Vertragsverlängerung

Füchse-Star hat in Berlin seinen Lebensmittelpunkt gefunden

Mattias Zachrisson verlängert bei den Füchsen bis 2022. Der Schwede spricht über die Champions League, ein mögliches Harz-Verbot und sein Tattoo

Mattias Zachrisson (Mitte) spielt seit Sommer 2013 bei den Füchsen und aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken

Mattias Zachrisson (Mitte) spielt seit Sommer 2013 bei den Füchsen und aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Er wird mit jedem Jahr etwas besser, jetzt ist Mattias Zachrisson (26) aus der Füchse-Mannschaft kaum mehr wegzudenken. Auch deshalb fiel nun eine wegweisende Entscheidung für die Zukunft. Der Berliner Bundesligist verlängerte den Vertrag mit dem Rechtsaußen, der am Mittwochabend mit den Füchsen in der Schmeling-Halle auf den SC DHfK Leipzig traf (Spiel nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet), vorzeitig um fünf Jahre bis 2022. Im Interview mit der Morgenpost erklärt der Schwede und Publikumsliebling seine Beweggründe für die Vertragsunterschrift.

Prenzlauer Berg, Szene-Kiez. Das ist seit drei Jahren Ihr Zuhause in Berlin. Sie fügen sich mit Ihrem lässigen Outfit, tief sitzende Jeans und Wollmütze, hier gut ein.

Mattias Zachrisson: (lacht) Ja, wir Skandinavier sind schon cool und entspannt, machen nicht so viel Stress, haben Humor. Das passt auch zu Berlin.

Wie hart waren hingegen die Vertragsverhandlungen mit Geschäftsführer Bob Hanning?

Das ging ganz schnell. Ich habe Bob Hanning signalisiert, dass ich gern noch länger bleiben würde, also über 2017 hinaus. Ich fühle mich bei den Füchsen angekommen, meine Frau fühlt sich hier sehr wohl, wie auch unser Sohn. Sigge (er wird im Januar zwei Jahre alt/d.Red.) geht jetzt in einen deutschen Kindergarten, der nur 200 Meter von unserer Wohnung entfernt ist, das passt einfach alles perfekt.

Die Verlängerung bis 2022 entspricht ja fast schon einem Rentenvertrag.

Das stimmt, und ich habe zuvor noch nie einen so langfristigen Vertag unterschrieben. Berlin ist ja meine erste Auslandsstation überhaupt, und ich habe hier von Anfang an sehr viele Spielanteile bekommen. Da habe ich großes Glück gehabt. Meine Verlängerung zeigt ja auch, wie wohl ich mich hier bei den Füchsen fühle. Ein Engagement in Polen oder in Frankreich kam für mich nicht in Frage. Und dass die Füchse mir das Angebot gemacht haben, zeugt auch vom Vertrauen in mich. Es gibt mir und meiner Familie enorme Planungssicherheit. Berlin ist jetzt unser Lebensmittelpunkt und bleibt es auch noch eine ganze Weile.

Sie haben mit Ihren Toren großen Anteil daran, dass die Füchse jüngst in Katar Vereins-Weltmeister geworden sind und in der Bundesliga einen starken Saisonstart hingelegt haben. Machen Sie Torschützenkönig Petr Nenadic jetzt Konkurrenz?

(lacht) Nein, soweit würde ich nicht gehen, aber natürlich macht es mir Spaß, so viele Tore zu werden. Noch besser ist, wenn wir dann auch die zwei Punkte mitnehmen.

Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Wir haben in der Tat jetzt einen sehr starken Kader und sind gut drauf. Und ich habe großes Selbstvertrauen, damit steht und fällt auch die Leistung. Wenn Du auf einer Erfolgswelle schwimmst, dann gehen eben auch die Würfe rein, die sonst vielleicht am Pfosten landen. Und ein ganz wichtiger Grund für meine hohe Torausbeute liegt bei Silvio Heinevetter. Er spielt einfach geniale Pässe in den Lauf. Und nach drei Jahren verstehen wir uns längst blind. Unsere Abwehr ist zurzeit sowieso das Prunkstück. Ich profitiere beim Gegenstoß sehr davon. Aber es wird auch wieder Rückschläge geben. Wir haben bis Jahresende noch die ganz dicken Brocken wie die Rhein Neckar Löwen und Flensburg vor uns, zudem wird Fabian Wiede ab Dezember lange wegen einer Schulter-Operation fehlen. Das trifft uns hart.

DHB-Pokal 2014, EHF-Cup 2015 und zweimal Klub-Weltmeister (2015, 2016) - Sie haben mit den Füchsen alle vier großen Titel gewonnen.

Ja, es läuft ganz gut für mich, jetzt fehlen noch die Deutsche Meisterschaft und die Champions League. Und in dieser Saison können wir es tatsächlich wieder in die Königsklasse schaffen. Vorausgesetzt, wir bleiben von großen Verletzungen verschont, und wir Nationalspieler kommen alle gesund von der WM in Frankreich zurück.

Im Januar wurde mit dem Dänen Hans Lindberg einer der besten Rechtsaußen weltweit vom insolventen HSV Handball verpflichtet. Was war Ihr erster Gedanke damals?

Das war für mich schon ein Schock, ich war damals ja bei der EM in Polen, dachte, dass ich jetzt bei den Füchsen keine Spielzeit mehr bekommen würde. Das war schon ein Bedrohung. Aber ich hatte dann ein gutes Gespräch mit Bob Hanning, der mir sagte, er will zwei gleichwertige Spieler auf Rechtsaußen und die brauche man auch, um die Champions League anzugreifen. Und tatsächlich kommt es jetzt gut hin mit uns, dass wir uns die Position teilen. Jeder spielt in etwa eine Halbzeit, das ist ein gutes Konzept. Über eine ganze Saison kann ein Spieler das nicht alleine stemmen. Und ganz nebenbei ist Hans ein super Typ, mit dem ich mich richtig gut verstehe. Er ist halt wie ich Skandinavier und entspannt drauf.

So ganz entspannt dürften sie aber nicht sein angesichts der Pläne des Weltverbandes. Es gibt das Vorhaben, den Gebrauch des Harzes zu verbieten und stattdessen einen speziell haftenden Ball zu entwickeln.

Das wäre eine absolute Katastrophe, denn ich nehme im Spiel immer viel Kleber. Das wäre ein ganz andere Sport, ohne Kleber kann ich keinen Handball spielen. Als Außenspieler ist das besonder krass, weil wir ja auch Dreher machen. Auch für die Kreisläufer, die das zum Fangen benötigen. Aber es soll ja erst einmal nur eine Testphase geben.

Sie haben sich das Konterfei Ihres zweijährigen Sohnes Sigge auf den linken Oberschenkel tätowieren lassen. Warum?

Die Geburt war ein herausragendes Ereignis in meinem Leben und hat mich so glücklich gemacht, ich wollte unbedingt etwas Bleibendes, habe mich dann für das Tattoo entschlossen. Die Sitzung hat sechs Stunden gedauert. Und ja, es hat ganz schön weh getan, gerade die letzten zwei Stunden. Aber es ist super geworden.