Handball

Petr Stochl und sein Leben im Spagat

Kein Spieler prägt die Füchse Berlin mehr als der Tscheche Petr Stochl. An diesem Sonntag wird der Torhüter 40 Jahre alt.

Strecken für den Erfolg: Alltag für Petr Stochl

Strecken für den Erfolg: Alltag für Petr Stochl

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Holzkohle also. Beim Grillen mag es Petr Stochl traditionell. Dazu gönnt er sich gern ein kühles Blondes. Er lacht: „Geht nicht anders, ich komme ja aus einer Bierstadt.“ Pilsen eben. Nur schade, dass der Wetterbericht für diesen Sonntag nur acht Grad und Regenschauer vorsieht. Da kommt der Grill im Hause Stochl wohl nicht zum Einsatz. Gefeiert wird trotzdem, es ist trainingsfrei und der Anlass allemal eine Sause mit Ehefrau Tereza und den Söhnen Jakub und Matej wert: Der Torhüter der Füchse wird 40 Jahre alt.

Die Gelenkigkeit ist sein großer Trumpf

Wenn man Stochl beim Aufwärmen zuschaut, nötigt einem das Respekt ab. Er ist stets als erster Spieler des Handball-Bundesligisten in der Halle, dehnt sich ausgiebig und springt – das ist seine Spezialität – mehrmals hintereinander in den Spagat. Das Alter scheint ihm keine Grenzen zu setzen. „Ich muss schon mehr machen als früher“, räumt der Tscheche ein, „aber meine Gelenkigkeit ist mein Trumpf, mein Körper ist mein Kapital.“ Und das setzt er seit nunmehr zehn Jahren bei den Füchsen ein. Stochl ist mit Abstand der dienstälteste Profi beim Hauptstadtklub.

„Petr ist ein großer Teil der Füchse-Geschichte, er hat den Verein und den sportlichen Aufstieg entscheidend mitgeprägt“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „es gibt keinen Spieler, der einen größeren Einfluss auf die Füchse hat.“ In der Tat erlebte Stochl 2007 den Bundesliga-Aufstieg und die Entwicklung der Berliner zur Topmannschaft. Zweimal spielte er mit den Füchsen in der Champions League, wurde 2014 DHB-Pokalsieger und holte dann im vergangenen Jahr mit dem EHF-Cup den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte.

Beste Leistung im Finale der Klub-WM

Im September 2015 folgte der Gewinn der Klub-WM, dabei zeigte Stochl im Finale gegen das ungarische Spitzenteam Veszprem (28:27) seine wohl beste Partie im Füchse-Trikot. „Das war mit das schönste Erlebnis meiner Karriere“, erinnert er sich an die fantastischen Tage von Doha. Nicht umsonst hängt sein Trikot als Legende in der Schmeling-Halle unter dem Dach. Eine Ehre, die bisher nur ihm, Diethard Finkelmann und dem Spanier Iker Romero zuteil wurde. „Petr ist bei uns eine Institution“, sagt Hanning.

Auch in dieser Saison überzeugt der Tscheche wieder mit starken Leistungen, seit Dezember führt er die Mannschaft als Kapitän an. „Mit Petr ist es wie bei einem Wein: je älter, desto besser“, sagt Hanning. In den zehn Jahren hat der Schlussmann gerade einmal zwei Spiele wegen Verletzungen verpasst. Derzeit liegen die Füchse auf Rang fünf, trotz der Niederlage in Leipzig am Freuitag. „Den Platz müssen wir auf jeden Fall halten, damit wir auch nächste Saison wieder international spielen“, fordert Stochl.

Vertragsunterschrift im Wohnzimmer des Managers

Sein Interesse am Europacup ist ungebrochen, unterschrieb er doch jüngst den Vertrag für eine weitere Saison. Es ist der einzige Kontrakt mit einem Profi, den Hanning bei sich im Wohnzimmer geschlossen hat, das beweist die Wertschätzung gegenüber dem Tschechen. „Im Sommer 2017 gucken wir uns dann beide in die Augen, hängen noch ein weiteres Jahr dran, oder aber Petr wird bei uns Torwarttrainer“, blickt Hanning voraus.

Es wird also noch eine Weile dauern, bis Stochl samt Familie zurück nach Tschechien geht. Dorthin, wo er am liebsten mit dem Rad oder Kanu Orte entdeckt, an denen er noch nie war. Berge zieht er im Urlaub dem Meer vor, und eigentlich liebt Petr Stochl auch eher das Landleben. „Aber Berlin ist eine Ausnahme“, sagt er, „diese Stadt ist meine zweite Heimat geworden.“