Handball

Füchse sind am Limit

Füchse-Stars Koch und Heinevetter sehen vorm Europacup-Finale Wettbewerbsverzerrung wegen Überbelastung.

Der Däne Johan Koch rackert für die Füchse am Kreis, doch der Kraftverschleiß ist spürbar hoch

Der Däne Johan Koch rackert für die Füchse am Kreis, doch der Kraftverschleiß ist spürbar hoch

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin. Johan Koch hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Nach dem 25:24-Sieg gegen Hannover-Burgdorf stand der Kreisläufer der Füchse Berlin noch lange in den Katakomben der Schmeling-Halle. „Wir waren tot“, sagte der Däne beim Versuch, die letzten zehn Minuten zu erklären, in denen den Füchsen nur mit Mühe noch der eine Treffer zum Sieg gelungen war. Mit den kräftezehrenden Partien gegen die Rhein-Neckar Löwen (Sonntag) und Hannover (Donnerstag) in den Knochen, haben die Berliner sich auf die Reise nach Magdeburg begeben, wo sie am Wochenende den europäischen Handballpokal gewinnen wollen.

Das erste Hindernis auf diesem Weg ist heute Halbfinalgegner Göppingen (17 Uhr, Livestream bei rbb24.de). „Göppingen hatte neun Tage Zeit, sich auf uns vorzubereiten, während wir vermutlich im Whirlpool mal eben ein Video schauen“, sagt Koch. Die Süddeutschen hatten ihr letztes Spiel am 10. Mai. „Das ist schon eine kleine Wettbewerbsverzerrung“, findet Nationaltorhüter Silvio Heinevetter.

Frankreich lässt seine Klubs für den Europacup pausieren

So wie den Füchsen ergeht es auch Ausrichter Magdeburg, der Donnerstagabend noch gegen Hüttenberg spielte und am Sonnabend auf den französischen Klub St. Raphael trifft (14.15 Uhr, MDR). „Es kann nicht sein, dass Magdeburg und Berlin 48 Stunden nach einem Ligaspiel das wichtigste Spiel auf europäischem Spitzenniveau bestreiten müssen“, kritisiert der deutsche Nationalspieler Dominik Klein. „Da fehlt die Wertigkeit und der Respekt dem gegenüber, dass die Spieler auch Zeit für Regenration brauchen.“

Klein steht mit seinem Klub HBC Nantes zum ersten Mal im Final Four der Champions-League, das am 26./27. Mai in Köln ausgetragen wird. Er bekommt Gänsehaut, wenn er daran denkt. „Das sind die Emotionen, die so ein Turnier überhaupt erst ausmachen“, sagt Klein, der mit dem THW Kiel dreimal die Champions League gewann (2007, 2010, 2012). Bei einem zu engen Terminplan gehen die Gefühle verloren, die den Sport ausmachen, fürchtet er. Mit Nantes, Montpellier und Paris St. Germain sind in diesem Jahr gleich drei französische Klubs im Finalturnier der Königsklasse vertreten. Dazu gesellt sich der mazedonische Meister und Titelverteidiger Vardar Skopje. Wie schon im Vorjahr hat es kein deutscher Vertreter ins Final Four geschafft. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Seit der Reform 2015 werden allein in der Gruppenphase der Champions League 14 Partien ausgetragen. Die deutschen Klubs haben in der Kombination mit der Liga alle drei Tage ein Spiel. „Das funktioniert auf Spitzenniveau nicht“, sagt Klein.

Während die Teams hierzulande jede Woche harte Gegner in der Bundesliga bekämpfen, haben Veszprem, Skopje oder Barcelona kaum Konkurrenz. Der große Gewinner ist aktuell Frankreich. So ist die Entwicklung einerseits auf gute Jugendarbeit und die staatliche Unterstützung der Sportvereine zurückzuführen. Darüber hinaus profitieren die Franzosen von ihrer Liga. Die Topklubs haben dort zwar auch Herausforderungen, aber insgesamt ein entspannteres Programm als die Deutschen, da ihre Star Ligue nur aus 14 Teams besteht.

So werden in Frankreich zwischen den Hin- und Rückspielen im Viertelfinale der Champions League keine Ligaspiele ausgetragen, um Erfolge dort nicht zu gefährden. „Es ist etwas anderes, wenn man 26 Spieltage unterbringen muss oder 34“, sagt Klein. „Ich hab großen Respekt vor den Leuten, die das planen müssen. Fakt ist aber, dass wir eine Sportart haben wollen, die erfolgreich ist und Leidenschaft zeigt. Wenn das auf Kosten der Spieler geht und auch der Vereine, dass wir die europäischen Titel nicht mehr nach Deutschland holen können, wäre das schade.“

Die Idee von einer Verkleinerung der Bundesliga ist bislang nicht mehrheitsfähig. Und den EHF-Pokal dominieren die Deutschen ja, weil ihre Basis breiter ist. Während Länder wie Spanien, Ungarn oder Mazedonien nur ein oder zwei Spitzenklubs haben, sind in Deutschland mindestens fünf bis sechs Teams auf Augenhöhe, so dass es einen qualitativen Unterschied auf der zweiten europäischen Ebene gibt. Mit Magdeburg und den Füchsen stehen dort ja zwei Teams im Halbfinale, die daheim rein rechnerisch noch Chancen auf die Meisterschaft haben sowie auf die Qualifikation für die Champions League. Einzig Göppingen fällt als Bundesligazehnter etwas aus dem Rahmen. Dafür können die Süddeutschen den Europapokal nun zum dritten Mal in Folge gewinnen, was ein Novum wäre. In Göppingen liegt der Fokus in dieser Saison mehr auf dem Europapokal als auf der Liga. Es scheint, als müsse man sich bei dem Pensum im deutschen Handball für einen Wettbewerb entscheiden. Torwart Heinevetter fürchtet deswegen, dass seinen Berlinern in den wichtigsten Wochen der Saison der Sprit ausgeht: „Drei Spiele in vier Tagen kann man mit unserem Kader kaum gewinnen.“

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