Handball

Füchse unterliegen THW Kiel im Kampf um Platz drei

Die Füchse Berlin sind im Duell um Platz drei mit 28:32 der Liga Rekordmeister THW Kiel erlegen.

 Kiels Rune Dahmke (r,), Berlins Steffen Fäth, Kiels Ilja Brozovic und Kiels Patrick Wiencek kämpfen um den Ball

Kiels Rune Dahmke (r,), Berlins Steffen Fäth, Kiels Ilja Brozovic und Kiels Patrick Wiencek kämpfen um den Ball

Foto: dpa Picture-Alliance / Axel Heimken / picture alliance / Axel Heimken/

Zwölf Minuten vor Spielende hatten die Füchse ihre Chance. Handball-Nationalspieler Steffen Weinhold beging ein Stürmerfoul. Die Füchse Berlin waren in Ballbesitz. Doch anstatt in der Bundesliga-Partie gegen den THW Kiel auf 24:25 zu verkürzen, band sich Petar Nenadic erst einmal so lange den Schuh neu, bis das Schiedsrichtergespann ihn vom Feld schickte. Berlin fehlte für den nächsten Angriff der gefährlichste Schütze, Steffen Fäth verwarf und Bjarki Elisson holte sich zeitgleich eine Zwei-Minuten-Strafe ab.

Diese Szene war der Beginn einer Phase, die sich seitens der Füchse wohl am ehesten als Verkettung unglücklicher Umstände beschreiben lässt: Abwehrchef Jakov Gojun kassierte seine dritte Zwei-Minuten-Strafe, was seine Disqualifikation bedeutete, Ersatzmann Drasko Nenadic musste kurz darauf ebenfalls für zwei Minuten auf die Bank, gefolgt von seinem Bruder Petar, der mit der Schiedsrichterentscheidung nicht einverstanden war.

Als auch noch Füchse-Trainer Velimir Petkovic in die Schimpftirade einstimmte, nachdem er einen Ball auf Kieler Seite im Aus gesehen hatte, spielten die Füchse nur noch mit drei Feldspielern gegen den THW. So kann man gegen den Rekordmeister von der Förde nicht gewinnen. Am Ende siegte Kiel 32:28 (18:15) vor 10.285 Zuschauern in der heimischen Arena und festigte den dritten Tabellenplatz, der die Champions League weiterhin erreichbar macht. Gleichzeitig vergrößerte das Team von Trainer Alfred Gislason den Abstand auf die Füchse auf drei Zähler.

Dabei hatten die Füchse stark begonnen. Sie spielten aggressiver, aufmerksamer und überlegter als der THW und erarbeiteten sich so innerhalb der ersten zehn Minuten einen Vorsprung von drei Toren (6:3). Die Deckung, die Trainer Petkovic in der vergangenen Woche noch einmal intensiver trainiert hatte, stand gut. Dahinter parierte Torhüter Silvio Heinevetter in Bestform. Das Duell gegen seinen Nationalteamkollegen Andreas Wolff gewann er mit 16:15 Paraden. Das nützt ihm aber am Ende wenig, denn im Angriff unterliefen den Füchsen einfach zu viele Fehler. Durch technische Fehler und Missverständnisse luden sie den Gastgeber immer wieder zu Gegenstößen ein, die der THW zu nutzen verstand. Nach 17 Minuten war der Vorsprung dahin (9:9), weitere zehn Minuten später lagen die Kieler zum ersten Mal mit drei Toren vorn (17:14). "Wir hätten nicht mir einem Rückstand in die Pause gehen dürfen", sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Die zweite Hälfte gestaltete sich dann sehr ausgeglichen, bis zu dem Moment, in dem die Füchse das Spiel durch unglückliche Aktionen aus der Hand gaben. "Mit diesen Schiris war es echt schwierig in Kiel", klagte Petkovic. "Besonders kurz vor Schluss, als wir die drei Zeitstrafen bekommen haben. Das war dann leider die Entscheidung." Die eine oder andere Schiedsrichterentscheidung der bis zur Schlussphase souverän auftretenden Brüder Andreas und Marcus Pritschow muss durchaus fragwürdig genannt werden, die Niederlage aber haben die Füchse sich selbst zuzuschreiben.

Sorgen um Nenadic vor dem Final Four in Göppingen

Die Chance, den THW zu besiegen, war so groß wie vielleicht noch nie. Das hatte Füchse-Kapitän Petr Stochl vor der Partie gesagt. Und tatsächlich war dem Rekordmeister nach dem Ausscheiden in der Champions League und der verpassten Meisterschaft eine gewisse Nervosität anzumerken. Die Füchse aber nutzten diese Schwäche nicht. Auch weil abgesehen von Petar Nenadic (8 Tore) aus dem Rückraum die Durchschlagskraft fehlte. "So einen Sieg in Kiel musst du erzwingen, wir sind wohl noch nicht so weit, aber auch nicht so weit weg", sagte Hanning.

Zumindest seine B-Jugend hat am Sonntag gewonnen und steht damit im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Dieser positiven Nachricht folgte aber auch noch eine schlechte, denn ausgerechnet Nenadic verletzte sich drei Minuten vor Spielende am linken Sprunggelenk. In dieser wichtigen Saisonphase wäre ein Ausfall des Rückraumspielers für die Füchse schlimm.

Fünf Ligaspiele stehen noch aus, um den ersehnten dritten Tabellenplatz doch zu erreichen, ganz zu schweigen vom Finale um den europäischen Pokal am kommenden Wochenende. Wenige Minuten nach Spielende gab Petkovic Entwarnung: Der Knöchel von Petar Nenadic sehe nicht allzu dick aus, was die Hoffnung auf einen Einsatz des Topscorers im EHF-Final-Four erhöhe. Auf dem liegt nach dieser Niederlage der Fokus der Füchse.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.