Handball

Füchse wollen mit einem Kraftakt in Champions League

Bei den Rhein-Neckar-Löwen geht es für die Berliner Füchse um viel. Auf dem Spiel steht die erneute Qualifikation für die Champions League.

Manchmal ist es ganz gut, wenn man ein bisschen Abstand hat. So geht es Bob Hanning dieser Tage. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin, der zugleich Trainer der A-Jugend des Vereins ist, bereitet sich mit dem Nachwuchs auf das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen Essen vor.

Deshalb reiste er am Dienstag nicht mit dem Handball-Bundesligateam nach Mannheim. Sein Glück, sagte er: „Ich muss ja Mittwoch nicht spielen. Deshalb schwebe ich immer noch auf meiner Wolke herum.“

Doch was tun die Spieler, die soeben noch das „Wunder von Berlin“, den Einzug ins Final Four der Champions League geschafft haben? Und die nun an diesem Mittwoch (20.15 Uhr, Sport1 live und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online) bei den Rhein-Neckar Löwen eine sehr wichtige Begegnung überstehen müssen, am besten, ohne zu verlieren?

Spieler wollen "auch mal ein Bier trinken"

Es geht gegen einen direkten Konkurrenten um Punkte für die erneute Champions-League-Qualifikation. „Ganz ehrlich“, gab Hanning zu, „ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren soll.“

Am Sonntag, nach dem nervenzehrenden 29:18-Sieg über Ademar Leon, war auch Trainer Dagur Sigurdsson diesbezüglich noch ein wenig ratlos gewesen. Der Isländer hatte den Blick schon nach vorn gerichtet, auf die nächste schwere Aufgabe. Aber seine Spieler, erkannte er voller Verständnis, „die wollen jetzt auch mal ein Bier trinken“.

Die wollten auch mal das Unglaubliche feiern, das sie erreicht hatten. „Das war physisch wie psychisch ein Powerspiel“, analysierte Sigurdsson. Gegen Ende einer Saison, die ohnehin seiner Mannschaft schon sehr viel Energie abverlangt hat.

46 Spiele hat sie seit September in den Knochen, musste auch manche Verletzung von Leistungsträgern verkraften. Und immer ging die Hetze weiter, von einem wichtigsten Spiel aller Zeiten zum nächsten Meilenstein der Vereinsgeschichte.

Entwicklung im Zeitraffer

Doch Erfolg setzt auch Kräfte frei. So wurde Petr Stochl und Markus Richwien, zwei Akteuren der ersten Stunde des Füchse-Neuanfangs, am Sonntag wie in einem Zeitraffer die rasante Entwicklung bewusst.

Vor fünf Jahren hatten sie noch vor 500 Zuschauern im Bundesliga-Abstiegskampf ihr Bestes gegeben; nun wurden sie von 9000 glückseligen Fans für den Einzug ins Final Four gefeiert.

Mittwochvormittag um 11.15 Uhr werden die Halbfinals ausgelost für das Turnier der vier stärksten europäischen Klubmannschaften in der Kölner Lanxess-Arena am 26. und 27. Mai. Hanning wäre nicht Hanning, hätte er nicht schon einen Masterplan, wie das Endspiel zu erreichen ist.

„Ich möchte unbedingt gegen Atletico Madrid spielen“, sagte der Manager wie aus der Pistole geschossen. Warum? „Solange ich bei den Füchsen bin, und das sind jetzt immerhin sieben Jahre, haben wir noch nie innerhalb einer Saison dreimal gegen denselben Gegner verloren.“

In der Champions-League-Hauptrunde unterlagen die Berliner den Spaniern in beiden Begegnungen. Nun könnte man dem Optimismus Hannings entgegenhalten, dass die Füchse so oft ja auch nicht in eine solche Verlegenheit gekommen sind – aber will man das?

Es trifft jedenfalls auf die vergangenen beiden Jahre zu, als der HSV Hamburg und der THW Kiel bei dem Versuch gescheitert sind. Na bitte!

Löwen in schlechter Stimmung

Doch nun zuerst die Löwen. Ausgerechnet sie. Denn die Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundsson wollte eigentlich dort stehen, wo die Füchse jetzt angekommen sind. Stattdessen scheiterten sie als Bundesligavierter der vergangenen Saison in der Champions-League-Qualifikation.

Der Abstieg in den EHF-Pokal war auch alles andere als von Erfolg gekrönt – FA Göppingen schaltete den Favoriten im Halbfinale aus. Und nun droht erneut das Verpassen aller Saisonziele. Denn national liegt der Klub mit einem der höchsten Etats der Bundesliga nur auf dem enttäuschenden fünften Platz, drei Punkte hinter dem Tabellendritten Berlin.

Die drei erstplatzierten Klubs erreichen direkt die Königsklasse, der Vierte muss in die Qualifikation. Was nichts anderes bedeutet als: Die Löwen müssen gegen die Füchse unbedingt gewinnen, soll nicht die Stimmung gänzlich kippen.

"Wir haben die Wassermelone probiert"

Dessen sind sich die Gäste natürlich bewusst. Am Montag hatte die Mannschaft nach ausgiebigen Feierlichkeiten noch trainingsfrei. Am Dienstag wurde vormittags geübt; anschließend reiste das Team nach Mannheim, wo am Mittwochvormittag eine letzte Einheit ansteht.

„Natürlich wissen wir, wie schwer das wird. Aber wir wollen die Chance ergreifen, uns wieder direkt für die Champions League zu qualifizieren“, sagte Nationalspieler Sven-Sören Christophersen.

Warum, hat Iker Romero schon am Sonntag nach dem Triumph gegen Leon so erklärt: „Wir haben die Wassermelone probiert. Und sie schmeckt sehr süß.“