Handball

Füchse stehen im Europapokal-Finale

Die Berliner Handballer gewinnen mit 27:24 gegen Göppingen. Sonntag geht es gegen St. Raphael.

Johan Koch setzt zum Wurf an

Johan Koch setzt zum Wurf an

Foto: pa

Magdeburg. Am Ende griff Petr Stochl noch zwei Mal zu. Während der Torhüter der Füchse Berlin in den vergangenen Wochen die Ersatzbank gewärmt hat, schwang er sich am Sonnabend zu einer wahren Heldentat auf. Der 42-Jährige, der seine Karriere nach dieser Saison beendet, hatte großen Anteil daran, dass die Füchse im Halbfinale des EHF-Pokals 27:24 (13:13) gegen Frisch Auf Göppingen gewannen und damit ins Finale einzogen. Dort treffen sie am Sonntag auf den französischen Klub St. Raphael (15.15 Uhr, RBB).

„Ich bin froh, dass ich der Mannschaft vor meinem Karriereende noch einmal helfen konnte“, sagte Stochl nach der Partie. Zunächst aber stand sein Kollege Silvio Heinevetter im Rampenlicht:

Bei dessen Vorstellung ertönte ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzerts in der Magdeburger Halle. Nachdem der Gastgeber SCM in einem dramatischen ersten Halbfinale 27:28 (13:13) an dem Tabellenvierten der französischen Liga gescheitert war, hatte sich zunächst eine enttäuschte Stille in der knapp 8.000 Zuschauer fassenden Arena ausgebreitet. Bei dem Namen „Heinevetter“ aber, der den Klub 2009 verlassen hatte, kehrten die Kräfte der Magdeburger offensichtlich zurück. Ihr gesamter Frust entlud sich darin.

Die Füchse hingegen hatten zu Spielbeginn noch nicht viel Energie zur Verfügung. Den Berlinern steckten die vergangenen Partien gegen die Rhein-Neckar Löwen und Hannover-Burgdorf noch sichtbar in den Knochen. So erinnerte zunächst wenig an die Begegnung mit Göppingen vor fünf Wochen, als die Füchse in eigener Halle ihren höchsten Sieg in dieser Saison feiern konnten (33:19). Während Göppingen nach neun Tagen Spielpause, frisch und gut vorbereitet und die Partie startete und Torhüter Primoz Prost sich bereits in der ersten Hälfte für die eine oder andere Parade feiern lassen konnte, bekam Heinevetter, der normalerweise auf Antipathien gegen seine Person mit starken Leistungen reagiert, an seiner alten Wirkungsstätte kaum einen Finger an den Ball. „Er hat ein bisschen Pech gehabt“, sagte Stochl. Die eher schwache Torhüterleistung des zuletzt hervorragend aufgelegten Heinevetters ist aber auch mit dem zu Beginn etwas behäbigen Auftritt der gesamten Mannschaft zu erklären. „Unsere Bewegung im Angriff war zu langsam und in der Abwehr zu brav“, fasste Füchse-Trainer Velimir Petkovic zusammen.

Wie schon gegen Hannover griff dann aber die offensive 5:1-Deckung, die Petkovic nach 18 Minuten (7:10) anberaumte sowie der Torhüterwechsel auf Petr Stochl (25./10:12), der den Göppingern direkt einen freien Wurf wegnahm. „Dieser Wechsel war der Schlüssel zum Sieg“, sagte Göppingens Trainer Rolf Brack. Zur Halbzeit hatten die Füchse ausgeglichen (13:13), zu Beginn der zweiten Hälfte erspielten sie sich über Paul Drux die erste Führung (32./14:13), die Hans Lindberg auf 15:13 ausweitete. Immer wieder brachte der dänische Nationalspieler den Ball von Rechtsaußen im Tor unter. Am Ende war er mit neun Treffern (davon vier Strafwürfe) bester Werfer der Berliner. „Lindberg hatte eine hervorragende Quote, aber auch die Cleverness von Fabian Wiede und Mattias Zachrisson ist allererste Sahne“, lobte Brack. Er wollte mit Göppingen den dritten Titel in Serie im EHF-Pokal gewinnen, stattdessen spielt er nun mit seiner Mannschaft am Sonntag um 12.45 Uhr gegen Magdeburg um Platz drei.

Die knapp 400 mitgereisten Fans der Berliner hingegen sehen zum dritten Mal in dieser Saison eine Begegnung mit St. Raphael. „Das wird brutal“, sagte Lindberg. Gegen die Franzosen, die knapp hinter Nantes, Montpellier und Paris St. Germain, die sich alle für das Final Four in der Champions League qualifiziert haben, auf Rang vier der Star Ligue stehen, haben die Füchse ihre schlechtestes und eines ihrer besten Spiele in dieser Saison gemacht. „St. Raphael hat eine hohe Qualität“, sagte Stochl. Entscheidend wird sein, wie die Berliner das vierte Spiel innerhalb von zehn Tagen wegstecken, um am Sonntag noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. Fabian Wiede jedenfalls, war schon derart verwirrt, dass er in den Katakomben der Magdeburger Arena sagte: „Ich will jetzt nur noch nach Hause und die Füße hochlegen. Äh, ins Hotel natürlich.“ Und Hans Lindberg antwortete auf die Frage, ob er geschafft sei: „Ich frage mich am Montag, ob ich müde bin.“ Mit der Erfahrung aus den letzten Spielen ist am Sonntag ein leidenschaftlicher Kampf der Füchse zu erwarten. „So einen Charakter habe ich selten bei einer Bundesliga-Mannschaft erlebt“, lobte Petkovic. In seinem inzwischen siebten EHF-Pokalfinale will er nun unbedingt den Titel holen.