Handball

Paul Drux ist bei den Füchsen der Coverboy mit Bodenhaftung

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexandra Gross

Foto: Lukas Schulze / dpa

In fünf Partien endet für Paul Drux seine erste Spielzeit als Handballprofi mit den Füchsen. Wie der 20-Jährige seine Premierensaison erlebt und zum Coverboy des Berliner Bundesligisten geworden ist.

Auf dem einen Plakat ist Paul Drux beim Sprungwurf zu sehen. Kraftvoll, dynamisch, mit Zug zum Tor. Auf einem anderen sitzt der Rückraumspieler in einem U-Bahn-Waggon, er hält eine weiße Gans in den Händen und lächelt verschmitzt. Der 20-jährige Handballprofi ist so etwa wie der Coverboy des Bundesligaklubs Füchse Berlin. Damit hat Drux kein Problem. Im Gegenteil. „Es ist schön, dort abgebildet zu sein“, sagt er, „ich habe mich auch schon einige Male in der Stadt auf Plakaten hängen sehen, das ist irgendwie cool.“

Das Lächeln aus der U-Bahn-Werbung hat Drux in den vergangenen Tagen nicht abgelegt. Fühlt sich ja auch zu gut an, Europapokalsieger zu sein. Nun heißt es aber wieder Fahrt aufnehmen für den Bundesliga-Endspurt. Fünf Partien stehen im Saisonfinale für die Füchse noch an, die erste davon am Sonntag gegen den SC Magdeburg (16.45 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Da haben die Berliner noch eine Rechnung offen, hatten sie doch Anfang Mai im Halbfinale um den DHB-Pokal gegen den SCM knapp mit 26:27 verloren. Wiedergutmachung sei angesagt, fordert Drux.

Mit diesen fünf Spielen biegt er auf die Zielgerade seiner ersten Saison als Vollprofi ein. Im vergangenen Jahr erst hatte der Rechtshänder am Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB) sein Abitur bestanden. Schon damals galt er als der kommende Rückraumstern im deutschen Handballhimmel. Ihm gehöre die Zukunft, war vielerorts zu hören, allen voran bei den Füchsen selbst, die Drux ausbilden, seit er mit 16 Jahren vom VfL Gummersbach nach Berlin gewechselt war.

Starke WM in Katar

Seither hat der 1,92-Meter-Mann eine erstaunliche Karriere hingelegt. Er ist mit den Füchsen mehrmaliger A-Jugendmeister geworden, dazu Europameister mit den deutschen Junioren. Im Profiteam des Berliner Bundesligisten ist er Stammspieler und gewann jüngst den EHF-Pokal. Im September 2014 bestritt Drux sein erstes Länderspiel für die A-Nationalmannschaft, er glänzte im Januar bei der WM in Katar als Neuling. In nunmehr 18 internationalen Einsätzen warf er 37 Tore.

Solche Erfolge könnten einem jungen Mann auch zu Kopfe steigen. Sind sie aber nicht. „Ich sehe mich als Teil des Ganzen“, sagt er, „wir gewinnen als Mannschaft und verlieren als Mannschaft. Und ich habe den Vorteil, dass mir mein Trainer (Dagur Sigurdsson, d.Red.) vertraut. Ich bin in die Verantwortung hineingewachsen.“

Sein Antrieb ist, sich Schritt für Schritt zu verbessern. Jeden Tag. Dabei versucht er, sich so wenig Druck wie möglich zu machen, auch wenn dieser in seinem ersten Profijahr deutlich gestiegen sei. Aber Drux hat schon erkannt, dass es nicht förderlich ist zu verkrampfen. „Deshalb versuche ich, immer locker zu bleiben.“

Nudeln, Steak, Salat – und Hanteln

Dass ihn Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, Drux’ Ausbilder, Förderer und väterlicher Freund, mit Olympiasieger, Weltmeister und Welthandballer Nikola Karabatic verglichen hat, ehrt ihn. „Das geht runter wie Öl, aber ich muss noch ganz viel machen, um dorthin zu kommen“, sagt Drux. Das tut er, legt nach dem Mannschaftstraining oft Extra-Schichten ein. Von nichts kommt nichts.

Dazu gehört, an Muskelmasse zuzulegen. Beim Handball geht es beherzt, ja mitunter brutal zur Sache, und Drux ist längst als gefährlicher Schütze bekannt. Da heißt es gegenzuhalten. „Handball ist ein Vollkontaktsport, da brauche ich noch mehr Masse.“ Also Hanteln stemmen, die Kraftausdauer verbessern – und ordentlich essen. Das gelingt ihm besser, seit er mit seiner Freundin in Weißensee zusammengezogen ist.

Nudeln, Steak und Salat sind seine bevorzugten Gerichte. „Nicht mehr Kantinenessen wie im Sportinternat“, sagt Drux und lacht, „ich ernähre mich jetzt besser. Außerdem habe ich gute Gene.“ Und für den geistigen Ausgleich zum Leistungssport studiert Paul Drux Betriebswirtschaftslehre. Solide und nachhaltig. So wie sein Streben bei den Füchsen – da läuft sein Vertrag bis zum Jahr 2019.