Top-Transfer

Neuer Füchse-Star Steffen Fäth lebt seinen Traum

Die Füchse verpflichten Nationalspieler Steffen Fäth. Er erhält einen Zweijahresvertrag. Erstes Interview mit der neuen Führungskraft.

Kraftvoll überwindet Steffen Fäth (Mitte) die gegnerische Abwehr. Der Rückraumspieler verstärkt ab Sommer 2016 die Füchse Berlin. Im Januar fährt der Rechtshänder mit Deutschlands Auswahl zur EM

Kraftvoll überwindet Steffen Fäth (Mitte) die gegnerische Abwehr. Der Rückraumspieler verstärkt ab Sommer 2016 die Füchse Berlin. Im Januar fährt der Rechtshänder mit Deutschlands Auswahl zur EM

Foto: Revierfoto / picture alliance / dpa

Alle Details sind geklärt, die Unterschriften unter den Vertrag gesetzt. Am Donnerstag gaben die Füchse auf ihrer Weihnachtsfeier im Szeneklub Felix die Verpflichtung des Rückraumspielers Steffen Fäth bekannt. Der 25 Jahre alte Rechtshänder (1,95 Meter, 97 Kilogramm) wechselt im Sommer 2016 von der HSG Wetzlar zum Handball-Bundesligaklub nach Berlin, sein Kontrakt läuft bis 2018. „Wir brauchen Spieler mit Führungsverantwortung, diese Qualität erfüllt Steffen Fäth“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning.

Berliner Morgenpost : Herr Fäth, Sie spielen seit mehr als fünf Jahren in Wetzlar. Warum jetzt der Wechsel nach Berlin?

Steffen Fäth: Es ist für mich an der Zeit, etwas Neues zu machen. Ich hatte eine lange und gute Zeit in Wetzlar, bin dort zum Nationalspieler gereift. Ich habe mit mehreren Vereinen verhandelt, als dann das Angebot von den Füchsen kam, war für mich schnell klar, dass ich es annehme. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht, die habe ich mit den Füchsen gefunden. Ich bin 25 Jahre alt, wenn nicht jetzt, wann dann?

In der Nationalmannschaft haben Sie schon in der Jugend für Furore gesorgt. Sie gewannen mit der deutschen Auswahl bei EM und WM jeweils Gold, wurden 2010 vom Weltverband als bester Nachwuchsspieler ausgezeichnet. In der Bundesliga aber gelang erst 2012 der Durchbruch. Warum so spät?

Anfangs kam ich in den verschiedenen Vereinen (Rhein Neckar Löwen, VfL Gummersbach, HSG Wetzlar d. Red.) nicht so richtig zum Zug. Erst als 2012 Kai Wandschneider Trainer in Wetzlar wurde, lief es besser. Vorher wurde ich nicht so viel eingesetzt, weil es immer hieß, ich sei noch so jung. Aber Kai hat mir das Vertrauen geschenkt und sehr viel mit mir gearbeitet. Ich habe das Vertrauen dann mit guten Leistungen zurückgezahlt.

Nach einer Saison als Vizekapitän sind Sie nun Spielführer in Wetzlar. Gehen Sie gern voran?

Nun, vom Naturell bin ich eher ein ruhiger, leiser Typ. Aber auf dem Feld übernehme ich schon gern die Verantwortung. Es bereitet mir Freude, in entscheidenden Phasen eines Spiels einen Wurf zu versuchen, den sich ein anderer Spieler vielleicht nicht zutraut. Das funktioniert nicht immer, aber dazu muss man dann auch stehen.

Was erwarten Sie bei den Füchsen?

Berlin ist für mich eine große Herausforderung. Ich fange bei Null an, muss mir in Sachen Respekt und Anerkennung bei den Teamkollegen und im Trainerteam alles erst einmal verdienen. Aber ich gehe das alles positiv an, werde Vollgas geben. Klar ist: Leistung ist der Schlüssel. Wenn die stimmt, kommt der Rest von ganz allein.

Ziehen Sie mit Ihrer Familie nach Berlin oder erst einmal allein?

Meine Frau Julia und meine Tochter Lea (22 Monate/d.Red.) kommen im Sommer 2016 mit nach Berlin. Und die Eltern meiner Frau freuen sich schon, denn sie wohnen in Magdeburg. Da sind wir künftig also viel näher dran.

Handball liegt bei Ihnen in der Familie. War klar, dass auch Sie dieser Tradition folgen?

Absolut, bei mir stand schon als Kind fest, dass ich mal in der Bundesliga spielen will. Mein Vater war Torhüter, musste aber damals erst seine Ausbildung zu Ende bringen, danach kam er leider nicht mehr so weit nach oben. Mich aber hat er als Kind und Jugendlicher überall hingefahren. Meine Eltern haben die Grundlage dafür gelegt, dass ich meinen Traum leben kann. Dafür bin ich ihnen unglaublich dankbar. Wenn ich nicht die enorme Unterstützung bekommen hätte, glaube ich nicht, dass ich es jemals so weit geschafft hätte.

Deshalb auch das Tattoo an Ihrem rechten Oberarm?

Ja, da stehen die Namen meiner Eltern drauf. Michael und Daniela. Und das Tattoo auf dem Unterarm ist mein Geheimnis, das ist nur etwas für mich.

Im April 2010 haben Sie in der A-Nationalmannschaft debütiert und seitdem 21 Länderspiele absolviert. Ihre Teilnahme an der WM im Januar in Katar mussten Sie wegen einer Entzündung in der Patellasehne absagen. Jetzt stehen Sie im 17-köpfigen Kader für die EM im Januar 2016 in Polen.

Ich bin dankbar und glücklich, von Bundestrainer Dagur Sigurdsson berufen worden sein, und ich glaube, dass ich gute Chancen habe, in Polen dann auch dabei zu sein. Noch läuft ja die Vorbereitung. Aber ich habe beim Supercup gute Leistungen gezeigt und danach von Dagur Sigurdsson auch gutes Feedback erhalten. Ich werde mich bei den anstehenden Maßnahmen auf jeden Fall voll reinhängen, denn man darf sich nie zu sicher sein.

Es wäre Ihre erste EM.

Ja, und meine Vorfreude ist riesig. Ich war ja schon 2013 bei der WM in Spanien, und die Stimmung bei solch einem Großereignis ist einmalig. Das ganze Umfeld macht einem tierisch Lust darauf. Und ich bin überzeugt, dass wir eine Mannschaft haben, die absolut konkurrenzfähig ist und es bei der EM weit bringen kann.