Handball

Die Berliner Füchse sind zum ersten Mal EHF-Cup-Sieger

Handball-Bundesligist Füchse Berlin hat mit dem Triumph im EHF-Cup den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte errungen. Gegen Hamburg setzten sich die Berliner mit 30:27 durch.

Foto: dpa

Sie lagen aufeinander und übereinander, tanzten nebeneinander im goldenen Konfettiregen. „So sehen Sieger aus“, schallte es aus den Lautsprechern. Ein bisschen abseits schritt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson über das Parkett, den Kopf auf die Brust gelegt, ins sich gekehrt. Es erinnerte an die Szene von Franz Beckenbauer beim Titel-Gewinn bei der Fußball-WM 1990 in Italien. „Es ist ein großartiges Gefühl“, sagte Sigurdsson und gestand: „Ich bin jetzt völlig fertig. Aber von so einem Abschied habe ich geträumt.“ Ein paar Minuten später stemmte der im Sommer scheidende Sigurdsson den goldenen Pokal in die Höhe, dann verneigte er sich mit der Trophäe unter großem Jubel vor den 8206 Zuschauern. Und schon spritzte der Schampus über die verschwitzten Häupter der Berliner Handball-Helden.

Siegprämie von 100.000 Euro

Es ist geschafft, die Füchse Berlin sind Europapokalsieger. Im Endspiel um den EHF-Cup besiegten sie in einer dramatischen Partie den Bundesliga-Rivalen HSV Handball 30:27 (16:13) und gewannen den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte. Für den Triumph, mit dem die Füchse nun zur europäischen Hautevolee des Handballs gehören, erhielten sie zudem eine Siegprämie in Höhe von 100.000 Euro.

„Wir haben mit diesem Titel den größten Schritt in der Vereinsgeschichte getan“, jubilierte Geschäftsführer Bob Hanning und rang um Worte: „Die Mannschaft hat einmal mehr ihren überragenden Charakter unter Beweis gestellt. Ich bin so stolz auf alle.“ Der Manager hatte das Finale via Liveticker aus Essen verfolgt. Dort war er am Nachmittag mit der B-Jugend durch ein 25:21 (15:11) über den Tusem Essen Deutscher Meister geworden. Hanning: „Ich habe heute vor genau zehn Jahren den Job als Geschäftsführer bei den Füchsen angetreten. Dass wir jetzt den Europapokal gewonnen haben, macht mich überglücklich.“ Natürlich freute sich der Manager auch, dass sein Team durch den EHF-Cup-Sieg nächste Saison wieder im europäischen Wettbewerb dabei ist. Im Spiel um Platz drei hatten zuvor die Dänen von Skjern Handbold mit 27:22 (12:13) gegen Gorenje Velenje aus Slowenien gewonnen. Bitter für Hamburg: Ihr Abwehrchef Davor Dominikovic verletzte sich während des Endspiels schwer: Verdacht auf ausgekugelte Schulter.

Kein Entkommen von der Sektdusche gab es für Frank Steffel. Der Präsident der Füchse herzte jeden einzelnen Spieler und platzte ebenfalls vor Stolz. „Die Jungs haben das sensationell gemacht und haben eine leidenschaftliche Einstellung gezeigt, das ist ein toller Abschied für Dagur Sigurdsson und Iker Romero.“ Kapitän Romero beendet im Sommer nach 20 Jahren seine eindrucksvolle Karriere. Steffel weiter: „Dieser Pokalsieg hilft uns bei der Akzeptanz in Berlin. Berlin ist eine internationale Stadt, da braucht es auch internationale Titel.“

Siegerküsschen für die Freundinnen

Während Steffel das sagte, stemmte Konstantin Igropulo seine fast einjährige Tochter Mela mit pinkfarbenen Kopfhörern hoch. Die Jungstars Paul Drux und Fabian Wiede nahmen ihre Freundinnen in die Arme. Und Iker Romero kletterte trotz Arthrose im rechten Knie behände über die Ränge. Ziel seiner Begierde war Freundin Laura Steinbach. Auch hier gab es ein paar Siegerküsschen.

Die Füchse führen mit ihrem Sieg eine Tradition weiter, denn mit nur einer Ausnahme (2014 Pick Szeged) haben bislang immer deutsche Mannschaften im zweitwichtigsten europäischen Klubwettbewerb triumphiert. Bis dahin war es freilich ein hartes Stück Arbeit. Die Berliner, mit Kreisläufer Jesper Nielsen, der nach einem Magen-Darm-Virus wiedergenesen war, legten einen furiosen Blitzstart aufs Parkett. Völlig losgelöst in seinem Vorwärtsdrang war Igropulo. Der Russe holte die linke Schleuder raus, brachte die Füchse nach fünf Minuten 4:2 in Führung. Im Tor erwischte Silvio Heinevetter wie schon im Halbfinale einen starken Tag. Die Abwehr war aggressiv und immer nah dran am Gegenmann.

Romeros emotionaler Abschied

Auch nach dem Seitenwechsel waren die Füchse kaum zu stoppen. Nach 40 Minuten betrug der Vorsprung sogar fünf Tore (21:16). Aber die Hamburger steckten nicht auf, kämpften sich Tor um Tor heran. Plötzlich stand es 21:21 (45.) – alles wieder offen. In einer Auszeit brachte Sigurdsson seine Mannen noch einmal auf Kurs. Tatsächlich hatten sie nun den Tick mehr Zug zum Tor, die Berliner erzwangen quasi ihr Glück. Jetzt rückte Petr Stochl ins Tor, auch der Tscheche wehrte einige Würfe des HSV ab. Fabian Wiede zum 29:27 und Paul Drux zum 30:27 machten in den Schlusssekunden den Triumph perfekt. Dann brachen in der Schmeling-Halle alle Dämme. Später ging es in den Szeneklub Felix zur großen Pokalfeier.

Kapitän Romero fand die passenden und berührende Schlussworte: „Danke Trainer, danke Verein, danke Berlin. Jetzt kann ich gehen. Dankeschön für alles. Auf Wiedersehen.“