Handball

Eine klare Kampfansage von Silvio Heinevetter

Der Füchse-Torwart lässt im Kampf ums Olympia-Ticket Taten sprechen und sticht beim 23:20-Sieg gegen Wetzlar sogar EM-Held Wolff aus.

Jakov Gojun (l.) und Silvio Heinevetter jubeln nach dem Sieg der Füchse Berlin gegen HSG Wetzlar

Jakov Gojun (l.) und Silvio Heinevetter jubeln nach dem Sieg der Füchse Berlin gegen HSG Wetzlar

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin.  Auch im Kampf mit dem Tornetz blieb Silvio Heinevetter strahlender Sieger. Es waren noch 60 Sekunden zu spielen, da verhedderte sich der klebrige Ball in den Maschen hinter dem Füchse-Schlussmann. Die 9000 Zuschauer in der ausverkauften Schmeling-Halle verfolgten gebannt das heitere Schauspiel.

Der 31-Jährige zog und zerrte am Spielgerät, dann gab das Netz ihn schließlich doch noch frei. Mit einem feinen Lächeln auf den Lippen brachte Heinevetter den Ball wieder ins Spiel und genoss die letzten Sekunden der Bundesligapartie gegen die HSG Wetzlar.

Im ersten Heimspiel nach acht Wochen Pause überzeugten die Berliner beim 23:20 (12:9)-Erfolg gegen den direkten Tabellennachbarn und behaupteten Platz fünf, der zur Teilnahme am Europapokal berechtigen würde. „Wir haben das erste Endspiel um Europa gewonnen“, freute sich Geschäftsführer Bob Hanning.

"Wir haben gegen einen direkten Konkurrenten gepunktet"

„Das war mannschaftlich eine ganz starke Leistung von uns“, sagte Heinevetter nach dem wichtigen Sieg, den er selbst mit 14 Paraden geebnet hatte. „Wir haben gegen einen direkten Konkurrenten gepunktet, das war enorm wichtig.“ Seine Leistung wollte der Torwart aber nicht allzu sehr beachtet wissen. „Dieses Spiel hat nicht ein Drux, ein Wiede oder ein Heinevetter gewonnen, sondern die ganze Mannschaft zusammen“, sagte Heinevetter, „ich bin sehr zufrieden.“

Das durfte er auch sein, immerhin hatte der Berliner im Nationalmannschaftsduell mit dem Wetzlarer Andreas Wolff am Ende ganz leicht die Nase vorn. „Silvio hat sich in Topform gezeigt, das muss jetzt sein Standard sein“, sagte Hanning.

Heinevetter kämpft mit Wolff und dem Gummersbacher Carsten Lichtlein noch um die beiden Torhüter-Plätze im Olympia-Kader für Rio de Janeiro. Insgesamt nimmt Bundestrainer Dagur Sigurdsson 14 Spieler mit nach Brasilien.

Steffen Fäth trieb Wetzlar an

Dank der starken Paraden Heinevetters kamen die Füchse, die auf die drei verletzten Hans Lindberg (Meniskusanriss), Kent Robin Tönnesen (Muskelfaserriss) und Ignacio Plaza Jimenez (Augenprobleme) verzichten mussten, gegen Wetzlar von Beginn an zu Tempogegenstößen, die von den Angreifern mit Freude verwandelt wurden. Nach 14 Minuten führten die Füchse bereits mit 8:3.

Allerdings kämpfte sich Wetzlar wieder heran. Die Hessen wurden dabei unermüdlich von Steffen Fäth angetrieben. Der Rückraumspieler, der im Sommer zu den Füchsen wechselt, zeigte seine Klasse als Regisseur und bei den Torwürfen.

„Ich bin schon sehr enttäuscht, dass wir das Spiel verloren haben“, sagte Nationalspieler und Europameister Fäth nach der Partie, „noch spiele ich ja für Wetzlar und will dort den maximalen Erfolg. Insofern war das für mich ein ganz normales Bundesligaspiel.“ Eine Wohnung hat Fäth für sich und seine Familie in Prenzlauer Berg bereits gefunden, nach der Saison erfolgt der Umzug in die Hauptstadt.

"Drago hat endlich das gezeigt, wofür wir ihn geholt haben"

Die aggressive und massive Abwehr der Füchse an diesem Sonntagnachmittag machte ein Durchkommen für Fäth und seine Kollegen sehr schwer. „Berlin hat sich für die starke Abwehr mit dem Sieg belohnt“, zollte Gäste-Trainer Kai Wandschneider den Füchsen Respekt. In der Tat standen die Spieler um Abwehrchef Jakov Gojun wie eine Wand auf dem Parkett, packten beherzt zu.

Bob Hanning wollte nach Schlusspfiff vor allem einen Spieler herausgestellt wissen. „Drago Vukovic hat vorn und hinten eine überragende Partie gezeigt, er hat heute den Unterschied ausgemacht“, sagte der Manager und wünschte sich mehr davon.

„Drago hat endlich das gezeigt, wofür wir ihn geholt haben. Er hat die Mannschaft geführt und seine Klasse gezeigt.“ Der Kroate war am Ende mit sechs Toren neben Europameister Fabian Wiede bester Berliner Werfer. Der Noch-Wetzlarer Fäth erzielte vier Treffer.

Füchse-Trainer Erlingur Richardsson ergänzte noch, seine Mannschaft habe außerordentlich clever gespielt. „Das war nach der langen Pause nicht selbstverständlich, aber wir haben das sehr gut gelöst und auch nicht so viele Fehler gemacht“, sagte der Isländer und freute sich, dass es in der Partie keine Schwächephase seiner Mannschaft wie zuvor schon öfter gegeben habe: „Das war ein tolles Handballspiel von uns.“