Handball

Füchse Berlin ziehen ins Finale ein und treffen auf Hamburg

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Alexandra Gross

Foto: dpa

Besser kann es für die Handball-Bundesliga nicht laufen: Die „stärkste Liga der Welt“ stellt wieder den EHF-Pokalsieger. Im Finale stehen sich die Füchse Berlin und Hamburg gegenüber.

Es waren 45 Minuten gespielt, da lag Silvio Heinevetter auf einmal quer in der Luft. Der Torhüter streckte beide Arme und Beine von sich und erwischte den Ball tatsächlich noch mit der linken Fußspitze. Von den Rängen der Max-Schmeling-Halle schallten „Heinevetter, Heinevetter“-Rufe. Und auf der Tribüne riss seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Simone Thomalla, ihre Arme hoch. Die akrobatische Rettungstat war am Ende eine von insgesamt 17 Paraden des Torhüters und die Grundlage für den 27:24 (16:12)-Erfolg der Füchse Berlin vor 7112 Zuschauern im Halbfinale des europäischen EHF-Cups gegen Gorenje Velenje (Slowenien).

Nach Platz drei im Vorjahr haben die Berliner nun die Chance, den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte zu gewinnen und die Siegprämie von 100.000 Euro zu kassieren. Im Endspiel treffen die Füchse am Sonntag (17.30 Uhr, Sky) auf den Bundesligarivalen HSV Handball, der im ersten Halbfinale Skjern Handbold überraschend locker mit 27:23 (14:11) besiegte. Für das Finale und das Spiel um Platz drei (14.30 Uhr) gibt es noch Karten an der Tageskasse (ab 29 Euro).

Petersen in Torlaune

„Wir waren am Limit, wir mussten bis zum Schluss kämpfen“, sagte Berlins Trainer Dagur Sigurdsson, „jetzt sind wir sehr glücklich über diesen Sieg.“ Und Geschäftsführer Bob Hanning jubilierte: „Wir haben das überragend gelöst.“ Der Manager der Füchse hatte doppelten Grund zur Freude, war doch schon am Nachmittag die B-Jugend der Berliner durch ein 35:23 über den TV Großwallstadt ins Finale um die Deutsche Meisterschaft eingezogen.

Mit einem Lächeln riss sich Matchwinner Heinevetter nach der Schlusssirene das Stirnband vom Kopf, Tausende kleine Schweißperlen rannen ihm über die geröteten Wangen. Angesprochen auf seine Glanzleistung winkte der Nationalspieler aber ab. „Wir haben als ganze Mannschaft stark gespielt, ich möchte mich da nicht herausnehmen“, sagte er, „wir haben unser Ziel erreicht und das Spiel als Mannschaft gewonnen.“ Paul Drux sah das doch etwas anders. „Wir haben die Partie dank einem herausragenden Silvio Heinevetter gewonnen, er hat sensationell gehalten“, sagte der Rückraumspieler. Erfolgreichster Werfer der Berliner war der Schwede Fredrik Petersen, der sieben Tore (davon vier Siebenmeter) erzielte.

Über ihren Finalgegner konnten die Berliner Spieler nach dem Sieg erst einmal nur wenig sagen. Während Heinevetter den Kopf schüttelte („Da mach ich mir jetzt noch keinen Kopf“), sagte Drux: „Wir hoffen, dass wir morgen wieder genauso gut spielen, jetzt müssen wir aber erst einmal regenerieren.“ Fabian Wiede mahnte: „Wir haben noch nichts gewonnen, sondern nur den ersten Schritt gemacht.“

Die Füchse begannen sehr konzentriert und schwungvoll. Leidenschaft und inneres Brennen hatte Manager Hanning gefordert. Und das zeigten die Profis. Rasch gingen sie gegen die Slowenen in Führung, vor allem Linksaußen Petersen verspürte große Torlust. Er verwandelte einen Siebenmeter nach dem anderen. Nach 15 Minuten führten die Berliner, die auf den an einem Magen-Darm-Virus erkrankten Kreisläufer Jesper Nielsen verzichten mussten, mit 7:6. Für Nielsen rückte der A-Jugendspieler Moritz Schade ins Team, der seine Sache wirklich gut machte unter den ganzen Stars.

Unter dem lautstarken Jubel der Fans betrat Kapitän Iker Romero (18. Minute) das Spielfeld, der Spanier war bis unter die Haarspitzen motiviert und erzielte umgehend ein Tor. Die Qualitäten eines mitreißenden Kapitäns, der alle Schmerzen vergisst und über das Limit geht, benötigen die Füchse in solch einer entscheidenden Partie. In Iker Romero haben sie ihn.

Doch auch die anderen Spieler mobilisierten in dem K.o.-Spiel alle Reserven. Allen voran Konstantin Igropulo. Der Russe, der im Sommer den Verein verlässt, übernahm immer wieder Verantwortung auf dem Platz und hämmerte den Ball ins Tor. „Ich wünsche mir zum Abschied einen Titel mit den Füchsen“, sagte der Rückraumspieler.

Bis zu sechs Tore Vorsprung

Im zweiten Durchgang starteten die Berliner furios, sie gingen mit 18:12 (34.) in Führung. Die Vorentscheidung. Zwar kämpften sich die Slowenen noch einmal kurz vor Schluss auf zwei Tore heran, den Sieg aber ließen sich die Berliner nicht mehr nehmen. Die letzte Aktion war – von wem sonst – eine Parade von Silvio Heinevetter.

Mit einer Ausnahme haben immer deutsche Mannschaften im zweitwichtigsten europäischen Klubwettbewerb triumphiert. Im Vorjahr waren die Füchse am späteren Sieger Pick Szeged gescheitert. Der nächste Sieger kommt nun wieder aus Deutschland.