Handball

Füchse beißen Löwen weg

Berliner gewinnen dezimiert gegen den Meister aus Mannheim, Heinevetter ist mit 20 Paraden der beste Mann.

Glückliche Sieger: Jakov Gojun, Silvio Heinevetter, Paul Drux und Fabian Wiede (v.l.) bedanken sich beim Publikum

Glückliche Sieger: Jakov Gojun, Silvio Heinevetter, Paul Drux und Fabian Wiede (v.l.) bedanken sich beim Publikum

Foto: imago sport / imago/Camera 4

Berlin.  Der Ansturm auf Silvio Heinevetter wollte nicht abreißen. Hier noch ein Autogramm, da ein Foto, der Torhüter der Füchse Berlin war eine halbe Stunde nach Spielende noch immer von einer Traube von Fans umringt. Heinevetter war der Held des Abends. Mit 20 Paraden, davon drei gehaltenen Siebenmetern, hatte der deutsche Nationaltorhüter seiner Mannschaft den nötigen Rückhalt für den überraschenden Sieg gegen den deutschen Handball-Meister gegeben. 29:23 (12:11) gewannen die Füchse die Partie gegen die Rhein-Neckar Löwen, die der Bezeichnung „Topspiel der Woche“ absolut würdig war.

„Das war eines der besten Spiele, das ich von unserer Mannschaft in den vergangenen zwölf Jahren in der Bundesliga gesehen habe“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Trainer Velimir Petkovic war außer sich vor Freude. „Wir haben gerade gegen die beste Mannschaft der Liga gewonnen, und zwar nicht mit Glück und einem Tor Vorsprung, sondern mit sechs Toren Unterschied“, betonte er. Vielmehr wolle er dazu nicht sagen, fügte er an, sondern lieber mit seinen Spielern in der Kabine feiern.

Die Kabinenparty hatten sich die Berliner redlich verdient, die durch den Sieg und die zwei Punkte auf Rang drei geklettert sind. Irgendwie erinnerte die Partie an die Begegnung der beiden Teams vor ziemlich genau zwei Jahren: Am 9. Mai 2016 kamen die Löwen schon einmal als Tabellenführer und Anwärter auf die Meisterschaft nach Berlin. Auch damals prognostizierten die Füchse aufgrund von Verletzungssorgen keinen erfolgreichen Verlauf der Partie. Am Ende gewannen sie 24:20. „Ich gebe zu, ich habe wieder nicht dran geglaubt“, gab Hanning zu. „Und dann sind wir über uns hinausgewachsen, man hat einfach gemerkt: Die Mannschaft wollte das gewinnen.“

Mit einer aggressiven Deckung setzten die Füchse den Tabellenführer aus Mannheim von Beginn an unter Druck. Gleich in der zweiten Minute parierte Silvio Heinevetter einen Wurf von Kim Ekdahl du Rietz. Der Löwen-Star, der seine Handballkarriere eigentlich beendet hatte, jetzt aushilft und in der kommenden Saison zum französischen Spitzenklub Paris St. Germain wechselt, kam bis zum Ende des Spiels nicht über eine Wurfquote von 28 Prozent hinaus. Gleiches galt für Andy Schmid. Der beste Rückraumregisseur der Liga fand nicht zu seiner Form. Mal mopste Kevin Struck, mal Drago Vukovic den Ball aus den Reihen der Löwen. Zwischen Spielminute fünf und zwölf gelang dem gerade gekürten Pokalsieger kein Tor. Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen nahm seine erste Auszeit bereits nach acht Minuten (2:3) und fragte sein Team: „Seid ihr da?“

Fäth muss verletzt vom Feld und kehrt nicht zurück

Zunächst zeigte seine Ansprache wenig Wirkung. Die Füchse agierten souverän, bis Steffen Fäth in der 19. Minute (9:6) verletzt zu Boden sank. Ekdahl du Rietz war nach seinen erfolglosen Versuchen, den Ball im Tor unterzubringen, rücksichtslos in die Füchse-Abwehr gestürzt und in Fäths linkem Knie gelandet. Der beste Werfer der Berliner, der in der kommenden Saison zu den Löwen wechselt, verließ das Feld und konnte nicht mehr zurückkehren. Eine Untersuchung am Montag soll Klarheit über die Verletzung geben.

In der Folge kämpften sich die Löwen wieder heran (11:11/29.). Die Mannheimer wollen unbedingt vor Ende des letzten Spieltages auch die Meisterschaft und für sich entscheiden. Dafür war ein Sieg in Berlin unabdingbar. Was die 9000 Zuschauer in der ausverkauften Halle dann aber sahen, war eine Füchse-Mannschaft, die in allen Bereichen über sich hinauswuchs: Paul Drux ersetzte Fäth und zog gemeinsam mit Wiede ein derart temporeiches Spiel auf, das die Löwen immer wieder frustriert dem Ball nachschauen ließ.

„Meine Mannschaft hat überragend gespielt und hatte auf alles eine Antwort“, fasste Petkovic zusammen. Als Heinevetter in der 39. Minute den dritten Strafwurf der Gäste parierte, hielt es keinen Zuschauer mehr auf seinem Sitz (19:15). „Wenn du merkst, dass die Halle hinter dir steht und so eine geile Stimmung macht, kommen die Emotionen von ganz allein“, sagte Heinevetter. „Wir wissen, dass wir eine schwierige Zeit haben mit wenig Leuten und viele Spielen. Das ist gefährlich, aber auch eine große Chance.“

Auf die Füchse wartet mit dem Heimspiel am Donnerstag gegen Hannover (19 Uhr, Schmeling-Halle) und dem Final Four im Europapokal ein straffes Programm. „Diese Leistung heute macht mir aber Hoffnung, dass wir den Schwung mitnehmen können“, sagte Hanning. „Wir können noch Fünfter werden oder auch Erster“, fasste Petkovic zusammen.

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