Handball

Die Füchse Berlin stehen vor dem Endspiel um Europa

Die Füchse kämpfen am Sonntag gegen Wetzlar um das Ticket für den internationalen Wettbewerb. Im Tor kommt es zum spannenden Duell.

Silvio Heinevetter (l.) im gewohnt akrobatischen Einsatz gegen Wetzlars Evars Klesniks: So könnte es auch am Sonntag wieder kommen

Silvio Heinevetter (l.) im gewohnt akrobatischen Einsatz gegen Wetzlars Evars Klesniks: So könnte es auch am Sonntag wieder kommen

Foto: dpa Picture-Alliance / Thomas Jäger / picture alliance / HMB Media/ Th

Berlin.  Mit der linken Hand wischt sich Silvio Heinevetter die Schweißperlen von der Stirn. Der Torhüter der Füchse pustet kurz durch, seine Atmung verlangsamt sich, dann geht es auch schon weiter mit dem Training in Füchse Town.

Schonen ist nicht angesagt, im Gegenteil, die Würfe von Teamkollege Petr Stochl kommen aus kurzer Distanz in voller Wucht angepeitscht. Heinevetter streckt Arme und Beine akrobatisch von sich, er wehrt den Großteil der Würfe ab. Nach der Übung klatschen sich Heinevetter und Stochl ab.

„Wir sind gut drauf“, frohlockt Stochl vor dem Bundesliga-Heimspiel am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle gegen die HSG Wetzlar (15 Uhr, es gibt noch Stehplatzkarten an der Tageskasse).

Ein Vier-Punkte-Spiel für die Füchse

Zwei Punkte gibt es im Handball für einen Sieg, Silvio Heinevetter aber stellt die Bedeutung der Partie gegen Wetzlar umgehend heraus. „Da geht es um die big points, das ist ganz klar ein Vier-Punkte-Spiel für uns“, sagt der Nationalspieler.

Die Füchse, derzeit Fünfter, wollen im Duell mit dem direkten Tabellennachbarn aus Mittelhessen ihren Platz verteidigen und damit die Chance auf einen internationalen Startplatz wahren. „Das ist für uns ein richtungsweisendes Spiel“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „mit einem Sieg könnten wir einen großen Schritt Richtung Europa machen und Wetzlar auf Distanz halten.“ Platz fünf würde für den EHF-Cup reichen.

Für Heinevetter steht deshalb auch fest: „Wir müssen gewinnen, da gibt es keine Diskussion, Punkt.“ Und Kapitän Stochl ergänzt: „In dem Spiel geht es für uns um alles, denn wir wollen unbedingt in der kommenden Saison wieder im Europapokal mitspielen.“ Als Klubweltmeister und aktueller EHF-Cup-Champion könne man nicht mit einer schlechteren Platzierung als Rang fünf zufrieden sein.

Duell zwischen Heinevetter und EM-Held Wolff

Heinevetter erlebt am Sonntag auch eine Begegnung der besonderen Art, trifft er doch mit Andreas Wolff auf seinen Kollegen aus der Nationalmannschaft. Beim Kampf um das begehrte Ticket für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) sind die beiden Handballer damit auch Konkurrenten, wobei Wolff nach der überragenden EM bei Bundestrainer Dagur Sigurdsson für den 14 Spieler umfassenden Kader wohl gesetzt sein dürfte. Aber der Isländer betont auch, dass alle Spieler die gleichen Chancen haben.

„Ich schaue nur auf die Leistung. Selbst die Europameister haben da keinen Bonus“, sagt Sigurdsson, „Silvio hat alle Chancen, in Rio dabeizusein. Die Tür steht allen offen!“ Heinevetter lässt das Thema nicht wirklich an sich ran. „Natürlich habe ich den Ehrgeiz, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein“, sagt der 31-Jährige, „aber an das Duell mit Andreas Wolff denke ich nicht. Für Rio ist alles offen, am Ende entscheidet der Bundestrainer, wer mitfährt.“

Steffen Fäth zum vorerst letzten Mal gegen Berlin

Neben Wolff reist Wetzlar auch mit den Europameistern Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher an. Fäth spielt seit Wochen stark auf, bildet mit Joao Ferraz ein torgefährliches Duo, das weiß auch Füchse-Trainer Erlingur Richardsson. „Auf die beiden müssen wir uns konzentrieren. Und dann dürfen wir vorn nicht so viele Chancen liegen lassen“, sagt der Chefcoach der Berliner.

„Fäth ist sehr gefährlich“, sagt auch Stochl und freut sich daher schon auf die nächste Saison, in der er mit Fäth gemeinsam bei den Füchsen spielt. Der wurfgewaltige Rechtshänder wechselt im Sommer von Wetzlar nach Berlin. „Es ist für mich an der Zeit, etwas Neues zu machen. Ich hatte eine lange und gute Zeit in Wetzlar, aber jetzt suche ich eine neue Herausforderung“, erklärt Fäth seinen Wechsel zu den Füchsen.

Mit ihm und den Berlinern Fabian Wiede und Paul Drux stellen die Füchse künftig den gesamten Rückraum der deutschen Nationalmannschaft – und alle drei Spieler kämpfen ebenfalls noch um das Rio-Ticket im Rückraum.

Fäth war bei der EM die Entdeckung auf der Spielmacherposition. Linkshänder Wiede trumpfte bei den Titelkämfen in Polen auch auf. Drux kämpft sich nach langer Schulter-Verletzung noch an sein früheres Topniveau heran. Mit der Verstärkung Fäth wollen sich die Füchse dann auch höhere Ziele setzen. „Mein Traum ist es, die oberen Plätze anzugreifen“, sagt Hanning.

Erstes Heimspiel nach acht Wochen Pause

Jetzt aber haben sie erst einmal Wetzlar vor der Brust. Es ist das erste Heimspiel nach acht Wochen, zudem hatten die Berliner aufgrund von Länderspielen fast vier Wochen Liga-Pause. „Jetzt müssen wir schnell in unseren Rhythmus finden“, sagt Coach Richardsson, der am Sonntag auf den am Knie verletzten Hans Lindberg (Meniskusanriss) und Kent Robin Tönnesen (Muskelfaserriss) verzichten muss.

Aber Ausreden gibt es nicht. Sportdirektor Volker Zerbe: „Der Ausfall einiger Spieler lässt uns enger zusammenrücken. Es ist wichtig, dass wir füreinander da sind und mit großem Kampf Wetzlar in die Schranken weisen.“