Handball

Bei den Füchsen hat ein Chamäleon das Sieger-Gen gegen Kiel

Kresimir Kozina hat sich bei den Füchsen schnell eingelebt und will heute Kiel schlagen. Er hat eine eigene Statistik gegen den THW.

Durchsetzungsfähig: Kresimir Kozina (M.) von den Füchsen Berlin

Durchsetzungsfähig: Kresimir Kozina (M.) von den Füchsen Berlin

Foto: City-Press / City-Press GbR

Berlin.  Als der erste freie Tag bei den Füchsen Berlin auf dem Plan stand, musste Kresimir Kozina nicht lange überlegen, wie er ihn verbringt: „Ich gehe mit meiner Freundin in den Zoo“, sagte der 26-Jährige. Fast acht Stunden verbrachten er und Freundin Petra zwischen den Gehegen.

„Mir gefällt Berlin unglaublich, man kann alles machen, was man will“, sagt er. Momentan hat der Handballer weniger Freizeit. Auf den 30:29-Sieg gegen Hannover-Burgdorf am Montag folgt an diesem Mittwoch schon das Spitzenspiel gegen den Rekordmeister THW Kiel (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

„Ich freue mich riesig auf dieses Spiel“ sagt Kozina. Mit einem Sieg können die Füchse den Rekord aus der Saison 2010/11 einstellen, als sie mit 14:0 Punkten starteten — Kozina hat aber noch eine eigene Statistik vorzuweisen: Als einziger Füchse-Spieler, ausgenommen Nachwuchsakteur Christoph Reißky, hat er noch nie gegen den THW Kiel verloren.

Sowohl in der Champions League, im DHB-Pokal und auch beim Heimspiel in der Bundesliga konnte er mit der SG Flensburg-Handewitt in der vergangenen Saison gegen den Rekordmeister gewinnen. „Diese Statistik will ich unbedingt beibehalten. Sie war, glaube ich, auch ein Grund, warum mich die Flensburger Fans so geliebt haben“, sagt er lachend.

Kroate hat sich in Berlin als Nummer 1 am Kreis etabliert

Seit dieser Saison steht der Kreisläufer bei den Füchsen unter Vertrag. Er bekleidet die Position, die den Berlinern nach dem Abgang von Jesper Nielsen das wohl größte Kopfzerbrechen bereitet hatte. Doch Kozina sorgte dafür, dass die Sorgen flugs verschwanden. Schnell hat er sich vor Ignazio Jimenez als erster Kreisläufer etabliert, in der Abwehr funktioniert er neben Paul Drux und Jakob Gojun gut.

„Ich kannte ihn ja schon aus Österreich und wusste, was er kann“, sagt Füchse-Trainer Erlingur Richardsson. Von Alpla HC Hard holte die SG Flensburg-Handewitt den Kroaten kurzfristig im Oktober 2015. Dort gewann der 105-Kilo-Hüne in Lichtgeschwindigkeit die Herzen der Fans. Obwohl er nur acht Monate beim Vizemeister gespielt hatte, wurde er verabschiedet, wie ein ganz Großer. „Es war mir eine Ehre mit dir zu spielen“, sagte Kapitän Tobias Karlsson.

Man hätte ihn in Flensburg auch gern gehalten. „Sie haben mir einen Vertrag angeboten, aber auf meiner Position waren dort zu viele Leute“, sagt Kozina. Es zog ihn nach Berlin. „Ich wusste, diese Mannschaft kann ganz oben um jeden Titel kämpfen. Das war der Schlüssel für meine Entscheidung“, sagt er.

Fan von Borussia Dortmund

Auch in der Hauptstadt brauchte er keine Eingewöhnung. „Er passt super rein“, sagt Richardsson. Kozina hat etwas von einem Chamäleon. Er hat früh gelernt, sich anzupassen. Seine Geburtsstadt lag mal in Jugoslawien, gehört heute zu Bosnien, seine Staatsbürgerschaft ist kroatisch. „Das ist alles ein bisschen kompliziert gewesen mit dem Krieg“, sagt er.

Als der Krieg begann, gingen seine Eltern mit ihm und seinem anderthalb Jahre jüngeren Bruder, der heute in Basel Handball spielt, nach Witten. „Dadurch ist mir das Deutsch geblieben, das mir später im Handball viel geholfen hat“, sagt Kozina.

Am Rande des Ruhrgebietes aufgewachsen, konnte der kleine Kresimir gar nicht anders, als Fan von Borussia Dortmund zu werden. Diese Liebe ist auch geblieben, obwohl die Familie zurück nach Kroatien ging, als er sieben Jahre alt war. „Ich hoffe, ich schaffe hier mal ein Spiel gegen Hertha BSC anzuschauen. Ich war auch noch nie beim Eishockey, das will ich auch unbedingt sehen“, sagt er.

Bei der EM erstmals im kroatischen Nationalteam

Angefangen hat Kozina als Zwölfjähriger mit dem Handballspielen im Verein. „Vorher habe ich natürlich auch schon gespielt. Ich gehöre ja noch in die Generation vor Facebook und Playstation, da waren wir die ganze Zeit auf der Straße und haben jedes Spiel gespielt, für das wir gerade einen Ball hatten“, sagt er. 2003 kam mit dem WM-Titel der kroatischen Nationalmannschaft und Olympiagold 2004 der große Handballboom über das Land. „Da kannte in Kroatien jedes Kind jeden Handballer“, sagt Kozina.

Bei der EM im Januar durfte er selbst zum ersten Mal bei einem internationalen Wettbewerb das Nationaltrikot tragen und gewann die Bronzemedaille. Bei den Olympischen Spielen scheiterte er mit seinem Team im Viertelfinale an Polen. „Das war einfach der falsche Tag“, sagt er.

Kozina ist kein Träumer, er weiß genau,welche Komponenten zusammentreffen müssen, damit sich große Ziele realisieren lassen: „Wenn du als Kind sagst, ich möchte Profisportler sein, hört sich das unrealistisch an. Man muss viel Glück haben, um auf dieses Niveau zu kommen. Ich glaube, Glück ist das Wichtigste, und dass man verletzungsfrei bleibt.“

Bei den Füchsen hat er nur einen Jahresvertrag, dann kommt der deutsche Nationalspieler Erik Schmidt nach Berlin. „Ich würde schon gern in Berlin bleiben“, sagt Kozina. So ein Sieg gegen Kiel wäre ein gutes Argument für weitere Verhandlungen mit Geschäftsführer Bob Hanning.