Handball

Laens Rückkehr mit großen Gefühlen

Der ehemalige Füchse-Kapitän Torsten Laen kämpft mit dem dänischem Topklub GOG gegen Berlin um den Gruppensieg im EHF-Cup.

Das waren noch leckere Zeiten: Torsten Laen als Fuchs

Das waren noch leckere Zeiten: Torsten Laen als Fuchs

Foto: dpa Picture-Alliance / Revierfoto / picture alliance / dpa

Berlin.  Torsten Laen ringt nach Worten. "So ist das manchmal, wenn man so lange kein Deutsch spricht", sagt der dänische Handballer lachend. Von 2009 bis 2013 stand der 1,98 Meter große Kreisläufer bei den Füchsen Berlin unter Vertrag. Als Kapitän führte er das Team auf die oberen Tabellenplätze der Bundesliga und ins Final Four der Champions League. Durch seine Leistung und seine aufrichtige Art hat er die Philosophie des Vereins geprägt und noch immer viele Anhänger unter den Füchse-Fans: "Ein durch und durch sympathischer Spieler, auf den man sich nur freuen kann", schreibt ein Berliner Fan im Füchse-Forum.

Nur Heinevetter und Stochl sind noch übrig

An diesem Mittwoch kehrt Torsten Laen in die Max-Schmeling-Halle zurück. Wenn er mit seinem Klub GOG Handbold aus Gudme um 19 Uhr im Gruppenspiel des EHF-Cups gegen die Füchse antritt, erlebt der 37-Jährige sein erstes Gastspiel im Fuchsbau. "Ich muss aufpassen, dass ich nicht aus Versehen nach rechts in die Kabine der Heimmannschaft abbiege", sagt er.

Seit seinem Abschied 2013 hat sich viel verändert bei den Füchsen. Aus dem damaligen Team sind nur noch die beiden Torhüter Petr Stochl und Silvio Heinevetter vertreten. "So ist das im Profi-Handball", weiß Laen. Auch er ist weitergegangen. Zuerst zum KIF Kolding/Kopenhagen, mit dem er 2014 und 2015 die dänische Meisterschaft gewann und in der Champions League spielte. Im vergangenen Jahr kehrte er zu seinem Heimatverein GOG zurück, bei dem er auch die ersten zehn Jahre seiner Zeit als Profi verbracht hatte. "Dieser Verein bedeutet viel für mich, ich habe immer gehofft, hier noch einmal spielen zu können", sagt Laen.

Hanning wollte den Dänen 2016 noch einmal verpflichten

Dass er mit 37 Jahren noch immer auf der körperlich extrem belastenden Position des Kreisläufers spielen kann, ist nicht selbstverständlich. "Ich gehöre zur ersten Generation von Spielern in Dänemark, die sich schon früh voll auf den Sport konzentrieren konnten", erklärt Laen. Seine Vorgänger sind teilweise Vollzeitjobs nachgegangen, Laen aber konnte von dem Sport leben und somit viel Zeit in die Regeneration investieren.

Geholfen hat ihm dabei auch der Wechsel in seine Heimat. "Nach den Jahren in Berlin war ich sehr müde", gibt er zu. "In Dänemark muss ich weniger reisen und habe in der Liga nicht so viele harte Spiele." Deshalb hat er auch 2016 das Angebot von Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning ausgeschlagen, die Füchse noch einmal für eine Saison zu unterstützen. Erst nach Laens Absage holte Hanning dann Kresimir Kozina.

Lieber die Zeit mit seinen drei Kindern genießen

"Dennoch merke ich, dass langsam meine Zeit kommt, tschüss zu sagen", sagt Laen. Bis 2018 läuft sein Vertrag mit GOG. Was danach kommt, ist offen. Mit einem Bachelor in Sport und einem Master in Betriebswirtschaftslehre hat er viele Möglichkeiten, auch im Handball. Schon vor fünf Jahren sagte er aber: "Ich werde mit Sicherheit kein Dagur Sigurdsson oder Bob Hanning." Unter den Handball will der Däne nach 21 Jahren Profisport einen Schlussstrich ziehen. In seiner alten Heimat Odense hat die Familie sich Anfang des Jahres ein Haus gekauft. Dort möchte Laen einem "ganz normalen Job" nachgehen und die Wochenenden mit seiner Frau und den drei Kindern Alfred (6), Sophie (4) und Anton (1) genießen.

Bis es aber so weit ist, genießt er ebenso die Zeit, die ihm noch auf dem Handballparkett bleibt, vor allem auf dem internationalen. Als er Kolding 2016 verließ, dachte er nicht, dass er noch einmal europäisch spielen würde, verrät er. Sein alter Klub GOG, der momentan vor Kolding (Platz sieben) auf Rang fünf der dänischen Liga rangiert, hatte sich aber überraschend für den Wettbewerb qualifiziert, in dem Laen nun auf die Füchse trifft.

Aus der dritten Liga wieder hochgearbeitet

"Das wird so etwas wie das kleine Finale im Pool A", glaubt er. GOG führt die Gruppe nach zwei Siegen gegen Ribnica und St. Rafael derzeit vor den Füchsen an, die ebenfalls gegen beide Teams gewonnen haben. 2010 hatte der Klub, der damals noch GO Gudme Svendborg TGI hieß, Konkurs angemeldet. Gudme war unter der finanziellen Last nach der Wirtschaftskrise 2007/08 zusammengebrochen. Laen war bereits 2007 zu BM Ciudad Real gewechselt. Dort gewann er zweimal die spanische Meisterschaft und die Champions League. Sein Heimatverein arbeitete sich währenddessen als GOG Handbold von der dritten Liga wieder hoch und spielt nun zum ersten Mal seit 2010 wieder europäisch.

"Es ist schon irgendwie verrückt, dass wir jetzt ausgerechnet auf die Füchse treffen", findet Laen. Mit Ciudad Real begegnete er GO Gudme 2008 in der Champions League, als er bei den Füchsen unter Vertrag stand, traf er 2011 ebenfalls in der Königsklasse auf die inzwischen als Atlético Madrid umfirmierten Spanier – und nun kehrt er mit dem dänischen Klub in seine alte Heimat Berlin zurück. In dem Moment fällt ihm auch die Formulierung wieder ein, die er zuvor gesucht hatte: "Jetzt schließt sich der Kreis", sagt Laen.

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