Handball

"Dagur hat eine Mannschaft vorbereitet, auf die ich Lust habe"

Der neue Handball-Bundestrainer Christian Prokop spricht im Morgenpost-Interview über die Erfolge seines Vorgängers und das Ziel Olympiagold.

Dagur Sigurdsson (r.) führte die deutschen Handballer zurück auf den Erfolgsweg. Christian Prokop will ihn weitergehen

Dagur Sigurdsson (r.) führte die deutschen Handballer zurück auf den Erfolgsweg. Christian Prokop will ihn weitergehen

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Leipzig.  Christian Prokop musste seine Karriere als Handballspieler verletzungsbedingt schon mit 22 Jahren beenden und wechselte auf die Trainerbank. Auch diesem Umstand ist es zu verdanken, dass der heute 38-Jährige sich zu einem Top-Trainer entwickelt hat, der sich der Aufgabe gewachsen sieht, die deutsche Nationalmannschaft zu weiteren Erfolgen zu führen.

Herr Prokop, als Sie am Freitag aufgewacht sind, war Ihnen da klar, wie dieser Tag laufen würde?

Christian Prokop: Ehrlich gesagt nicht. Ich freue mich, dass es zu einer Einigung gekommen ist zwischen dem Deutschen Handballbund und meinem Verein SC DHfK Leipzig.

Sie sind offiziell ab 1. Juli Handball-Bundestrainer, wie groß ist die Erleichterung, dass es endlich entschieden ist?

Ich bin sehr erleichtert und freue mich auf die neue Aufgabe. Wer das verfolgt hat, hat aber auch gemerkt, wie sehr ich an Leipzig hänge. Das ist kein Vereinswechsel, sondern eine Chance, die vielleicht einmalig ist. Dass ich überhaupt im engeren Kandidatenkreis war, habe ich dem DHfK zu verdanken. Wir haben mit tollem Handball auf uns aufmerksam gemacht.

Wie wollen Sie die Nachfolge von Dagur Sigurdsson antreten?

Nach dem, was Dagur geleistet hat, sind es große Fußstapfen, die es zu füllen gilt. Ich traue mir das aber zu. Die Philosophie der Bad Boys weist mit der des DHfK Ähnlichkeiten auf, das ist auch ein Grund, warum der DHB sich für mich interessiert hat. Ich werde den Teufel tun, hier vieles umzuwerfen.

Ihr Vertrag läuft bis 2022, ohne Ausstiegsklausel, Ihr Wunsch oder der des DHB?

Die fünf Jahre waren ein beidseitiger Wunsch. Ich empfinde das auch als wichtiges Zeichen, das Ganze nicht als kurzfristig angelegten Versuch zu sehen.

Mit einer WM-Medaille 2019 und Olympiagold 2020 hat der Verband hohe Ziele formuliert, setzt Sie das unter Druck?

Das sind sehr ambitionierte Ziele. Die Art und Weise, wie die Spieler auftreten, macht mir aber Mut. Dagur hat hier eine Mannschaft vorbereitet, auf die man einfach Lust hat, und ich hoffe, dass ich diese Entwicklung weiter vorantreiben und die Ziele erreichen kann. Man hat aber auch beim letzten Turnier gesehen, dass nicht nur taktisches Können und eine erfolgreiche Grundausrichtung erfolgsentscheidend sind, sondern viele Dinge zusammenpassen müssen. Man braucht auch eine Portion Glück in Zukunft.

Wie man die deutschen Handballer besiegt, haben Sie ja mit dem Allstar Team beim 40:36 am Freitag bewiesen, zufrieden?

Mir war wichtig, dass ich gegen meine zukünftigen eventuellen Co-Trainer nicht verliere, und das hat die Mannschaft umgesetzt (lacht).

Axel Kromer soll zukünftig Sportdirektor werden, steht schon fest, ob sie Alex Haase als Assistenztrainer behalten?

Ich bin froh, dass jetzt erst einmal die Entscheidung für mich als Bundestrainer gefallen ist. Nun werden wir erst mal sehen, dass ich mit Leipzig eine erfolgreiche Rückrunde spiele. Wir haben noch ein Highlight in Hamburg beim Final Four um den Pokal vor uns. Und wenn das gut läuft, besteht die Möglichkeit, dass ich die EM-Qualifikationsspiele im Mai schon mache. Da kann man sich dann ein Bild machen vom Trainerteam und der Mannschaft.

Haben Sie die Handynummer von Dagur Sigurdsson, falls Sie einen Tipp bräuchten?

Die hab ich, die hatte ich aber auch schon vor längerer Zeit. Ich hoffe auch, dass wir noch einmal in den Austausch kommen.

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