Handball

Füchse verpassen den Sieg gegen Rhein-Neckar-Löwen

30:30 gegen den deutschen Handball-Meister Rhein-Neckar-Löwen: Das war für die Füchse am Sonntag zu wenig.

 Torhüter Silvio Heinevetter (l.) und Petar Nenadic (r.) aus Berlin beschweren sich bei Schiedrichter Sascha Wild nach dem Abpfiff

Torhüter Silvio Heinevetter (l.) und Petar Nenadic (r.) aus Berlin beschweren sich bei Schiedrichter Sascha Wild nach dem Abpfiff

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Vielleicht hätte Velimir Petkovic sich beherrscht. Der Trainer der Füchse Berlin saß nach dem Bundesligaspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen mit gesenkten Kopf im Presseraum und atmete tief durch. Dann aber sagte Gäste-Trainer Nicolaj Jacobsen: "Zum Schluss hätten wir vielleicht zwei Punkte bekommen können."

Petkovic verlor die Fassung. "Meine Mannschaft hat 60 Minuten besser Handball gespielt", polterte der 60-Jährige. "Die Löwen haben geschenkt bekommen, hier beinahe noch zu gewinnen." 30:30 (16:12) endete die hochklassige Partie zwischen dem Deutschen Meister und den Füchsen. Was die Emotionen des Füchse-Trainers so hochkochen ließ, war eine Entscheidung der Schiedsrichter in der letzten Spielminute: Zunächst bekamen die Füchse nach dem letzten Angriff durch Petar Nenadic keinen Freiwurf, dann wurde auch die von Petkovic beantragte Auszeit abgelehnt, obwohl der Pfiff angeblich bereits ertönt war. "Das letzte Ding war ein Freiwurf", regte sich Torhüter Silvio Heinevetter auf.

Nenadic stürmte wutentbrannt vom Feld: "Immer, wenn wir ein Spiel gegen so eine große Mannschaft spielen, haben wir so eine Schiedsrichterkatastrophe", monierte er. Bob Hanning konnte den Ärger nachvollziehen, in Flensburg hatten die Füchse nach einer starken Leistung mit einem Tor verloren, auch da waren die Schiedsrichter Thema. Der Füchse-Geschäftsführer wollte sich aber auf das Positive konzentrieren: "Das war heute die beste Saisonleistung unserer Mannschaft."

Etwa eine Stunde zuvor waren die Rollen andersherum verteilt, da tobte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen mit hochroten Kopf über das Parkett und brüllte seine Spieler an. 2:5 lagen die Löwen zehn Minuten nach Spielbeginn zurück gegen eine Füchse-Mannschaft, der man anmerkte, dass sie sich vorgenommen hatte, an diesem Sonntag zu gewinnen.

Die Berliner starteten mit viel Selbstvertrauen und legten dabei ein Tempo vor, das die Rhein-Neckar Löwen schlicht überforderte. In der Abwehr bildeten die Gastgeber ein Massiv, das die Mannheimer zunächst verzweifeln ließ und die 9000 Zuschauer in der ausverkaufen Halle zu Szenenapplaus animierte. Dahinter agierte ein hervorragend aufgelegter Heinevetter, der es allein in der ersten Hälfte auf 15 Paraden brachte und immer wieder mit flinken Pässen für erfolgreiche Angriffe aus der ersten Welle sorgte.

Auch im Positionsangriff glänzten die Berliner, dabei tat sich vor allem Kent Tönnesen hervor, der sich bei am Ende bei neun Treffern nur einen Fehlwurf erlaubte. "Berlin war in der ersten Hälfte mit Abstand die bessere Mannschaft, wir hatten Glück, dass wir nur mit vier Toren minus in die Halbzeit gegangen sind", sagte Jacobsen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte konnten die Füchse ihr hohes Tempo noch halten und spielten sich sogar einen Vorsprung von fünf Toren heraus (23:18/40.). Dann aber kassierte Kresimir Kozina für ein Foul gegen Patrick Groetzki die Rote Karte. Fortan mussten die Berliner ohne den Kroaten auskommen, der in Abwehr und Angriff ein wichtiger Baustein war. "Ich bin ausgerutscht, zwei Minuten hätten dafür auch gereicht", fand Kozina.

Langsam machte sich das hohe Tempo in den Körpern der Spieler bemerkbar. Auch hatten die Löwen die Deckung auf eine offensivere 5:1-Variante umgestellt und bereiteten den Füchsen nun ihrerseits Probleme. Trotzdem gelang es den Berlinern, die Oberhand zu behalten, bis die Gäste zwischen Minute 54 und 56 drei Strafwürfe erhielten, die Gudjon Valur Sigurdsson (10/7) zum Ausgleich verwandelte. "Das waren am Ende viele Sieben-Meter für die Löwen", sagte Paul Drux. "Die waren aber berechtigt, weil wir einfach falsch standen."

Drux sieht die Schuld nicht bei den Schiedsrichtern

Den Grund für das Unentschieden sah der 22-Jährige nicht bei den Schiedsrichtern: "Am Schluss waren wir platt, da hat die Abwehr nicht mehr so gut funktioniert." Auch hatte Kreisläufer Ignazio Jimenez zwei Minuten vor Schluss die Chance, den Vorsprung auf zwei Tore auszubauen, traf aber den Pfosten. "Wir werden weiter so hart arbeiten, eine gute Deckung spielen und versuchen, noch besser im Angriff zu sein", sagte ein etwas besänftigter Petkovic. Donnerstag schon steht das nächste Spiel beim HC Erlangen an.

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