Kommentar

Dem Mutigen gehört Europa, den Füchsen der EHF-Cup

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Alexandra Gross

Foto: AP

Mit dem Europacup krönt Sigurdsson seine Zeit bei den Füchsen. Der Sieg ist beachtlich nach einer Saison, die von Extremen geprägt ist, Alexandra Gross lobt die Philosophie, dem Nachwuchs zu vertrauen.

Der Jubel ist groß, der Stolz über das Erreichte ebenso. Sechs Jahre entwickelte der Isländer Dagur Sigurdsson das Berliner Handballteam, führte es in und jetzt sogar an die europäische Spitze. Beim insgesamt fünften Final-Four-Turnier (einmal Champions League, zweimal DHB-Pokal, zweimal EHF-Cup) gelang nun der zweite Triumph. Im Vorjahr hatten die Berliner den nationalen Pokal gewonnen. Im Sommer beendet Sigurdsson seine Arbeit bei den Füchsen und widmet sich ausschließlich der deutschen Nationalmannschaft. Der Zeitpunkt darf als optimal bezeichnet werden. Nach dem Motto, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber er ist und bleibt der Baumeister des Erfolgs.

Der Sieg im EHF-Cup ist beachtlich nach einer Saison, die von vielen Verletzungen und extremen Schwankungen geprägt ist. Leistungsträger wie Spielmacher Bartlomiej Jaszka oder Abwehrchef Denis Spoljaric fielen komplett aus. Stars wie Pavel Horak, Konstantin Igropulo oder Silvio Heinevetter mangelte es bislang an der nötigen Konstanz, um ganz oben mitzumischen. Fünf Spieltage vor Schluss liegen die Füchse in der Bundesliga auf Rang sieben. Der Titel im Europacup gründet letztlich auf der kontinuierlichen und seriösen Arbeit der vergangenen Jahre.

Und der Titel verdient Respekt, sind die Füchse doch in dieser Saison das nicht kalkulierbare Risiko eingegangen, die Königspositionen mit Nachwuchstalenten wie Fabian Wiede und Paul Drux zu besetzen. Mancher Experte zweifelte da an der Erfolgsaussicht dieses ambitionierten Vorhabens. Immerhin setzten Topvereine wie der THW Kiel oder die Rhein-Neckar Löwen auf millionenschwere Weltstars im Rückraum. Doch bei den Füchsen gelten klare Prinzipien.

Die Ausbildung des eigenen Nachwuchses und deren Heranführung an den Profi-Bereich hat oberste Priorität. Dass es ohne viele Superstars geht, haben die Füchse mit dem EHF-Cup-Sieg bewiesen. Und dass Wiede und Drux die letzten Treffer im Finale erzielten, spricht für sich. Der Erfolg war nicht planbar, aber für ihren Wagemut wurden die Berliner belohnt. Sie haben eine mittelprächtige Bundesligasaison mit dem ersten internationalen Titel gekrönt und damit ihr Renommee in Europa ausgebaut.

Der EHF-Pokal erhält in der Geschäftsstelle am Gendarmenmarkt einen Ehrenplatz. Dort also, wo jüngst die Zukunft der Füchse entworfen wurde. Denn mit dieser Saison endet bei den Berlinern eine Ära. Neben Trainer Sigurdsson verlassen vier Spieler den Verein, dazu kommen die Sorgenkinder Jaszka und Spoljaric; im Gegenzug kommen fünf neue Profis plus Coach Erlingur Richardsson an die Spree. „Alles hat seine Zeit“, erklärte Geschäftsführer Bob Hanning.

Wenn die Füchse bei ihren Grundsätzen bleiben, wird die Entwicklung mit neuem Personal weitergehen. Der EHF-Pokal ist ihnen aber nicht mehr zu nehmen.