Handball

Füchse feiern Europapokal-Sieg

Die Berliner gewinnen 28:25 gegen Saint-Raphael. Zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte holen sich die Füchse den Titel.

Kapitän Petr Stochl hebt den Europapokal in die Höhe

Kapitän Petr Stochl hebt den Europapokal in die Höhe

Foto: pa

Magdeburg. Als Silvio Heinevetter auch noch den Siebenmeter hielt, brachen alle Dämme. Die Spieler der Füchse Berlin quetschten die letzten Tropfen Adrenalin aus ihren Körpern, hüpften übereinander, herzten sich und jubelten über den ersten Titel in dieser Saison. Auch das fünfte Spiel innerhalb von zehn Tagen haben die Füchse gewonnen, im Finale des EHF-Cups besiegten sie St. Raphael 28:25 (14:13) und dürfen sich nun zum zweiten Mal seit 2015 Europapokalsieger nennen.

„Es sollte eigentlich unmöglich sein, dass wir das heute gewinnen“, sagte Hans Lindberg, der mit 82 Treffern zum besten Werfer des Finalturnier gekürt wurde. Nach der Halbfinalpartie gegen Göppingen, die im Spiel um Platz drei dem SC Magdeburg unterlagen (25:35), seien die Batterien komplett leer gewesen, erzählte Lindberg. Doch wie schon so oft in dieser Saison, fanden die Füchse die allumfassende Aufladestation, die Trainer Velimir Petkovic „Charakter“ nennt.

„Ich bin richtig stolz, diese Mannschaft zu trainieren“, sagte er. „Sie hat etwas, das andere nicht haben. Die Qualität ist das eine, aber der Charakter ist unglaublich.“ Als Kapitän Petr Stochl die Trophäe überreicht bekam und sie seinen Mitspielern entgegenstreckte, hatte er Tränen in den Augen. „Das war mein Traum, ich kann nicht mal beschreiben, was für Gefühle ich hatte.“

Zu Beginn der Partie wirkten die Füchse etwas verunsichert. Fabian Wiede warf zwei Mal am Tor vorbei, zudem parierte St- Raphaels Torhüter Mihai Popescu sehr gut, so dass die Franzosen 3:0 in Führung gingen. Wie schon im Halbfinale hatten die Füchse die Halle gegen sich. Die Fans des SC Magdeburg hatten sich entschieden, den Klub anzufeuern, der ihre Mannschaft im Halbfinale besiegt hatte. Darüber hinaus pfiffen sie die Füchse sogar aus. „Das war respektlos, aber wenn sie uns so behandeln, disqualifizieren sie sich am Ende nur selbst“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Zwischen den Pfosten der Füchse stand wieder Silvio Heinevetter, den Petkovic am Sonnabend noch durch Stochl ersetzt hatte. Im Finale aber zeigte der Nationaltorhüter einmal mehr seine Klasse sowie seine Fähigkeit, Anfeindungen nicht nur mit stoischer Gelassenheit zu ertragen, sondern daraus auch noch Kraft für die eigene Leistung zu ziehen. „Heine, du Arschloch“ hallte es aus dem Publikum und Heinevetter hielt als Antwort den Siebenmeter von Frankreichs bestem Schützen Raphael Chateau und den Nachwurf noch hinterher. „Ich finde das eigentlich ganz gut“, sagte er. „Das ist doch besser, als vor einer Halle zu spielen, in der gar nichts los ist. Aber einige meiner Mitspieler haben das zum ersten Mal erlebt, die waren ganz schön geschockt“, gab er grinsend hinterher.

Auch Wiede erholte sich schnell von den Startschwierigkeiten und zog erneut mit viel Übersicht die Fäden im Offensivspiel. Nach 21 Minuten führten die Berliner 11:7, ließen zum Ende der ersten Hälfte aber zwei Chancen liegen, so dass St. Raphael zur Pause wieder aufholen konnte. In der zweiten Hälfte war es dann vor allem Mattias Zachrisson, der über sich hinauswuchs. Mit neun Treffern war er der beste Werfer in den Reihen der Berliner. „Wie er als Rechtsaußen seit Wochen im Rückraum agiert, ist einfach unglaublich“, lobte Füchse-Präsident Frank Steffel. Auch Wiede und Paul Drux zollte er Respekt, die in den letzten Partien nahezu komplett durchspielten. „Mit jeder Verletzung sind wir enger zusammengerückt“, beschrieb Lindberg die Atmosphäre im Team.

Das war auch in der zweiten Hälfte zu sehen, als die Füchse konsequent ihren Vorsprung hielten und sich in der Abwehr wie eine Mauer dem Gegner entgegenstellten. Am Ende zogen die Berliner sich ihre Sieger-Shirts mit der Aufschrift „Wer regiert hier?“, über, eine Anspielung auf das „Hier regiert der SCM“ der Magdeburger. Der Großteil der Magdeburger Fans sah das aber gar nicht, sie hatten die Halle bereits vor der Siegerehrung verlassen. Der europäische Verband sollte sich gut überlegen, ob er so ein Turnier noch einmal an eine Stadt vergibt, deren Publikum einem einzelnen Team derart respektlos gegenübertritt.

„Natürlich wünscht man sich als deutscher Europapokalfinalist in Deutschland ein Heimspiel, aber auswärts waren wir in dieser Saison einfach immer gut“, sagte Steffel, der alle Fans für diesen Dienstag um 16 Uhr zur großen Feier ins Rathaus Reinickendorf einlud. Am Donnerstag geht es für die Füchse schon weiter im Ligaspiel gegen TuS N-Lübbecke (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle). „Wir wollen jetzt noch mindestens unsere beiden Heimspiele gewinnen, die Saison auf Platz drei abschließen und hoffen dann auf eine Wild Card für die Champions League von der EHF“, sagte Steffel. Für den Europapokal ist das Team durch den Titelgewinn schon jetzt qualifiziert.