Handball

„Die Füchse machen einen super Job“

Der Bierhoff des Handballs: Oliver Roggisch lobt Berlins Entwicklung, ein Spieler interessiert ihn ganz besonders vor dem Duell am Sonntag.

Oliver Roggisch (l.) ist Sportchef der Löwen

Oliver Roggisch (l.) ist Sportchef der Löwen

Foto: pa/dpa / BM

Berlin.  16 Jahre lange stand Oliver Roggisch (38) auf dem Handball-Parkett. Sieben Jahre spielte er für die Rhein-Neckar Löwen und absolvierte 205 Länderspiele. Seit 2014 ist Roggisch Team-Manager der DHB-Auswahl (wie Oliver Bierhoff im Fußball). Mit den Löwen, für die er zunächst als Assistenz-Trainer und seit März dieses Jahres als sportlicher Leiter fungiert, gewann er im Frühjahr die Meisterschaft. Heute trifft sein Team auf die Füchse Berlin (15 Uhr, Sport1).

Herr Roggisch, wie gefällt es Ihnen auf der anderen Seite?

Oliver Roggisch: Ich glaube, dass ich mich gut eingelebt habe, auch wenn es am Anfang natürlich extrem war. Es ist nicht so einfach, den Leuten, mit denen man früher zusammengespielt hat, jetzt auch mal Ansagen machen zu müssen. Die wissen ja, dass man selber mal Spieler war und auch mal einen Termin verpennt hat. Aber irgendwann gehen meine alten Mitspieler ja auch mal in Rente.

Sie sind fast zehn Jahre bei den Löwen. Warum wollten Sie da nie mehr weg?

Wir sind jedes Jahr besser geworden waren jedes Jahr näher dran, einen Titel zu holen. Es hat zwar lange gedauert, aber wir haben es dann auch erreicht. Ich hätte das gern noch als Spieler erlebt, aber ich war ja trotzdem dabei, auch wenn es jetzt nicht mehr auf der Autogrammkarte steht.

Hat sich der Druck durch die Meisterschaft erhöht?

Man hat natürlich Erfolgsdruck, den macht man sich auch selber. Zudem haben auch andere Teams Schritte nach vorn gemacht, gerade Flensburg, Berlin, Kiel. Dass die Füchse ganz so stark dastehen, hat vermutlich keiner gedacht, aber sie haben einen richtig guten Kader und machen schon seit Jahren ein super Job. Sie haben gute junge Leute wie Paul Drux und Fabian Wiede, aber auch Silvio Heinevetter ist wieder im alten Glanz erstrahlt. Das freut mich. Er ist ein richtig guter Typ, der oft falsch verstanden wird. Ihm haben die Füchse es auch zu einem Großteil zu verdanken, dass sie da oben stehen.

Die Füchse haben zuletzt erfolgreich die 7:6-Variante im Offensivspiel angewendet, die seit dieser Saison erlaubt ist – wie stehen Sie zu dieser Regeländerung?

Ich finde, dass sie das Spiel ein bisschen kaputt macht. Wenn man das mal mit Fußball vergleicht, wann wurde da das letzte Mal eine Regel verändert? Jeder weiß von klein auf, wie die Fußballregeln sind, und wir fangen jetzt im Handball an, das Spiel interessanter machen zu wollen. Wir haben so einen geilen Sport, den müssen wir nicht besser machen durch Regeln, die es nur komplizierter machen, aber in meinen Augen nicht attraktiver. Von daher plädiere ich für sechs gegen sechs, obwohl wir natürlich sieben gegen sechs gut spielen, da vielleicht auch einen kleinen Vorteil haben.

Bei Ihnen spielt mit Kim Eckdahl du Rietz (27) einer der besten Rückraumlinken der Liga. Zum Saisonende hat er sich eine Pause erbeten, was bedeutet das für Sie?

In den Medien steht immer etwas von einer Weltreise, mit uns hat er aber noch nie über eine Weltreise gesprochen. Er ist mit dem Wunsch auf uns zugekommen, sich eine Auszeit vom Handball zu gönnen. Sein Vertrag läuft eigentlich noch bis 2018, er soll sich das bis Ende Januar überlegen, und nach der Weltmeisterschaft setzen wir uns noch einmal zusammen, müssen aber natürlich parallel schon mal schauen, was auf dem Markt ist.

Es heißt, Steffen Fäth von den Füchsen steht auf Ihrer Liste?

Steffen Fäth ist ein Spieler, über den man nachdenken sollte. Aber er hat in Berlin einen Zweijahresvertrag unterschrieben und ist daher nicht frei. Es gibt auch Spieler, die schon im nächsten Jahr zu haben sind, da müssen wir uns Gedanken machen und uns breiter aufstellen. Es wäre daher verkehrt, wenn man nur bei Steffen Fäth anruft.

Im Januar sind Sie wieder mit dem DHB als Team-Manager unterwegs. Ihr erster Einsatz war die WM 2015, was hat sich seitdem im deutschen Handball verändert?

Die Alternativen sind richtig groß geworden. Wir haben eine gute Jugendabteilung, die jahrelang immer Medaillen gewonnen hat, nur hat man es versäumt, die irgendwo einzubauen. Mit Dagur Sigurdsson haben wir einen sehr mutigen Trainer gehabt, der junge Leute reingeschmissen hat, auch wenn sie Fehler gemacht haben. Er ist da viel Risiko gegangen, aber jetzt haben wir die super Situation, dass wir viele junge Leute mit Länderspielerfahrung haben, die immer besser werden. Daher ist in Deutschland gerade so viel Qualität unterwegs wie lange nicht mehr.

Ausgerechnet dieser Erfolgsgarant ist nun auf dem Absprung. Hat es Sie überrascht, dass Sigurdsson seinen Vertrag trotz bester Perspektive plötzlich nicht bis 2020 ausfüllen möchte?

Dagur hat ja noch keine Entscheidung gefällt. Er hat gesagt, dass er andere Möglichkeiten hat, da spielt die Familie eine große Rolle, und ich glaube, wenn die Familie der Grund ist, muss man das auch akzeptieren. Ich weiß nicht, wie er sich entscheidet. Wenn es so kommt, fände ich es schade.

Als möglicher Nachfolger wird längst Leipzigs Trainer Christian Prokop gehandelt. Können Sie sich das vorstellen?

Christian ist ein riesen Trainer, keine Frage. Er macht in Leipzig einen super Job. Ich kenne ihn noch als Spieler, er war richtig gut, hatte aber leider früh viele Verletzungen und hat seine Handballkarriere deshalb früh beendet. Als Trainer hat er sich unglaublich entwickelt. Er ist sicherlich ein Kandidat, aber auch er hat einen langfristigen Vertrag in Leipzig. Da müssen wir erst einmal abwarten.