Handball

Warum die Füchse kein Geld von den Scheichs nehmen

Investoren aus Katar wollten bei den Handball-Füchsen einsteigen, stellten aber auch gleich unannehmbare Bedingungen. Geschäftsführer Bob Hanning: „Wir verkaufen nicht unsere Seele.“

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Bob Hanning, der Geschäftsführer von den Füchsen Berlin, glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Da saß er den Abgesandten einer Investorengruppe aus Katar gegenüber – und die Herren hielten mit ihren Vorstellungen nicht lange hinter dem Berg. „Die sagten doch allen Ernstes, dass als Erstes gleich mal ein neuer Trainer kommen müsse“, erinnert sich Hanning. Dagur Sigurdsson, der Coach des Handball-Bundesligisten und über die Liga hinaus hoch angesehen, genüge nicht höchsten internationalen Ansprüchen.

Spätestens an diesem Punkt war Hanning klar, dass es verlorene Zeit war, sich zumindest einmal die Vorstellungen der Katari anzuhören, die mit ordentlich Geld bei den Berlinern einsteigen wollten. Locker von derzeit etwa fünf auf zehn Millionen Euro hätten die Berliner ihren Saisonetat erhöhen können, wenn… Ja, wenn sie sich mit den Herrschaften aus dem Emirat geeinigt hätten.

Füchse befinden sich nicht in sportlicher Not

So blieb es bei diesem einen Gespräch vor ein paar Wochen. Die Berliner Seite wusste schnell, dass sie sich nie und nimmer auf einen Deal einlassen würde, der zwar viel Geld in die Kasse gebracht hätte, der aber auch dazu geführt hätte, dass man selbst nicht mehr das Sagen im Klub haben würde. Sondern diejenigen mit dem dicken Geldsack.

„Völlig unmöglich“ sei so etwa, meint Hanning. „Wir sind doch nicht in wirtschaftlicher Not.“ Und sowieso gelte: „Wir verkaufen nicht unsere Seele.“

Auch in Mannheim und Gummersbach abgeblitzt

Von sich aus waren die potenziellen Investoren auf die Berliner zugekommen. Hanning weiß zu berichten, dass die Herren vom Golf bereits vorher in Mannheim, bei den Rhein-Neckar Löwen, und beim VfL Gummersbach vorgesprochen hatten. Überall sind sie abgeblitzt. Jetzt geben sie eben noch mehr Petro-Dollars an den Handball-Klub Paris Saint-Germain HB, den sie innerhalb eines Jahres schon vom Abstiegskandidaten zum französischen Meister gemacht haben.

Wobei die Summen für den Handball eher Peanuts sind im Vergleich zu dem, was die Scheichs in die Fußball-Abteilung des Pariser Klubs gesteckt haben und weiter stecken. Das Team um Superstar Zlatan Ibrahimovic soll die Nummer eins in Europa werden, die Champions League gewinnen.

EHF-Entscheidung am Freitag

Ebenfalls um die Champions League, allerdings im Handball, geht es für die Füchse. Gespannt wartet man darauf, am Freitag vom europäischen Verband (EHF) mitgeteilt zu bekommen, ob Berlin als Bundesliga-Vierter – wie bisher üblich – zu einem Turnier eingeladen wird, dessen Sieger in der europäischen Eliteklasse dabei sein darf. Die ersten Drei, Kiel, Rhein-Neckar Löwen und Flensburg, haben ihren Platz sicher.

Der HSV Hamburg, Fünfter in der Tabelle, hat die Champions League kürzlich gewonnen, will als Titelträger auch 2013/2014 in der Beletage dabei sein. Die EHF will aber nicht, dass im Zweifelsfall fünf deutsche Teams im Wettbewerb sind. „Ich habe für alle Verständnis, aber man muss auch Verständnis für uns haben“, so Hanning Er fände am fairsten, wenn Füchse und HSV am Turnier Anfang September teilnehmen dürften: „Der Bessere möge dann gewinnen.“