Handball

Ein gelbes Leibchen macht noch keinen Torhüter

Füchse-Kapitän Petr Stochl erklärt die wichtigsten neuen Handballregeln. Donnerstag ist Trainingsstart in Berlin.

Petr Stochl (r.) wird vom Kollegen Silvio Heinevetter abgeklatscht. Beide gelten als bestes Torhüter-Duo der Bundesliga

Petr Stochl (r.) wird vom Kollegen Silvio Heinevetter abgeklatscht. Beide gelten als bestes Torhüter-Duo der Bundesliga

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Simon Ernst wird wohl für immer Teil der Geschichte des deutschen Handballs sein. Die Szene, wie der Nationalspieler im EM-Halbfinale im gelben Leibchen auf das Feld stürmte, obwohl Torhüter Andreas Wolff seinen Kasten nicht verlassen hatte, war eine der brisantesten des Turniers. Nicht etwa, weil Ernst spektakulär ins Spielgeschehen eingegriffen hätte, die Norweger hatten nach der 33:34-Niederlage Protest eingelegt, da Deutschland zu diesem Zeitpunkt regelwidrig zwei Torhüter auf dem Feld stehen hatte.

Wenn Deutschland am Mittwoch beim Länderspiel in Stuttgart auf Tunesien trifft (18.35 Uhr, ZDF), ist das gelbe Leibchen passé. Die zum 1. Juli 2016 in Kraft getretene Regeländerung besagt, dass der siebte Feldspieler diese Markierung nicht mehr zwingend benötigt.

Hat er kein Leibchen an, darf er aber auch nicht mehr ins Tor. „Ich finde das so viel einfacher“, sagt Füchse-Torhüter Petr Stochl (40). „Wenn sieben Feldspieler agieren, muss ich sowieso erst einmal auf die Bank, und ob sich ein Spieler mit Leibchen ins Tor stellt oder nicht, ist ganz ehrlich sowieso egal.“

Unverständnis über „Letzte-30-Sekunden-Regel“

Den Trainern bringt die Änderung erhöhte Flexibilität in der Auswahl des zusätzlichen Spielers. „Ich glaube, das wird sehr interessant“, sagt Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Gleiches gilt für die neue Regel zum passiven Spiel. Bisher lag es im Ermessen des Schiedsrichters, ob er den Angriff eines Teams abbricht.

Nachdem der Arm oben ist, dürfen ab jetzt nur noch sechs Pässe gespielt werden. „Allerdings bleibt es dem Schiedsrichter ja nach wie vor überlassen, ab wann er den Arm hebt“, gibt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning zu bedenken. Stochl wünscht sich eher eine Shotclock (Wurf-Uhr) wie im Basketball. „Dann hängt die Entscheidung nicht so am Schiedsrichter.“

Wenig anfangen kann er mit der „Letzte-30-Sekunden-Regel“, die besagt, dass in dieser Zeitspanne verhinderte Würfe oder grobe Fouls zur Roten Karte führen. Zusätzlich gibt es Siebenmeter – egal, wo auf dem Feld der Regelverstoß stattfindet. „Meistens sind die Spieler so professionell, dass so etwas nicht passiert“, sagt Stochl. „Ich würde die Regeln das gesamte Spiel gleich lassen.“

Was sind drei Angriffe?

Neu ist auch, dass ein auf dem Feld behandelter Spieler erst nach drei abgeschlossenen Angriffen seines Teams wieder ins Spiel zurückkehren darf. „Manchmal liegen Spieler tatsächlich etwas zu lange“, sagt Stochl, aber er kann sich noch nicht vorstellen, wie das umgesetzt werden soll. „Was sind zum Beispiel drei Angriffe? Da gibt es wieder viel Interpretationsspielraum.“

Die Olympischen Spiele sind der erste Wettbewerb, bei dem die neuen Regeln Anwendung finden. Stochl, mit der tschechischen Nationalmannschaft nicht qualifiziert, wird sich das Ganze am Fernseher anschauen, wenn er sich nicht gerade mit den Füchsen auf die Saison vorbereitet.

Ihr Trainingsstart ist am Donnerstag um 15.45 Uhr in der Fritz-Lesch-Straße 32. Viele Spieler werden Trainer Erlingur Richardsson in den ersten Wochen nicht zur Verfügung stehen. „Das ist ein bisschen schade“, sagt Stochl. „Aber ich freue mich, dass wir so viele gute Nationalspieler in Rio haben. Das zeigt, dass wir in dieser Saison eine starke Mannschaft haben sollten.“