Schale gar bis zum letzten Spieltag offen, gleiches gilt für die Verteilung der Plätze im Europapokal. „Die Liga entwickelt sich“, findet Bult. „Auch die Teams, die immer in den Top sieben gespielt haben, sind viel stärker geworden.“

Auch Petkovic registriert die Spannung mit Begeisterung: „Das ist jetzt meine 20. Saison, aber so etwas wie jetzt habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 61-Jährige. Drei Spieltage vor Saisonende kann sich kein Team seiner Platzierung sicher sein. „Uns wäre ehrlich gesagt lieber gewesen, die Füchse hätten nicht gegen Hannover gewonnen“, gibt Bult zu. „Jetzt müssen wir auch weiterhin nach unten schauen, sonst sind die sofort wieder da.“

Noch vier Klubs können absteigen

Auch der Blick zum Tabellenende lohnt sich: Mit TuS N-Lübbecke, VfL Gummersbach, Ludwigshafen und TV Hüttenberg können noch vier Klubs absteigen. Zwei davon gastieren noch in der Max-Schmeling-Halle: Lübbecke an diesem Donnerstag (19 Uhr, Sky) und Hüttenberg zum Saisonfinale am 3. Juni (15 Uhr, Sky).

Aus Erfahrung wissen die Füchse, wie schwer es ist, die abstiegsbedrohten Teams zu schlagen, die noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um den Ligaerhalt zu schaffen. Im vergangenen Jahr kostete die Berliner ihre Niederlage im letzten Heimspiel gegen den VfL Gummersbach (27:28) den Champions-League-Platz. Oft straucheln die Topklubs am Saisonende gegen einen vermeintlich schlagbaren Gegner. Warum es so schwierig ist, die Partien im Mai und Juni zu gewinnen, erklärt Mark Bult mit der Müdigkeit der Spieler nach der langen Saison und der Aussicht auf ein baldiges Ende, was sich eher kontraproduktiv auf die Konzentration auswirken kann. Auch seinem Team gelang am Sonntag nur mit Mühe ein Arbeitssieg gegen Minden (24:23).

Forsche Worte vom Sportkoordinator

„Ich habe mir meine Notizen vom letzten Jahr noch einmal angeschaut“, verrät Petkovic. „Ich erinnere mich genau, wie wir die Champions-League-Qualifikation verpasst haben.“ Letzte Saison hätte Platz drei gereicht. Ab sofort dürfen nur noch der deutsche Meister und der Ligazweite in der Königsklasse antreten. Über eine mögliche Wild Card des europäischen Verbandes für den Drittplatzierten wollen die Füchse aber noch nicht nachdenken. „Wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben machen, und wer weiß, ob dann am Ende nicht doch Platz zwei drin ist“, sagt Volker Zerbe.

Solch forschen Worte hört man von dem sonst eher zurückhaltenden Sportkoordinator der Füchse eher selten. Auch Fabian Wiede ist zuversichtlich. Er referenziert im Hinblick auf das Saisonfinale auf eine ganz andere Erinnerung als sein Trainer: Als die Füchse 2015 gerade die Vereins-Weltmeisterschaft gewonnen hatten, mussten sie zum fünften Spiel innerhalb einer Woche in Eisenach antreten – und gewannen 40:28. „Wir wissen mit der Situation umzugehen und werden jetzt den nächsten Sieg holen“, verspricht Wiede. Dieses Selbstverständnis ist es auch, dass Zerbe so zuversichtlich stimmt: „Das hat sich die Mannschaft über die Saison erarbeitet“, sagt er. „Jetzt ist es an der Zeit, sich zu belohnen.“

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