Handball

Heinevetter für immer ein Fuchs

Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter hat seinen Vertrag bei den Füchsen Berlin vorzeitig bis 2020 verlängert.

Starke Saison: Torwart Silvio Heinevetter

Starke Saison: Torwart Silvio Heinevetter

Foto: imago sport / imago/Christian Schroedter

Berlin.  Wenn alle Vertragsverhandlungen so einfach wären wie die mit Silvio Heinevetter, hätte Bob Hanning viel Zeit, sich um die Weihnachtsvorbereitungen zu kümmern. "Mit ihm ist das immer am unkompliziertesten", sagt der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, "das war dieses Mal eine Sache von drei Minuten."

Ursprünglich lief der Kontrakt noch bis 2018

Das Ergebnis kann er den Berliner Fans nun als verfrühtes Weihnachtsgeschenk präsentieren: Silvio Heinevetter hat seinen Vertrag, der ursprünglich 2018 auslief, vorzeitig bis 2020 verlängert. "Berlin ist die beste Option für mich", sagt der 32-jährige National-Torhüter. "Ich wollte auch gar nicht zocken, es war sehr unkompliziert."

Heinevetter ist nicht der Typ, der nun anfangen würde, in blumigen Worten die Vereinsleitbilder herunterzubeten oder ein Loblied auf die deutsche Hauptstadt zu singen, in der er sich seit 2009 mit Lebenspartnerin Simone Thomalla ein Zuhause geschaffen hat. Er lässt lieber seine Taten sprechen. "Ich würde nicht seit sieben Jahren bei den Füchsen spielen, wenn ich mich nicht damit identifizieren würde", sagt er. Seit er 2009 als 24-Jähriger vom SC Magdeburg nach Berlin kam, hat er an der Vereinsgeschichte des Klubs mitgeschrieben, trug einen entscheidenden Teil dazu bei, dass die Füchse sich zu einem Bundesliga-Spitzenteam entwickelten, zog ins Final Four der Champions League ein, gewann den DHB-Pokal, den EHF-Cup und zweimal sogar die Vereinsweltmeisterschaft.

Schon seit sieben Jahren ein Erfolgsduo mit Stochl

Inzwischen gibt es nur noch einen Spieler, der länger bei den Füchsen ist als er: Torhüterkollege Petr Stochl. "Petr gehört zum Vereinsinventar", sagt Heinevetter über den Tschechen, der seit 2006 das Trikot der Füchse trägt. Sieben Jahre hüten sie schon gemeinsam das Berliner Tor, das ist im schnelllebigen Geschäft des Profisports außergewöhnlich. "Das ist wirklich nicht normal", sagt Heinevetter. "Das geht nur, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet und gegenseitig schätzt." Aktuell kann er sich nicht vorstellen, noch einmal mit einen anderen Schlussmann das Füchse-Tor zu teilen. Es wird aber so kommen, denn der Vertrag mit dem 40-jährigen Stochl läuft nur noch bis 2018. "Dann ist Schluss, wir müssen uns langsam um einen Nachfolger für ihn kümmern", sagt Hanning.

Heinevetter möchte darüber lieber nicht nachdenken. "Ich schätze Petr sehr, wir verstehen uns richtig gut, von daher ist es für mich schwer vorstellbar, dass er mal nicht mehr mit mir zusammenspielt." Auch er kann sich vorstellen, bei den Füchsen in Rente zu gehen. "Ich habe Silvio immer gesagt, dass er hier einen Rentenvertrag haben kann, wenn die Leistung stimmt", sagt Hanning. Doch noch ist es nicht so weit – weder für ihn noch für Stochl, der zuetzt gegen Melsungen einmal mehr beweis, wie wertvoll er ist.

Wiede spielt gegen Lemgo letztmals vor seiner Operation

Wie schon öfter in dieser Saison waren die Berliner in hohen Rückstand geraten, kämpften sich aber unter großer Kraftanstrengung ins Spiel zurück. Den 33:31-Sieg hielt dann Stochl fest, der am Ende der zweiten Halbzeit für Heinevetter kam. Die Schlussmänner bilden nicht nur im Hinblick auf ihre lange Vereinszugehörigkeit die Konstante im Füchse-Team. Während sie bislang in jeder Partie eine solide Leistung zeigten, ist der Rest eher schwankend unterwegs. Viel zu oft landen die Bälle in der Aufbaubewegung beim Gegner. Erklären kann sich Heinevetter das auch nicht. "Wir wissen, dass irgendwie Sand im Getriebe ist", sagt er. Bislang ist es dem Team aber immer gelungen, die Punkte zu retten.

Das wird in Zukunft nicht einfacher. Das Heimspiel am Sonntag gegen TBV Lemgo (15 Uhr, Schmelinghalle) wird vorerst das letzte für Fabian Wiede sein. Der 22-Jährige unterzieht sich am Montag einer Operation an seiner linken Schulter, die ihn schon seit Saisonbeginn schmerzt. "Das ist ein herber Verlust", sagt Heinevetter. "Selbst auf einen Fabi, der nicht mehr hundertprozentig werfen konnte, war spielerisch und als Ideengeber stets Verlass." Anfang nächsten Jahres kehrt voraussichtlich Kent Robin Tönnesen zurück, der nach einem komplizierten Eingriff an der Wade seit Ende September pausierte.

Von Reißky ist noch einiges zu erwarten

Der Norweger, der gerade Vater geworden ist, wird aber Zeit brauchen, genau wie der 21-jährige Christoph Reißky, der seine erste Bundesligasaison spielt. "Ich glaube, dass der noch einiges mehr kann, als er bislang zeigt", prophezeit Heinevetter. Dennoch muss Hanning sich Gedanken machen, ob er sich für die Rückrunde nicht doch einen weiteren Rückraumspieler zulegt, da Drago Vukovic ebenfalls an der Schulter operiert werden muss. "Wir sondieren gerade den Markt", sagt er. Es kann ja auch nicht alles so einfach sein wie mit Silvio Heinevetter.

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