Handball-Bundesliga

Füchse erzwingen ihr Glück in Göppingen

Durch ihr Last-Minute-Unentschieden gegen Frisch auf Göppingen halten die Berliner Füchse Anschluss an die Tabellenspitze. Bereits vor dem Spiel gab es für den Verein Grund zum Jubeln.

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Mit der Schlusssekunde hob Johannes Sellin am Kreis ab und flog und flog. Dann schleuderte er den Ball mit aller Kraft gen Tor, schrie erst seine Anspannung und dann seine Freude heraus. Und da rannten sie auch schon auf ihn zu, um ihren Handball-Helden des Abends zu feiern. Dank des Treffers des Rechtsaußen erzwangen die Füchse Berlin vor 8632 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle gegen Frisch Auf Göppingen ein 30:30 (14:15) und sicherten in einer hart umkämpften Partie immerhin noch einen Punkt. Weil der HSV Hamburg in Hüttenberg ebenfalls nicht über ein Remis hinauskam, bleiben die Berliner in der Bundesliga auf Platz zwei hinter dem THW Kiel.

„Das war eine sehr spannende Partie, die Zuschauer bekommen bei uns für ihr Geld viel geboten“, sagte Trainer Dagur Sigurdsson und lächelte. Der Isländer räumte aber auch ein: „Wir müssen am Ende froh sein, dass wir diesen einen Punkt geholt haben.“ Vom Kopf her sei das heute ein bisschen emotionslos gewesen, „aber meine Mannschaft hat super gekämpft“. Geschäftsführer Bob Hanning sagte: „Wir haben einen Punkt geholt, der in der Endabrechnung womöglich entscheidend sein kann.“

Vor dem Anwurf hatten Fans und Füchse mehr Grund zum Jubeln als danach im Spiel. Die Berliner werden auch künftig ihre Heimspiele in der Schmeling-Halle austragen, sie verlängerten den Vertrag mit Hallen-Betreiber Velomax um weitere fünf Jahre. „Das ist unsere Halle, das ist unser Fuchsbau“, jubilierte Hanning und warf einen Blick zurück. Am 19. August 2005 hatten die Berliner ihr erstes Spiel in der Schmeling-Halle bestritten, damals noch als Zweitligist. „Früher kamen nur um die 300 Zuschauer, aber ich habe Velomax versprochen, dass es schon bald mehr werden.“ Und die Berliner entdeckten in der Folgezeit tatsächlich ihre Liebe zum Handball, heute strömen im Schnitt mehr als 8000 Zuschauer zu den Heimspielen in die Halle. „Die Stimmung in der Halle ist überragend, die Fans sind ganz nah dran und unterstützen uns super“, schwärmt Rückraumstar Iker Romero.

In das berauschende Erlebnis kamen die Füchse auch am Sonntag wieder. Angetrieben von den Fans übernahmen die Platzherren zunächst die Führung (4:3, 6. Minute). Nach ein paar Fehlwürfen aber verloren die Berliner ihre Linie, lagen auf einmal 7:9 (14.) hinten. Im Tor kam nun Petr Stochl für Silvio Heinevetter, und der Tscheche führte sich mit guten Paraden gut ein. Damit ermöglichte er seiner Mannschaft immer wieder Tempogegenstöße, die vor allem der flinke Linksaußen Ivan Nincevic nutzte. Ein Doppelschlag des Kroaten brachte das 14:13 (26.).

Nach dem Seitenwechsel mussten die Füchse nun aber unbedingt an Tempo und werferischer Qualität zulegen, wollten sie einen Heimsieg erringen. Jung-Nationalspieler Sellin erzielte kurz nach Wiederanpfiff das 16:16 (33.), der Rechtsaußen war vergangene Woche von Bundestrainer Martin Heuberger in den deutschen Kader berufen worden. Aber die Gäste aus Schwaben waren erfolgshungrig und bissig. Während die Füchse gute Chancen vergaben, netzten die Schwaben ihre Würfe gnadenlos ein – und führten nach 40 Minuten mit 23:18. „Auf geht's Füchse, kämpfen und siegen“, riefen die Berliner Anhänger. Und die Profis kämpften auch. Tor um Tor kamen sie heran.

Sechs Sekunden vor Schluss lagen die Füchse 29:30 zurück, Trainer Sigurdsson nahm eine Auszeit, um den letzten Wurfversuch zu besprechen. Die Spieler hörten ganz genau hin – allen voran Johannes Sellin.