Handball

Bjarki Elisson will in Berlin den nächsten Schritt machen

Der Zweitliga-Torjäger aus Island hat Eisenach verlassen und ist zu den Füchsen gewechselt. Elisson weiß, dass er Geduld haben muss.

An seinem neuen Arbeitsplatz: Füchse-Profi Bjarki Elisson im Trainingszentrum des Berliner Handball-Bundesligisten

An seinem neuen Arbeitsplatz: Füchse-Profi Bjarki Elisson im Trainingszentrum des Berliner Handball-Bundesligisten

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Berlin.  Illusionen gibt sich Bjarki Elisson nicht hin. „Ich muss geduldig sein“, sagt der Handballprofi von den Füchsen Berlin. Doch der Isländer übertreibt bewusst etwas, wenn er mit einem Lächeln nachschiebt: „Ich fange hier wieder am Nullpunkt an.“

Nullpunkt? Nun mal langsam. Zwar ist der 25-Jährige neu beim Berliner Bundesligisten, aber ganz hinten wird er sich nicht anstellen müssen. Dafür ist er auch viel zu selbstbewusst: „Ich will hier unbedingt den nächsten Schritt machen.“

Deshalb ist er zu den Füchsen gewechselt. Fast schon andächtig schaut er im Trainingszentrum in Hohenschönhausen zu dem großen Bild an der Wand, das die Füchse im Konfettiregen mit dem EHF-Cup zeigt, den sie im vergangenen Mai gewonnen haben. „Das ist ein großer Klub...“ Sicherlich eine andere Nummer als der Thüringer Sportverein (ThSV) Eisenach, bei dem Elisson in den vergangenen beiden Jahren unter Vertrag stand.

Wunschspieler von Trainer Richardsson

Der Wechsel nach Berlin ist ihm leicht und schwer zugleich gefallen. „Als das Angebot von den Füchsen kam, gab es kein großes Überlegen, diese Chance musste ich nutzen, schließlich will ich mich weiterentwickeln.“ Doch andererseits „hatte ich zwei wirklich tolle Jahre in Eisenach“. 2013/14 in der ersten Liga, auch wenn er mit dem Klub abstieg. Und in der Saison 2014/15, als er mit dem ThSV gleich wieder in die Eliteklasse aufstieg. Als Torschützenkönig der 2. Liga mit insgesamt 279 Toren. „Ich hatte viel Spielzeit und war schon in großer Name in der Stadt“, erzählt der Linksaußen rückblickend.

Dass er von Eisenach in die Hauptstadt gekommen ist, liegt vor allem an Erlingur Richardsson, der zu dieser Saison als Nachfolger von Dagur Sigurdsson das Traineramt bei den Füchsen übernommen hat. „Bjarki war der absolute Wunschspieler des Trainers“, sagt Berlins Geschäftsführer Bob Hanning.

Richardsson und Elisson sind beide Isländer – und sie haben eine gemeinsame Vergangenheit. Zwei Jahre (2010-2012) lang war Richardsson Coach von Elisson bei HK Kópavogur, beheimatet vor den Toren von Reykjavik. „2012 wurden wir gemeinsam isländischer Meister“, erinnert sich der Profi. „Erlingur kennt mich eben sehr gut und weiß, dass ich immer hundert Prozent gebe.“ Den Trainer beschreibt er als einen, der viel an der Physis der Spieler arbeitet, im Kraftraum und auf der Laufbahn. Und: „Er redet nicht viel, ist korrekt und hat alles, was ein guter Trainer haben muss. Ich mag seinen Stil.“

Rückkehr in die Nationalmannschaft angestrebt

Bevorzugen wird der Coach seinen Landsmann nicht, darüber ist sich Elisson im Klaren. „Ich habe in Fredrik Petersen einen Weltklasse-Linksaußen vor mir, von dem ich noch einiges lernen will.“ Doch Elisson wird um seine Spielzeit kämpfen und sie bekommen: Bundesliga, Pokal, EHF-Cup, es gibt jede Menge Partien zu absolvieren.

Über Berlin will er auch zurück in die isländische Nationalmannschaft, wo er bei Nationaltrainer Aron Kristjansson seit einiger Zeit außen vor ist. Was ihn sehr ärgert: „Aber wenn ich bei den Füchsen gut spiele, hat er keine Argumente mehr, mich nicht zu nominieren.“

Schon in den ersten Testspielen zeigte der torgefährliche Isländer, dass seine Stärken wie Schnelligkeit, Timing und Wurfgenauigkeit den Füchsen weiterhelfen werden. „Ich bin gut bei Tempogegenstößen“, sagt er über sich und fügt lachend an: „Ich werde mich bei ihnen beschweren, wenn ich von unseren Torhütern nicht die Bälle für den Gegenstoß bekomme.“ Sein Motto: „Ich will den Ball haben – dann mach’ ich den Rest.“

Absolut nervenstark bei Siebenmetern

Zudem ist er ein exzellenter Siebenmeterwerfer. „Ich habe starke Nerven.“ In der vergangenen Saison war Ellison 86-mal von der Linie erfolgreich. Bei einer Trefferquote von 88 Prozent. Die Füchse hingegen schwächelten in der Vergangenheit oft bei Strafwürfen. „Ein Siebenmeter“, so Hanning wenig begeistert, „war für uns nicht unbedingt ein Vorteil.“

Rundum zufrieden sei er bisher mit allem in Berlin, sagt Elisson. Mit seiner Frau und der drei Monate alten Tochten hat er in Prenzlauer Berg eine schöne Wohnung bezogen. „Alles ist top“, sagt Elisson.

Und er hat bei den Füchsen auch wieder die Nummer 4 bekommen, die er seit der Jugend auf dem Trikot trägt. Bjarki wird Bjerki, also mit e, ausgesprochen. Nummer 4 heißt auf Isländisch Bjarki fjarki (gesprochen Bjerki fjerki). „Das reimt sich so schön, und ein Trainer nannte mich damals so“, erinnert er sich. Seitdem ist Bjarki Elisson die Nummer 4.