Handball

Die Füchse steuern mit Schonkost Richtung Europa

Beim Sieg über den Bergischen HC zeigen die Füchse nur eine Halbzeit lang guten Handball. Bob Hanning kritisiert die Einstellung.

Silvio Heinevetter glänzt mit 15 Paraden

Silvio Heinevetter glänzt mit 15 Paraden

Foto: nph / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Bob Hanning erinnert sich gern an die Zeit vor zwei Jahren. „Da haben wir den Gegner öfter mal überrannt, zehn Tore Vorsprung herausgeworfen und damit Ruhe gehabt“, sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin und blickte ein wenig ernüchtert drein: „Das schaffen wir momentan nicht mehr, jetzt bieten wir zu viel Schonkost und haben zu wenig Ausstrahlung, das ist so ein Laissez-faire.“

Die Quintessenz des Managers nach dem 34:28 (19:12)-Erfolg gegen den vom Abstieg bedrohten Bergischen HC lautete: Die Füchse waren nicht so souverän, wie sie es eigentlich hätten sein müssen. „Es ist die Zufriedenheit, die mich stört, darüber werde ich mit der Mannschaft noch reden“, sagte Hanning.

Trotz der Kritik waren die Verantwortlichen froh über den wichtigen Heimsieg. Es sind zwei Punkte, die auch eminent wichtig sind, um sich am Ende der Saison erneut für den europäischen Wettbewerb zu qualifizieren.

Dafür ist mindestens Platz fünf nötig, auf dem die Füchse derzeit auch liegen. Im Europapokal wollen sie in der kommenden Saison wieder angreifen, nachdem sie in der laufenden Spielzeit als Titelverteidiger noch vor der Gruppenphase ausgeschieden waren.

18 Paraden von Silvio Heinevetter

Immerhin, in der ersten Halbzeit zeigten die Berliner gegen den Bergischen HC richtig guten Handball. Es gab clevere Wurfentscheidungen, sehenswerte Treffer – und im Tor zeigte Keeper Silvio Heinevetter eine starke Leistung. Ihm gelangen insgesamt 18 Paraden.

In der zweiten Halbzeit aber schlichen sich wieder Schwächen ins Berliner Spiel. „Da habe wir unseren Rhythmus verloren“, sagte Trainer Erlingur Richardsson. 20 Minuten lang lief nicht mehr viel zusammen. Der Sieg gegen die Bergischen Löwen geriet aber nie wirklich in Gefahr. Beste Werfer bei den Füchsen waren Bjarki Elisson und Petar Nenadic mit jeweils acht Toren.

Noch nicht so recht ins Spiel der Berliner eingefunden hat sich Rechtsaußen Hans Lindberg. Der Däne war Ende Januar vom insolventen HSV Handball nach Berlin gewechselt. Im zweiten Pflichtspiel für die Füchse gelang ihm kein Treffer, zudem verwarf er einen Siebenmeter.

Bob Hanning gibt Lindberg Zeit. „Hans ist ein Weltklassespieler und ein Weltklassemensch, er wird uns noch sehr viel Freude machen“, sagte der Manager.

Hanning sieht Handball-Boom

Drei Wochen nach dem furiosen EM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft in Polen herrscht im Handball immer noch Hochstimmung, das war auch am Sonntag in der fast ausverkauften Schmeling-Halle (8569 Zuschauer) wieder zu erleben. Auch das Länderspiel am 13. März gegen Katar, das zugleich das Abschiedsspiel von Dagur Sigurdsson, der sechs Jahre die Füchse trainiert hatte und sich nun ausschließlich der Nationalmannschaft widmet, ist ausverkauft.

Hanning, als Vizepräsident des Deutschen Handballbundes für den Leistungssport zuständig, hat einen veritablen Boom ausgemacht. Viele Klubs würden Zuwächse melden, sagte er in der „Bild am Sonntag“. Allerdings stoße die Entwicklung aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation auch schon wieder an Grenzen, so Hanning. Viele Sporthallen werden als Unterkünfte für Flüchtlinge genutzt, so auch das Horst-Korber-Sportzentrum am Glockenturm.

Es gebe eine Ausnahmesituation, aber die könne keine Dauersituation sein, sagte Hanning. Im Laufe des Jahres müsse eine Lösung her. „Man muss behutsam und lösungsorientiert mit der Lage umgehen.“ Dafür sei die Politik verantwortlich. „Wir wählen diese Leute, die haben alle große Büros und viel Personal. Es ist wie bei einem Trainer: Der wird auch gut bezahlt, und wenn die Leistung nicht passt, wird er ausgetauscht.“ Klare Worte des Managers.