Zukunft im Fuchsbau

Bei den Füchsen ist es an der Zeit für eine neue Ära

Der EHF-Cup-Sieg krönt bei den Füchsen die sechs Jahre mit Trainer Dagur Sigurdsson. Im Sommer kommt der große Umbruch. Beim Fan-Fest in Füchse Town präsentieren die Spieler den Pokal und grillen.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Auch beim Feiern zeigten die Pokalsieger Leidenschaft und Durchhaltevermögen. Bis kurz nach Mitternacht stießen die Spieler der Füchse Berlin mit Kaltgetränken im Edelklub Felix auf ihren Triumph im EHF-Pokal an, anschließend zog die Mannschaft weiter in eine Bar in Mitte. Den Sonnenaufgang am Montagmorgen um 5.06 Uhr erlebte der ein oder andere Profi durchaus noch am Tresen. Eine ordentliche Pokalsause hatte sich die Mannschaft um Kapitän Iker Romero wahrlich verdient, war ihr doch am Sonntag mit dem Gewinn des Europapokals der erste internationale Titelgewinn der Vereinsgeschichte gelungen. „Das ist ein so überragendes Gefühl“, brachte Jungstar Fabian Wiede, 21, die Gemütslage der Berliner auf den Punkt.

Während die Spieler nach ihrem Coup also die Nacht zum Tag machten, saß Bob Hanning am Montagvormittag schon wieder in seinem Büro am Gendarmenmarkt. Mit einem Lächeln ging er seiner Arbeit nach, immer wieder wanderte sein Blick zum Smartphone, das den Eingang neuer Nachrichten anzeigte. „Alle Vereine der Bundesliga haben uns gratuliert, dazu noch unsere ehemaligen Spieler wie Torsten Laen oder Mark Bult“, freute sich Hanning, „wir haben unheimlich viel Zuspruch aus dem nationalen und internationalen Umfeld bekommen.“ Und nach exakt zehn Jahren als Geschäftsführer der Füchse war der Cup-Sieg der vorläufige Höhepunkt seines Schaffens in Berlin. „Wir sind unheimlich stolz, dass wir als eines der ganz wenigen Berliner Teams einen Europacup in die Stadt geholt haben.“

Pokal-Sause mit den Fans in Füchse Town

Natürlich hatte Coach Dagur Sigurdsson seiner Mannschaft am Montag trainingsfrei gegeben. Zeit zum Regenerieren – und zum Genießen. Am Abend dann trafen sich die Spieler sowie das Funktionsteam und alle Mitarbeiter der Geschäftsstelle im georgischen Spezialitäten-Restaurant „Genazvale“ in Charlottenburg. Es ist die bevorzugte Lokalität von Rückraumspieler Konstantin Igropulo, der sich noch am Sonntagabend wie schon im Vorjahr nach dem nationalen Pokalgewinn nackt mit der goldenen Trophäe ablichten ließ und das Foto in den sozialen Netzwerken um die Welt schickte.

An diesem Dienstag gibt es eine Feier mit den Fans. Die Mannschaft lädt ab 18 Uhr alle Anhänger nach Füchse Town (Fritz-Lesch-Straße 32, 13053 Berlin) und grillt für sie. Fans können sich mit dem Pokal und mit den Spielern fotografieren lassen. Gegen eine kleine Spende für die Jugendabteilung gibt es Bratwurst, kleine Snacks und Getränke. Weiter gehen die Feierlichkeiten am Sonntag im Bundesligaspiel gegen den SC Magdeburg (16.45 Uhr, Schmeling-Halle), wo der EHF-Pokal noch einmal im Fuchsbau präsentiert wird.

Dagur Sigurdsson war auch am Montag noch ganz verzaubert vom Triumph. „Wir haben ein kleines Wunder vollbracht“, sagte der Isländer, „das Leben ist einfach schöner, wenn man gewinnt. Alles ist perfekt. Wir haben den Titel und spielen nächstes Jahr wieder in Europa.“ Moment mal, wir? Da mag sich der 42-Jährige aus Versehen wohl versprochen haben, denn in der kommenden Saison ist er gar nicht mehr bei den Füchsen als Coach aktiv. Ab Sommer kümmert sich Sigurdsson ausschließlich um die deutsche Nationalmannschaft, soll diese zu Olympia 2016 in Rio und dann 2020 in Tokio zu olympischem Gold führen. Im Sommer übernimmt der Isländer Erlingur Richardsson, 42, den Trainerjob bei den Füchsen.

Damit ist auch schon der gewichtigste Wechsel beim Bundesligaklub benannt. Auch auf Spielerebene folgt ein großer Umbruch. Linkshänder Igropulo wechselt zu KIF Kolding Kopenhagen, Kapitän Romero beendet nach 20 Jahren seine Karriere. Kreisläufer Evgeni Pevnov muss aus wirtschaftlichen Gründen den Verein verlassen, wird sich voraussichtlich einem anderen Bundesligisten anschließen. Auch bei Spielmacher Petar Nenadic stehen die Zeichen auf Abschied, die endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Im Gegenzug kommen mit Jakov Gojun (Paris Saint Germain), Drago Vukovic (TuS N-Lübbecke), Bjarki Elisson (ThSV Eisenach), Kent Robin Tönnesen (HSG Wetzlar) und Ignacio Plaza Jimenez (Puerto Sagunto) gleich fünf neue Spieler. Ein Fragezeichen steht hinter den Langzeitverletzten Denis Spoljaric (Hand) und Bartlomiej Jaszka (Schulter), beide Leistungsträger werden nach Operationen nicht mehr richtig fit.

„Wir können nicht jeden Spieler halten, den wir halten wollen“, erklärte Manager Hanning zum Beispiel zum Weggang von Kreisläufer Pevnov. „Wir haben ein enges finanzielles Korsett.“ Vom Gewinn des EHF-Cups erhofft sich Hanning ein vermehrtes Engagement von Sponsoren. Durch den EHF-Titel sind die Füchse erneut für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. „Das ist eminent wichtig für uns“, sagte Hanning, „gerade in einer Stadt wie Berlin ist es notwenig, dass wir uns auf europäischer Bühne präsentieren können. Und gerade die jungen Spieler brauchen in dieser Phase ihrer Karriere auch die internationalen Spiele.“ Gemeint sind damit vor allem Paul Drux, 20, und Fabian Wiede, 21, die ihre erste Profisaison bei den Füchsen bestreiten und bereits den Sprung in die A-Nationalmannschaft geschafft haben. Auch, weil sie bei den Füchsen die Königspositionen im Rückraum besetzen und Verantwortung übernehmen müssen. Ihnen gehört die Zukunft. In Berlin und Deutschland.

„Es ist an der Zeit für etwas Neues, es ist jetzt der richtige Schritt für eine neue Ära“, sagte Hanning zur der bevorstehenden Zäsur im Team. „Wir haben eine Grenze erreicht, das Team brennt nicht mehr in dem hohen Maß wie früher, das ist kein Vorwurf, aber es ist an der Zeit für einen Umbruch.“