EHF-Cup-Endrunde

Der letzte große Wurf des Füchse-Spielers Iker Romero

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Alexandra Gross

Foto: nph / Engler / picture alliance / nordphoto

Der Spanier Iker Romero will die Füchse Berlin kurz vor seinem Karriereende zum ersten internationalen Titel führen. Er ist ein Vorbild an Einstellung, geht über sein Limit und besiegt den Schmerz.

Auf die Dehnübungen folgte zur Erwärmung noch ein kleines Fußballspiel. Alt gegen Jung, das hat bei den Füchsen Berlin schon Tradition. Und Iker Romero, 34, schaltete umgehend auf Energiesparmodus. Der Spanier postierte sich vor dem gegnerischen Tor und wartete auf den goldenen Pass. Der kam zwar nicht, immerhin aber verwandelte der Kapitän des Handball-Bundesligisten einen Siebenmeter. Mit links. „Besser als Messi“, sagte Romero, riss beide Arme hoch und lachte, „ein Hammerschuss.“ Am Ende hieß es 3:0 für die Oldies. Und Teambetreuer Thomas Otto strahlte: „Dass Alt gewonnen und Iker ein Tor geschossen hat, ist ein gutes Zeichen.“

Im Halbfinale gegen Velenje

Mächtig Spaß hatten die Füchse bei der Trainingseinheit am Freitagvormittag in der Schmeling-Halle. Es war die letzte Übungsstunde vor dem EHF-Cup-Halbfinale an diesem Sonnabend gegen den slowenischen Vertreter Gorenje Velenje (17.30 Uhr, Sky). Bereits um 14.30 Uhr kämpfen der HSV Handball und Skjern Handbold (Dänemark) um den Einzug ins Finale am Sonntag (17.30 Uhr). Für Iker Romero ist es nach vier Jahren in Berlin das letzte große Turnier mit den Füchsen, im Sommer beendet der Rückraumspieler seine beeindruckende Karriere im Profihandball. „Mein Körper und mein Geist sagen mir, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist“, sagt Romero und hofft, seine Laufbahn mit dem ersten internationalen Titel für die Füchse zu beenden. „Das Final Four ist etwas Besonderes, ich werde das sehr genießen. Genießen und kämpfen, ich werde alles geben für diese letzte Chance.“

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, und dort hat Romero seinen Worten stets auch Taten folgen lassen. Trotz seines geschundenen Körpers; allein fünf Mal wurde er am rechten Knie operiert, dort plagt ihn eine chronische Arthrose. „Iker ist ein Vorbild, weil er immer wieder seine Schmerzen überwindet. Er liebt seinen Job und hält die Mannschaft zusammen“, schwärmt Bob Hanning. Der Geschäftsführer hatte Romero vor einem Jahr bei einer guten Flasche Rioja – dem Lieblingswein des Spaniers – überredet, doch noch eine Saison dranzuhängen. Die Entscheidung bereut Romero nicht, „denn mein Kopf hatte mir gesagt, dass es noch ein Jahr gehen würde. Ich hätte mich sonst immer gefragt, warum ich es nicht probiert habe.“ Jetzt blicke er voller Stolz auf seine Karriere zurück. „Ich gehe immer an und über mein Limit, kann mir nichts vorwerfen“, sagt Romero, „das kann nicht jeder Spieler von sich behaupten.“ Und sowieso habe er den besten Job. „Handball ist ein großer Spaß.“

200 Einsätze für die Nationalmannschaft

Und so ganz nebenbei kam auch das private Glück dazu. Seit September ist der Baske mit der Handball-Nationalspielerin Laura Steinbach, Tochter des früheren NOK-Präsidenten Klaus Steinbach und bei den Füchse-Frauen unter Vertrag, liiert. Ob sie ihren Liebsten nach Spanien begleitet, ist aber noch offen.

Im Sommer 2011 war Romero vom großen FC Barcelona nach Berlin gewechselt. Als Europa- und Weltmeister, Olympia-Dritter und Champions-League-Sieger, der insgesamt 200 Mal für die spanische Nationalmannschaft im Einsatz war. „Die vier Jahre sind wie im Flug vergangen, sie gingen so rasch um wie vier Monate“, sagt der Rechtshänder und fügt an: „Das zeigt, dass man sehr zufrieden und glücklich ist.“ Nur das optimale spanische Restaurant hat der bekennende Genussmensch Romero nicht gefunden. Der Unterschied zu Vitoria im Baskenland, seiner Heimat, sei enorm groß. Auch im Preis. „Bei mir zu Hause zahle ich 70 Cent für ein gutes Glas Rioja, und das Essen kostet mindestens 50 Prozent weniger.“ Dennoch habe er in den vergangenen Jahren auch die deutsche Küche zu schätzen gelernt.

Druck als zusätzliche Motivation

Das trifft auch auf die Bundesliga zu. Physisch anspruchsvoller und schneller sei der Handball hierzulande. Im Gegensatz dazu sei der spanische Handball mehr von Taktik bestimmt. Der Druck aber, dem die Füchse nun beim EHF-Cup vor heimischer Kulisse standhalten wollen, kennt Romero aus seiner Heimat. „Das war beim FC Barcelona ähnlich.“ Er empfindet den Druck aber als mehr als positives denn als hemmendes Element. „Ohne Druck bist du nur ein halber Spieler.“

Sowieso sei es falsch, sich zu viele negative Gedanken zu machen. „Wenn man mit Freude an jedes Spiel herangeht, klappt es auch besser“, sagt er. Sein Credo lautet: Nicht müssen, sondern wollen. „Und bloß nicht vorher schon Gedanken darüber machen, wie ein Spiel ausgehen wird. Das dürfen wir auch jetzt gegen Velenje nicht machen.“ Und dann spricht Romero diesen Satz aus, den schon der frühere Fußball-Nationaltorwart Oliver Kahn neben seinen Paraden legendär gemacht hat. „Wir brauchen Eier“, sagt Romero, „und wir brauchen einen kühlen Kopf. Wenn du nur eins davon hast, bist du tot. Wenn du beides auf die Platte bringst, hast du eine große Chance.“ Und die will Romero mit den Füchsen im EHF-Cup ergreifen.