Handball

Füchse-Chef Hanning: „Wir werden uns nicht prostituieren“

Die Berliner Füchse starten mit Ansprüchen, aber noch ohne Hauptsponsor in die Saisonvorbereitung.

Trainingsauftakt des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin im Sportforum Hohenschönhausen

Trainingsauftakt des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin im Sportforum Hohenschönhausen

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin –.  Erlingur Richardsson hat fleißig gelernt. Seit vergangenem Januar hat der Isländer einmal pro Woche Deutsch gepaukt. Die Fortschritte waren gut hörbar, als der neue Trainer der Berliner Handball-Füchse am Mittwochnachmittag die Mannschaft zum ersten Training versammelte. „Deutsch ist schon schwer“, sagte er dennoch mit einem Grinsen. Aber Neuland war es für den 42-Jährigen nicht wirklich, schließlich hatte er vor seinem Engagement in Berlin beim österreichischen Erstligisten Westwien gearbeitet. Da wird beim Sprechen der Januar schon mal schnell zum „Jänner“.

Die Sprache wird also für Richardsson kein Problem sein, den der Berliner Klub ausersehen hat, die Nachfolge seines Landmannes Dagur Sigurdsson anzutreten, der künftig nur noch als Bundestrainer arbeiten wird.

Eins schweres Stück Arbeit

Auf Richardsson wartet ein schweres Stück Arbeit. Denn die Füchse haben sich zu einem Umbruch entschlossen. „Die Mannschaft brauchte frisches Blut“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning. Fünf neue Profis sind gekommen: Die Kroaten Drago Vukovic und Jakov Gojun, der Norweger Kent Robin Tönnesen, der Isländer Bjarki Elisson und der Spanier Ignazio Plaza Jimenez (er fehlte beim Trainingsauftakt wegen einer Verpflichtung mit der spanischen Junioren-Nationalmannschaft).

Zudem werden künftig im Rahmen der von Hanning vorangetriebenen „Berlinisierung“ die Nachwuchskräfte Kevin Struck, Moritz Schade und Fynn-Ole Fritz zum Profikader gehören.

Dafür gingen Pavel Horak und Konstantin Igropulo, der in der vergangenen Saison nachverpflichtete Evgeni Pevnov sowie Iker Romero, der seine Karriere beendete. Die Langzeitverletzten Bartlomiej Jaszka, Denis Spoljaric und Colja Löffler sind nach wie vor nicht sportfähig. „Wir planen erst einmal ohne sie“, erklärte Hanning.

Romero, die „spanische Sonne“, der Publikumsliebling der Füchse, wird am 6. September zum ersten Heimspiel der Füchse in die Schmeling-Halle für eine Ehrung zurückkehren. Sein Trikot mit der Nummer 18 wird neben den Jerseys von Petr Stochl und Diethard Finkelmann unters Hallendach gehängt.

„Jetzt wird hoffentlich unsere Erfolgsgeschichte weitergeschrieben“, meinte Hanning. Unter Sigurdsson, der sechs Jahre in Berlin wirkte, erreichten die Füchse beispielsweise zweimal die Champions League, kamen dabei einmal sogar ins Final Four. 2014 wurde das Team Pokalsieger, 2015 gab es den Triumph im europäischen EHF-Cup.

Höhen und Tiefen

Trotz des Erfolges in Europa: Die vergangene Saison (Platz sieben in der Liga) war von Höhen und Tiefen geprägt. Hanning: „Die anderen werden besser, wir müssen einen Zahn zulegen.“ Auf dem Feld, aber auch abseits. Es soll noch professioneller gearbeitet werden.

So wurde zum Beispiel die neue Position des Leiters Gesundheit und Fitness geschaffen, Bereiche wie Rehabilitation, Athletiktraining oder Physiotherapie wurden neu geordnet, zudem wird es künftig eine hauptamtliche Pressesprecherin geben.

Und dann fehlt immer noch ein Haupt- und Trikotsponsor. „Das tut schon weh“, gab Hanning zu. Aber: „Wir werden uns preislich nicht prostituieren.“ Die Füchse wird es nicht zum Schnäppchenpreis geben. Doch klar ist auch: „Auf Dauer sind wir auf einen Hauptsponsor angewiesen.“